21. August 2026, 16:44 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die US-Gesundheitsbehörde CDC kontrolliert in regelmäßigen Abständen unangekündigt Kreuzfahrtschiffe verschiedener Reedereien, die US-Häfen anlaufen. Einige davon sind auch auf dem deutschen Markt buchbar – etwa die aus der ZDF-Sendung „Das Traumschiff“ bekannte Amadea von Phoenix Reisen. Bei ihrer Kontrolle überprüfen die Inspektoren unter anderem die Hygiene und gesundheitlichen Bedingungen an Bord. Die Kreuzfahrtschiffe können bei der Kontrolle maximal 100 Punkte erreichen, ab 86 Punkten gilt sie als bestanden. Bei den jüngsten Inspektionen schafften es mehrere Schiffe nur knapp über diese Grenze, eines fiel mit 84 Punkten sogar durch.
Kreuzfahrt-Fans brauchen nun keinen allzu großen Schrecken zu bekommen. Die CDC schreibt ausdrücklich, dass 85 oder weniger Punkte zwar kein zufriedenstellendes Ergebnis darstellen, ein niedriger Wert aber auch nicht automatisch bedeute, dass der Aufenthalt auf dem betreffenden Schiff für Passagiere gefährlich ist. Es handelt sich um eine Momentaufnahme einzelner Bereiche. Dies veranschaulicht etwa das Beispiel der Carnival Breeze: Das Kreuzfahrtschiff erreichte im vergangenen Jahr noch die volle Punktzahl von 100, doch es erhielt bei der diesjährigen Prüfung nur noch 86 Punkte.
So läuft die Hygiene-Inspektion der Kreuzfahrtschiffe ab
Die CDC hat ein eigenes Regelwerk für die Gesundheits- und Hygieneanforderungen auf Kreuzfahrtschiffen. Nach diesem überprüfen die Inspektoren verschiedene Bereiche an Bord. Hierzu zählen unter anderem Küchen und Restaurants, Trinkwassersysteme, Pools und Whirlpools, medizinische Einrichtungen, Kabinen, Lüftungsanlagen, Kinderbereiche und öffentliche Räume. Für festgestellte Verstöße werden von insgesamt 100 möglichen Punkten welche abgezogen, wobei der Abzug je nach Bedeutung der Verfehlung stärker oder schwächer ausfallen kann.
100 Punkte erscheinen dabei durchaus ambitioniert – sind aber erreichbar. Das zeigen strahlende Beispiele unter den kontrollierten Kreuzfahrtschiffen, die auch in diesem Jahr die volle Punktzahl erreichten. Dazu gehören unter anderem die Icon of the Seas, Carnival Celebration, Celebrity Apex, Disney Dream, Norwegian Viva und Queen Elizabeth.
Auf anderen Schiffen hatten die Inspektoren deutlich mehr auszusetzen. Sieben der kontrollierten Kreuzer erhielten bei den diesjährigen CDC-Kontrollen weniger als 90 Punkte.
Norwegian Dawn – das Schlusslicht der diesjährigen Kontrolle
Die niedrigste Bewertung erhielt in diesem Jahr die Norwegian Dawn – mit nur 84 Punkten. Bei dem Kreuzfahrtschiff der Reederei Norwegian Cruise Line dokumentierten die Inspektoren unter anderem Fruchtfliegen im Buffetbereich, verschmutzte Eismaschinen, schimmelartige Ablagerungen und zu warm gelagerte Lebensmittel. Das Schiff sammelte so 48 Beanstandungen an und fiel durch die Kontrolle durch.
Auch auf der MSC Meraviglia gab es Probleme; diese zählt unter den getesteten Kreuzfahrtschiffen zu den besonders relevanten auf dem deutschen Markt. Laut der CDC haben die Tester bei zahlreichen Steaks beim Auftauen eine deutlich zu hohe Temperatur gemessen, was eine Entsorgung unumgänglich machte. An einer Handwaschstation bei den Eismaschinen fehlte zudem das laufende Wasser. Für das Schiff gab es insgesamt 89 Punkte.
Collien Ulmen-Fernandes: »Das war mein absurdester Moment auf dem ‚Traumschiff‘
Neue Kreuzfahrtschiffe, Routen und Attraktionen
Das „Traumschiff“ erreichte keine traumhafte Punktzahl
Die vom deutschen Reiseveranstalter Phoenix Reisen betriebene Amadea, bei Fernsehzuschauern als „Traumschiff“ bekannt, wurde ebenfalls getestet. Und auch hier fiel das Ergebnis eher durchwachsen aus. Bei der im Februar 2026 vorgenommenen Inspektion erreichte das Schiff 89 von 100 Punkten, bestand die Kontrolle also, blieb aber deutlich hinter der Höchstwertung zurück.
In ihrem Report schreibt die CDC beim Punkt „Handhygiene und Kreuzkontamination“ zu einer konkreten Beobachtung auf der „Amadea“: „Beim Frühstück wurde beobachtet, wie zwei Besatzungsmitglieder beim Braten von Eiern ihre Daumen in kleine Glasschalen mit aufgeschlagenen rohen Eiern hielten. Anschließend berührten sie mit derselben Hand hart gekochte Eier sowie mehrere Servierutensilien, mit denen Passagiere bedient wurden, ohne sich vorher die Hände zu waschen. Ein Mitarbeiter wischte später Eigelb von seinem Daumen an seiner Schürze ab und setzte danach seine Arbeit an der Warmtheke fort.“
Dokumentiert sind zudem teilweise Verschmutzungen, Rückstände, Verklebungen und Ähnliches an Saftmaschinen oder in Küchenbereichen. Im Swimmingpool sei zudem der Chlorgehalt zu niedrig gewesen.
TRAVELBOOK hat Phoenix Reisen um eine Stellungnahme und nähere Angaben zu den festgestellten Mängeln gebeten. Eine Antwort steht bislang noch aus.
Was schlechte Bewertungen für die Reedereien bedeuten
Reedereien müssen auf ein schlechtes Ergebnis reagieren: Die CDC fordert, dass festgestellte Mängel behoben werden, kritische Verstöße sogar sofort. Nach einer nicht bestandenen Kontrolle wird das Schiff zudem erneut überprüft. Doch wann genau diese Nachkontrolle stattfindet und ob alle Beanstandungen dann tatsächlich beseitigt sind, lässt sich aus dem ursprünglichen Inspektionsbericht natürlich nicht ablesen. Ein automatisches Auslaufverbot gibt es nicht.
Für Reisende hat das wohl einen bitteren Beigeschmack. Denn die CDC-Veröffentlichung zeigt konkrete Mängel auf – ob und wann diese vollständig behoben wurden, geht daraus jedoch nicht hervor.