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Massachusetts, Connecticut, Maine, New Hampshire

Wie der perfekte Roadtrip durch den Nordosten der USA gelingt

Straße in Connecticut
TRAVELBOOK-Autorin Anna Wengel (Chiodo) zeigt ihre Roadtrip-Route durch Neuengland Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)
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Anna Wengel
Freie Autorin

13. September 2025, 13:11 Uhr | Lesezeit: 12 Minuten

TRAVELBOOK-Autorin Anna Wengel (jetzt Chiodo) hat einen weiteren Teil der USA mit dem Auto erkundet. Ihr Neuengland-Roadtrip startete in Boston, führte durch Teile Massachusetts und Connecticuts, Maines und New Hampshires. Für uns hat sie die knapp dreiwöchige Route sowie Tipps für unterwegs aufgeschrieben.

Ich liebe Neuengland. Allen voran Boston und die Gilmore-Girls-Stadt New Milford. Ganz besonders auch Jackson und die White Mountains sowie kleine Küstenorte wie Kennebunkport. Dank der Hochzeit eines Freundes nahe Boston (und trotz Trump-Administration) durfte ich diese und weitere Orte kürzlich auf einem Familien-Roadtrip durch Neuengland neu- und wiederentdecken.

Unsere Neuengland-Roadtrip-Route: von Boston nach Connecticut, zurück nach Massachusetts, weiter nach Maine und New Hampshire, zurück nach Boston. Wir waren einen Monat im Nordosten der USA unterwegs, haben davon aber allein knapp eineinhalb Wochen in Boston verbracht. Etwas, das ich unbedingt jedem ans Herz legen möchte, der noch nicht dort war (oder wie ich noch einmal wiederkommen möchte). Für mich ist Boston ein Städtetraum – Großstadt, mit allem an Cafés, Kultur, Shopping, Gewusel und Möglichkeiten, die ich zum Wohlfühlen brauche. Dabei in Wassernähe, hübsche Häuser und fast ruhige Orte, sodass auch diese Bedürfnisse abgedeckt werden. Ich weiß nicht, wie oft mein Mann und ich uns sagten, wie gut wir uns vorstellen könnten, dort zu leben, wäre da nicht die aktuelle politische Situation.

Die Newbury Street in Boston
Der Roadtrip startete in Boston (im Bild: die Newbury Street) Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Connecticut und Massachusetts

Kleiner Schlenker nach New Milford

New Milford: ein Gilmore-Girls-Inspirationsort in Connecticut
New Milford: ein Gilmore-Girls-Inspirationsort in Connecticut Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Bei aller Boston-Liebe beginnt dieser Roadtrip jedoch nicht in, sondern nur ab Boston. Und zwar in Connecticut. Von Boston aus bin ich mit meiner Tochter für einen Kurztrip in den Fast-Heile-Welt-Bundesstaat gefahren, genauer: nach New Milford. Die charmante Kleinstadt ist nicht weniger als der Inspirationsort der Serie „Gilmore Girls“. Um dorthin zu gelangen, fuhren wir von Boston aus auf direktem Weg über den Highway – etwas, das man lieber nicht tun sollte, um das direkt einmal für den gesamten Neuengland-Roadtrip voranzuschicken.

Ich wollte meiner knapp Vierjährigen und mir selbst nicht zu viel Zeit im Auto zumuten – war aber angesichts der Zahl an Autos und gehetzter Fahrweise anderer nach diesen gut zweieinhalb Stunden Fahrtzeit vollkommen erledigt. Auf dem Rückweg (von New Milford nach Groton in Massachusetts), habe ich stattdessen vier Stunden Fahrt in Kauf genommen. Unser Erlebnis: eine entspannte Spazierfahrt über kurvenreiche Straßen, vorbei an unzähligen hübschen Neuengland-Häusern, durch Wälder und kleine Ortschaften. Auch hier gab es auf den wenigen größeren Straßen etwas Verkehr, aber weit entspannter als das Highway-Gewusel der Hinfahrt. Entsprechend meine Entscheidung für den Rest des Trips und ein Tipp für alle, die etwas Ähnliches vorhaben: keine Highways. Stattdessen Autobahn-Option im Navi ausschalten und genießen. Außerdem zahlt man so keine Maut, was ein netter, wenn auch nicht übermäßig auffallender, Nebeneffekt ist.

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Salem

Von Boston geht es in den Norden. Der erste Stopp auf dem Weg: das rund 40 Minuten entfernte Salem. Der Name löst vermutlich einen wagen oder starken Wiedererkennungswert aus, richtig? Salem ist bekannt als Stadt der Hexenprozesse (TRAVELBOOK berichtete). Hexenmuseum, Hexenhaus, Halloween-Shops und Riesenskelette drängen sich hier förmlich auf. Ebenso wie die Möglichkeit, sich als Hexe einkleiden und fotografieren zu lassen.

Ganz besonders spannend, wie könnte es anders sein, wird Salem rund um Halloween. Sehen wir während unseres Besuchs gerade einmal zwei Mädels mit Hexenhut und Besen herumspazieren, soll es in der Stadt zu dieser Zeit vor kleinen und großen Hexen und Zauberern nur so wimmeln.

Portsmouth

Die Küste nordwärts fahren wir auf unserem Neuengland-Roadtrip weiter nach Portsmouth. Hier möchte ich gleich dazuschreiben: Die Fahrt von Boston nach Portland (Maine), wo wir demnächst ankommen, dauert rund dreieinhalb Stunden. Man kann also gut ein, zwei Unterkünfte mittendrin suchen und hin und her fahren oder auch von Ort zu Ort weiterreisen.

Portsmouth selbst ist einer der größeren Orte an der Küste und einer, der meiner Erfahrung nach besonders jüngere Touristen anzieht. So tummeln sich zum Beispiel auf der Congress Street nicht nur diverse nette Shops und Boutiquen, sondern auch verschiedene Hipster-Cafés. Eins, das guten Kaffee gleich mit Shopping verbindet, ist das NOA Cafe.

Weiter geht es über die Sarah Mildred Long Bridge, vorbei an in die Höhe ragenden weißen Steintürmen, nach Maine. Schon hier oben, mit dem Blick auf die kleinen hübschen Häuser am Wasser, wird das Bild von Maine mit seinen netten Fischerdörfern bedient. Dort kommen wir jedoch zunächst nicht an, fahren wir erst einmal durch Kittery, Outlet-Paradies oder Shopping-Hölle, je nach Perspektive.

Maine

Ogunquit

Das erste Fischerdorf, das weit oben auf meiner Liste der diversen netten Küstenorte in Maine steht, ist Ogunquit. Bekannt als beliebtes LGBTQ+-Reiseziel, Künstlerort und malerisches Städtchen, will ich dieses wahrlich charmante, knapp 1600-Seelen-Dorf unbedingt kennenlernen. Und natürlich, wir sind schließlich in Maine, Lobster essen. Den gibt es im Barnacle Billy’s mit Blick aufs Wasser und klassisch-amerikanische weiße Häuser. Willkommen in Maine.

Kennebunkport

Kennebunkport in Maine
Kennebunkport ist ein elegantes Fischerdörfchen im US-Bundesstaat Maine Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Von Ogunquit fahren wir weiter nach Kennebunkport. Und ich werde einmal mehr mit Neuengland-Fischerdorf-Charme belohnt. Zauberhafte, holzverkleidete Neuengland-Häuser in Grün, Blau, Rosa und Co., auf deren Terrassen die immer wiederkehrend gleichen Holzstühle oder Schaukeln stehen. Übrigens, ein Bild, das sich durch die gesamte Reise zieht. Sollte ich Neuengland in einem Bild beschreiben, wäre es im Herbst natürlich kunterbuntes Herbstlaub, ganzjährig sind es aber eben jene nett-charmanten Häuser, die kaum irgendwo nicht zu finden sind. Zumindest, solange man sich in den Kleinstädten aufhält. Was kann Kennebunkport noch? Lobster und anderes Seafood natürlich. Ebenso wie diverse Boutiquen und natürlich Strand. Wir sind mittlerweile ständig an der Küste, Strände gibt es also zur Genüge. Daher hier gleich ein Tipp für alle Ruhesuchenden sowie einer für alle, die andere gern direkt mit auf ihrem Handtuch sitzen haben.

Strände in der Nähe

Im Juli einen Roadtrip durch Neuengland zu unternehmen, bedeutet Hitze und der Wunsch nach Meerwasser ist groß. Für uns zumindest. Also fahren wir los und besuchen Strände. An jenen rund um Kennebunkport muss man damit rechnen, für einen Parkplatz um die 25 US-Dollar zu zahlen. Stundenweise Parkgebühren haben wir hier kaum gesehen. Hinzu kommt, je nach Ort, Parkplatzmangel. Juli ist auch im Nordosten der USA Ferienzeit. Ich vermute, außerhalb der Hochsaison ist es hier weitaus leerer.

Nun aber zu den beiden Strand-Tipps: Wer Lust auf Ballermann-artige Zustände hat, sollte seinen Strandbesuch nach Old Orchard Beach verlagern. Allein von diesem alt-edel-anmutenden Namen angezogen, bin ich von hier fast schreiend wieder weggefahren. In Kurzform: Leib neben Leib am Strand. Auf dem auf Bildern so romantisch anmutenden Pier Fast Food und Spielhöllen nebeneinander. Dazu röhrender Technokrach aus billig klingenden Lautsprechern. Weg hier.

Old Orchard Beach in Maine
Für unsere Autorin ein Anti-Tipp: Old Orchard Beach in Maine Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Ruhe haben wir schließlich südlich vom Kennebunkport gefunden. Wer keinen Wert auf jedwede Einrichtungen am Strand legt und vor Ort nur baden, lesen oder spazieren gehen möchte, findet mit dem Parson’s Beach einen passenden, abgeschiedenen, öffentlich genutzten Privatstrand. Direkt beim Strand gibt es ein paar wenige, kostenlose Parkplätze. Wer nichts gegen einen zehnminütigen Spaziergang hat, findet ein Stück weiter ein paar mehr Parkmöglichkeiten. Viele sind es nicht, entsprechend leer ist der Strand.

Portland

Portland Head Light in Maines
Der bekannte Portland Head Light ist Maines ältester Leuchtturm Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Durch Scarborough geht es weiter nach Portland, Maine. Wer Lust auf ein bisschen Stadtleben hat, kann hier ein paar Tage einplanen, den Leuchtturm sowie das beliebte Downtown mit seinem Industriecharme, diversen Boutiquen und Hipster Cafés entdecken. Der angeblich beste Kaffee Portlands: Laut Food and Wine ist es Coffee by design. Diesem Tipp gefolgt, möchte ich gern zustimmen, dass der Kaffee dort wirklich gut ist. Angesichts der Fülle an Hipster Cafés würde ich jedoch nicht beschwören, dass dies der beste ist und vorschlagen, mehrere der wirklich guten Coffeeshops auszuprobieren. Mindestens genauso gut, wenn nicht besser, ist für mich zum Beispiel der Flat White im Bard Coffee.

Downtown Portland in Maine
Sommerliches Stadtleben in Downtown Portland Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Yarmouth und Freeport

Einen kleinen Abstecher etwas weiter nördlich machen wir, weil wir offensichtlich noch längst nicht genug von Kleinstädten der Region haben, an einem unserer Portland-Tage nach Yarmouth und Freeport. Viel los ist hier nicht, doch den netten Kleinstadt-Charme gibt es auch hier.

Acadia-Nationalpark

An dieser Stelle ein Tipp, dem ich selbst nicht gefolgt bin: Nehmen Sie sich mehr Zeit für Maine. Denn alles, was Maine an echten Naturschönheiten zu bieten hat, scheint sich im Norden zu befinden, unweit der Grenze zu Kanada. Der Acadia-Nationalpark weiter nördlich ist meinen Recherchen nach ein Muss, ebenso wie zahlreiche kleine Fischerörtchen, die vermutlich noch mehr dem Bild Maines entsprechen, das zumindest ich in meinem Kopf habe. Einer von diesen: Bar Harbor, eine der schönsten Kleinstädte der USA. Ich werde berichten, wenn ich das nächste Mal hinfahre. Denn, das steht in jedem Fall fest, dies war nicht mein letzter Roadtrip durch Neuengland.

Sebago Lake

Von Portland aus fahren wir jedoch in die andere Richtung, raus aus Maine und rein in die White Mountains. Mit einem Zwischenstopp: dem Sebago Lake. Ein weiterer klassischer Urlaubsort am See. Wir sind hier besonders wegen eines zauberhaft aussehenden Lake House, das ich an der Stelle leider nicht weiterempfehlen kann. Die Umgebung an sich dagegen schon. Wer das klassische Ferienhaus-am-See-Leben mag, findet hier einen netten, entspannten Ort. Etliche Ferienhäuser bieten direkten Seezugang über Stege. Vor allem sind es US-Amerikaner, die man hier an ihren Sommerdomizilen antrifft.

New Hampshire

Nun aber weiter in die White Mountains. Die liegen in New Hampshire, dessen Umgebung ich als noch eindrucksvoller empfinde als die Maine-Regionen, die wir gesehen haben. New Hampshire besteht vielerorts aus Wald und so fahren wir lange Zeit vorbei an Bäumen, Bäumen und wieder Bäumen. Kurz vor der Ankunft in Jackson, wo sich die Unterkunft meiner Wahl befindet, das zauberhafte The Inn at Whitney’s Farm, geht es fast plötzlich hoch und höher und wieder runter. Die sich durch teils enge Kurven ziehende Hurricane Mountain Road gibt uns einen ersten kleinen Einblick in unser neues Domizil.

Jackson und die White Mountains

Und schon sind wir da, im schönsten Ski-Resort mitten im Sommer. Das zeigt sich nach New Milford als größtes Idyll auf dieser Reise. Anstatt in den Wäldern Connecticuts, in diesem Fall umgeben von dichtem Wald und bis zu 1917 Meter hohen Bergen. Einmal mehr bestaunen wir hübsche Holzhäuser im klassischen US-amerikanischen Stil mit aufgeräumten Vorgärten. Dazu treffen wir hier auf allerlei Restaurants mit deftiger Küche. Ein Ort, der in vielerlei Hinsicht hervorsticht und hier unbedingt Erwähnung finden muss, ist die Christmas Farm. Die lohnt sich schon allein, weil man hier das ganze Jahr über Weihnachten feiern kann. Nebenbei bemerkt habe ich hier auch den ersten kompletten (und bislang besten) Hummer meines Lebens gegessen. Mindestens genauso möchte ich zudem das Yesterday’s empfehlen. Wir frühstückten gleich mehrfach in dem charmanten Diner, das einmal mehr mein Verlangen nach einem echten Luke’s stillen konnte.

Die Christmas Farm in Jackson, New Hampshire
Die Christmas Farm ist eins der Highlights in Jackson, New Hampshire Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte zudem dieses Highlight der Umgebung auf die To-do-Liste schreiben: Storyland. Der Freizeitpark lässt etliche Kindergeschichten aufleben, darunter zum Beispiel Alice im Wunderland, die Frau, die in ihrem Schuh lebt, sowie etliche weitere. Zudem gibt es zahlreiche Fahrgeschäfte wie Wasserrutschen, Karussells, Achterbahnen und ein Piratenschiff. Das Highlight für meine Tochter jedoch: ganz klar das Treffen mit einer echten Cinderella in ihrem Schloss.

Aus diesem wahrlich zauberhaften Neuengland-Städtchen, das ich wärmstens empfehlen möchte, geht es für uns zurück nach Boston. Einmal mehr „Autobahn vermeiden“ eingestellt, führt uns die Strecke über kurvenreiche Straßen und durch Wälder zurück in den städtischen Trubel. Ein letzter Tipp für Liebhaber US-amerikanischer Diner-Kultur, bevor wir ankommen: das Agawam Diner in Rowley. Der zum Nostalgie-Diner umfunktionierte silberfarbene Trailer mit seinen rotledernen Booths wartet nicht nur mit Klassikern wie Mac’n Cheese, Burgern und Co. auf. Selbst Mini-Juke-Boxen auf den Tischen gehören dort zum Inventar.

Das Agawam Diner in Rowley
Das Agawam Diner in Rowley Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Wer nun noch ein bisschen mehr Zeit hat, der sollte sich unbedingt auch südlich von Boston umsehen: Providence, Martha’s Vineyard, Nantucket – es gibt etliche Orte in der Nähe, die sich für einen Besuch lohnen. Und wer noch mehr Zeit hat, fährt einfach weiter bis nach New York City und schaut sich unterwegs jede Menge Connecticut an. Ohnehin ist dieser Neuengland-Roadtrip natürlich nur eine Möglichkeit und lässt sich in jede Richtung erweitern.

Sollte man aktuell überhaupt in die USA reisen?

Diese Frage kann angesichts der schlimmen politischen Zustände, der aufgeheizten Stimmung und teils menschenunwürdigen Ungerechtigkeiten wirklich nur jeder für sich beantworten. Ich persönlich wäre zum aktuellen Zeitpunkt wohl nicht in die USA geflogen, wäre es nicht für die Hochzeit eines engen Freundes gewesen. Gleichzeitig bin ich unendlich froh, dass wir diese Reise unternommen und all diese Orte entdecken durften.

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