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Vorlage für „Gilmore Girls“

»Ich habe das ‚echte‘ Stars Hollow in den USA besucht – und so war es

New Milford in Connecticut
New Milford gilt als Inspirationsort für Stars Hollow aus der Serie „Gilmore Girls“ – unsere Autorin war vor Ort Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)
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Anna Wengel
Freie Autorin

12. August 2025, 10:51 Uhr | Lesezeit: 10 Minuten

TRAVELBOOK-Autorin Anna Wengel (Chiodo) hat während ihrer USA-Reise im Juli 2025 auch die Orte besucht, auf denen der Serienort der beliebten TV-Serie „Gilmore Girls“ basiert: New Milford, Washington, Kent und Litchfield, allesamt im US-Bundesstaat Connecticut. Zu sagen, sie sei begeistert gewesen, ist höchstgradig untertrieben. In ihrer ohnehin schon großen Obsession bestärkt, trifft es eher. So sehr, dass sie einen Umzug nach New Milford erwägen würde, fände sie das angesichts der aktuellen politischen Situation nur annähernd eine gute Idee.

Ich war einen Monat in Neuengland, habe mich neu in Boston und etliche kleine charmante Fischerdörfchen an seiner Küste verliebt. Und doch liegt das Highlight meiner letzten USA-Reise im Inland, im malerisch-schönen Bundesstaat Connecticut. Das Städtchen, das mich so begeistert hat, dass ich vier Tage mit einem wie festgeklebten Dauergrinsen durch die Gegend gelaufen und gefahren bin: New Milford. Der andere Grund: meine Tochter, die sich dort mindestens so wohlgefühlt hat wie ich.

Was wollten wir gerade in New Milford? Die kleine Stadt, die rund zwei Stunden nördlich von New York City liegt, ist einer der Inspirationsorte der TV-Serie „Gilmore Girls“. Die Serie begleitet mich, seit ich etwa so alt war wie Rory Gilmore (wenngleich ich mir besonders Lorelai Gilmore zum Vorbild genommen habe). Und mit begleitet meine ich nicht, dass ich alle paar Jahre mal ein, zwei Folgen anschaue. Nein, vielmehr nimmt sie in meinem Orbit einen Platz ein, der fast einer Religion gleichkommt – oder dem, was für andere Fußball bedeutet. Kurzum, ich musste dorthin und meine Tochter natürlich mit.

New Milford – das „echte“ Stars Hollow

„Mama, sind wir jetzt endlich bei Lorelai?“ Fast. Wir wohnen bei Anne. Wie Lorelai Single-Mama, wenn auch von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern, in einem Haus, das nicht nur bedingt an mein Traum- aka Lorelais Haus erinnert. Zweistöckig, von einem großen Garten umgeben und natürlich mit den typisch amerikanischen Schaukelstühlen auf der Frontterrasse. Im Innern in die Jahre gekommene Lieblingsstücke, die eine Lebensgeschichte erzählen, rund um Sofas und Sessel in gemütlichem Kleine-Lampen-Licht. Wir fühlen uns beide sofort wie zu Hause und ich bin froh, genau dieses Airbnb gefunden zu haben. Und kann es zugleich kaum erwarten, es sofort, zumindest kurz, zu verlassen, um einen ersten Blick auf das „echte“ Stars Hollow zu werfen. Beziehungsweise New Milford, das den „Gilmore Girls“-Serienort inspiriert haben soll.

New Milford begrüßt uns sogleich mit einem entsprechenden Schild. „Welcome to the real Stars Hollow“ steht auf einer Tafel vor einem Kramladen, der in seinem Innern angefüllt ist mit Merchandise für „Gilmore Girls“-Fans: Tassen, T-Shirts, Sticker, Untersetzer, Jeansjacken – allesamt gestaltet von lokalen Künstlern. Wer mag, kann hier jede Menge Geld lassen. Und offenbar tun das einige, erzählt die Verkäuferin gerade einer anderen Kundin, dass ihr Geschäft eigentlich nur wegen der Scharen an „Gilmore Girls“-Fans überlebt, die das kleine Städtchen offenbar regelmäßig fluten. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass die Serie in diesem Jahr ihr 25. Jubiläum feiert. Doch dank diverser Plattformen wie Netflix, Disney+ und Co. scheinen Lorelai und Rory nicht nur in meiner Generation einen festen Platz einzunehmen.

„Gilmore Girls“ allgegenwärtig

Was die Verkäuferin im And Company on Bank erzählt, soll ich in den nächsten Tagen immer wieder hören und zu sehen bekommen. In typischer Stars-Hollow-Manier kommen wir direkt mit allerlei New-Milford-Bewohnerinnen in Kontakt, die allesamt vom riesigen Bekanntheitsgrad ihrer Kleinstadt dank der Kultserie berichten. Nicht wenige freut es, verdienen sie gut daran. Entsprechend gepusht wird das Image. So ist der nette Giftshop längst nicht der einzige, der mit „Gilmore Girls“-Me­mo­ra­bi­li­en wirbt.

Auch der gemütliche Tee- und Buchladen Honeybee Books & Tea hat eine eigene „Gilmore Girls“-Ecke. Und obwohl Kaffee- und nicht Teetrinkerin, konnte ich hier gleich mehrere Stunden verbringen. Übrigens nicht zum Leid meiner noch nicht lesen könnenden Tochter, gibt es dort auch etliche Kinderspielsachen und -bücher. Gleiches gilt übrigens für den Second-Hand-Kramladen The Hunt. Der hat in seinem Schaufenster nicht nur ein Schild mit der Aufschrift „Mrs. K.’s Antiques“ neben einer Klamottenpuppe im Luke-Stil. Er lässt auf einem 90er-Jahre-Fernseher zudem die „Gilmore Girls“ in Dauerschleife laufen. Die Idee mit dem Schild gibt es übrigens nicht nur hier, um die Ecke findet sich ein Delikatessengeschäft mit einem Schild, das diesen als Doose’s Market verkaufen will.

The Hunt in New Milford, CT
Überall in New Milford werben Geschäfte mit Anspielungen auf die Serie Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Luke’s, Miss Patty’s und die weiße Kirche

Einen der größten „Gilmore Girls“-Flashbacks bekomme ich in New Milford, neben der Sicht auf Lorelais Jeep Wrangler, wie erhofft im Downtown Diner. Das heißt Theo’s statt Luke’s und fühlt sich an, wie das Serienoriginal. Zwar bekomme ich Theo nicht zu Gesicht und weiß daher nicht, ob er Luke ähnelt. Doch Speisen wie Gäste scheinen nah dran zu sein. Nicht zuletzt hängt auch das obligatorische „No Cell Phones“-Schild an der Wand. Wir sind so begeistert von Theo’s Diner, dass wir immer wieder herkommen. Und das, obwohl mindestens die köstlichen und riesigen Pizzastücke in der benachbarten All Aboard Pizzeria eine echte Konkurrenz darstellen (okay, auch da haben wir gleich zwei Mal gegessen), ebenso wie die diversen anderen Restaurants in der Middle, Bank und Main Street.

Theo's Downtown Diner in New Milford
Theo’s Downtown Diner in New Milford erinnert stark an Luke’s Diner Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Stars Hollows Sehenswürdigkeiten in New Milford

Beim Gedanken an unsere bevorstehende Reise standen zwei Stars-Hollow-Landmarks für mich ganz oben auf der Liste: das Diner und der Gazebo. Beide gibt es, wenn auch nicht einander gegenüberliegend. Das Diner befindet sich gegenüber vom Bahnhof und in nächster Nachbarschaft zu verschiedenen Restaurants.

Gazebo auf dem New Milford Town Green
Gazebo auf dem New Milford Town Green Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Der Gazebo steht, typisch Stars Hollow, auf dem Town Green und markiert den Mittelpunkt Downtowns. Wie in der Serie befindet sich gegenüber eine klassisch kleinstadtamerikanische weiße Kirche. Von der gibt es übrigens zwei auf der Main Street New Milfords, neben einer dritten, die jedoch grau ist.

Kirche in New Milford
New Milford wartet gleich mit zwei an Stars Hollow erinnernde Kirchen auf Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Außerdem stehen hier die New Milford Public Library sowie die Town Hall. Die ist zwar auch rot, ähnelt jedoch ansonsten kaum Miss Patty’s Tanzstudio, das für die Stadtversammlungen in der Serie herhält. Ein ähnliches Gebäude taucht jedoch in Form einer roten Scheune um die Ecke auf.

Darüber hinaus gibt es mit dem Bank Street Theater zwar kein Wohnzimmerkino im Stil des Black & White & Read Bookstores, aber eins, das den Glanz vergangener Lichtspielhäuser zu erwecken weiß.

Wer sich nach einer Unterkunft in New Milford umschaut, stößt schnell auf das Homestead Inn, das natürlich direkt an das Dragonfly denken lässt. Ich kann an der Stelle nicht viel dazu sagen, da ich mich wegen der Regelung, dass Kinder erst ab zwölf Jahren im Hauptgebäude schlafen und frühstücken dürfen, lieber für unser zauberhaftes Airbnb entschieden habe. Laut Websitebildern ist das Inn jedoch nicht nur hübsch eingerichtet, es hat sogar einen „Stars Hollow Room“.

Washington – das andere „echte“ Stars Hollow

Wie anfangs geschrieben, ist New Milford nicht der einzige Serien-Inspirationsort – wenn er meiner Meinung nach auch der ist, der nicht nur am meisten aussieht wie Stars Hollow, sondern sich auch so anfühlt. Doch auch die umliegenden Städtchen Kent und Litchfield sowie ganz besonders Washington sollen Amy Sherman-Palladino als Grundlage gedient haben. Und nicht nur das. In Washington hat sie die Serie sogar geschrieben. Ganz genau: Im Mayflower Inn. Auch das mussten wir uns auf unserer kleinen „Gilmore Girls“-Fantour natürlich anschauen. Was soll ich sagen? Das Mayflower Inn & Spa ist das Independence Inn. Vielleicht ohne Michel, ohne Schwan und ohne Geräteschuppen (wobei ich alle drei nicht ausschließen möchte, nur weil ich sie nicht gesehen habe), aber in seiner mondänen Hügellage, an dessen Fuß zumindest so viel Teich ist, dass ein Schwan hier knapp hinpassen könnte und umgeben von Blumensträuchern, werden vermutlich die meisten „Gilmore Girls“-Fans hier das Original erkennen.

Mayflower Inn & Spa in Washington, CT
Im Mayflower Inn & Spa schrieb Amy Sherman-Palladino „Gilmore Girls“ Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Buchladen, Supermarkt, Café und Brücke

Neben dem Mayflower Inn lohnt sich in Washington übrigens auch der lokale Buchladen The Hickory Stick Bookshop. Der besitzt seinerseits ein eigenes Regal mit Büchern zur Serie sowie den diversen Büchern von Lorelai-Darstellerin Lauren Graham.

The Hickory Stick Bookshop in Washington
The Hickory Stick Bookshop in Washington Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

Unweit davon gibt es neben dem Giftshop Five Janes Boutique mit abermals verschiedenen Serienutensilien auch einen kleinen lokalen Supermarkt, den Washington Food Market. Und der kann mit ein bisschen Wohlwollen an einen aufgeräumten Doose’s Market erinnern.

Ein weiterer Tipp in Washington: Marty’s Café. Außerdem gibt es in Washington an anderer Stelle das The Po Café, angeblicher Inspirationsort für Luke’s Diner. Das zu beurteilen, muss ich leider anderen überlassen, denn es hatte leider geschlossen, als wir dort waren. Ebenfalls in Washington befindet sich in einem Waldstück die Henry David Thoreau Bridge. Die sieht zwar nicht aus wie jene, von der Luke Jess ins Wasser schubst, lohnt sich aber für einen kleinen Spaziergang.

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Stars Hollows Lebengefühl

Zwei weitere Orte, die öfter mal als Inspirationsorte der Serie genannt werden, sind Kent und Litchfield. Beide haben wir während unseres kleinen „Gilmore Girls“-Urlaubs nur kurz besucht. Einerseits, weil das Wetter von mehr als 30 Grad schwüler Hitze plötzlich in ein riesiges Gewitter umgeschlagen ist. Andererseits auch, weil wir so viel Zeit wie möglich in New Milford verbringen wollten. Doch wer schon einmal da ist, sollte sich beide nicht entgehen lassen, allein des charmanten Kleinstadtgefühls wegen.

Denn darum geht es am Ende bei dieser Reise. Ja, etliche Orte in New Milford und seinen Nachbarstädten lassen sich fast eins zu eins in die Serie übertragen. Doch vielmehr faszinieren mich (wie vermutlich auch viele andere „Gilmore Girls“-Fans) das Lebensgefühl und der charmante Kleinstadtcharme Stars Hollows. Und eben den durfte ich hier ein paar Tage lang erleben. Die Bewohner New Milfords, die ich kennenlernen durfte, waren fast alle überaus freundlich, offen und zugewandt. Schon nach einem Tag wurden wir mehrfach erkennend gegrüßt. Dass ich mich als, in diesem Fall allein reisende, Mama mit Kleinkind zudem total sicher gefühlt habe, brauche ich wahrscheinlich nicht einmal zu erwähnen.

Angesichts der Nähe zu New York City und Boston ist New Milford in meiner Suche nach unserem nächsten Wohnort definitiv auf die Liste der Möglichkeiten gerutscht.

New Milford in Connecticut
New Milford in Connecticut Foto: Anna Wengel (jetzt Chiodo)

„Gilmore Girls“-Wochenende im September

Wer nun überlegt, selbst einmal an diese Inspirationsorte der Lieblingsserie zu reisen, dem möchte ich noch einen letzten Tipp geben: New Milford veranstaltet vom 12. bis 14. September erneut ein „Gilmore Girls“-Wochenende. Das steht unter dem Titel „A Weekend in the Life“ und beinhaltet Treffen mit verschiedenen Stars der Serie. Lauren Graham und Alexis Bledel sind nicht dabei. Dafür aber unter anderem Scott Patterson (Luke Danes), Chad Michael Murray (Tristan Dugray) und Scott Cohen (Max Medina). Die Tickets sind zum Teil bereits ausverkauft, schnelle Entscheidungsfreude lohnt sich also.

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