TRAVELBOOK-Interview

Unterwegs im rollenden Hotel – eine Rotel-Reisende berichtet

Rotel-Busreise
Die rollenden Hotels des deutschen Reiseunternehmens Rotel Tours touren seit 60 Jahren durch die Welt
Foto: Rotel Tours – Das Rollende Hotel

Ob mit dem Zug, Auto oder Flugzeug – es gibt viele Arten, ein Land zu bereisen. Aber kennen Sie auch schon das „Rotel“? Dabei handelt es sich um, aufgepasst, ein rollendes Hotel. Die knallroten Busse des deutschen Reiseunternehmens Rotel Tours fahren seit 60 Jahren durch die Welt. Daniela Müller (30) ist eine von 8000 Reisenden, die jährlich mit Rotel unterwegs sind. Im Interview mit TRAVELBOOK berichtet die Krankenschwester aus Passau (Bayern), wie es sich in solch einem rollenden Hotel reist.

Seit zehn Jahren fährt Daniela Müller mit den Rotel-Bussen durch die Welt, tourte damit u. a. durch Kenia, Tansania, Äthiopien, Namibia, Australien, China, Kanada und Irland. Wie aber er muss man sich eine Reise in so einem rollenden Hotel vorstellen? Was ist das Besondere daran? Diese und weitere Fragen beantwortet die 30-Jährige im Interview mit TRAVELBOOK.

TRAVELBOOK: Wie sind Sie auf Rotel Tours gekommen?
Daniela Müller: „Als ich ein Kind war, hat mir meine Mutter einen Katalog von Rotel Tours mitgebracht. Ich habe immer wieder darin geblättert und davon geträumt, einmal mit solch einem Bus eine Tour durch die Sahara zu machen. Als ich 20 war, bin ich dann das erste Mal mit Rotel gefahren. Allerdings nicht durch die Sahara, sondern durch den Westen der USA und Kanada.“

Rotel-Reisende D. Müller

Für Daniela Müller (30) sind die rollenden Hotels die perfekte Art, durch die Welt zu reisen
Foto: Daniela Müller

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»In den Kabinen hört man jedes Geräusch

Schlafkabine Rotel-Bus

2 Meter lang und jeweils 70 Zentimeter breit und tief: Einzelkabine im Rotel
Foto: Daniela Müller

Rotel-Busse sind ja „rollende Hotels“, in denen Reisende auf engstem Raum schlafen. Wie muss man sich das vorstellen?
„Je nach Reise und Gebiet werden unterschiedliche Busse eingesetzt. Manche haben die Schlafkabinen im hinteren Teil des Fahrzeugs, andere im Anhänger. In jedem Bus gibt es 20 beziehungsweise 36 Kojen, von denen immer drei Kabinen übereinander liegen. Die unterste befindet sich auf Kniehöhe – da muss man reinkrabbeln –, die mittlere auf Augenhöhe, zur obersten muss man rauf klettern. Die Einzelkabinen sind jeweils circa zwei Meter lang, 70 Zentimeter breit und 70 Zentimeter tief. Jede hat eine Matratze, ein Fenster und am Fußende einen Vorhang zum Verschließen. Dass die Kabine am Fußende mehr oder weniger offen ist, kann gegen Platzangst helfen.“

Hört man nicht jedes Geräusch aus den Nachbarkabinen?
„Ja, Schnarchen, Husten, Niesen, all das hört man aus den Nachbarkabinen. Besonders geräuschempfindlich sollte man also nicht sein oder Ohrstöpsel benutzen.“

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Gibt es in den Bussen Toiletten und Duschen?
„Nein, es gibt weder Toiletten noch Duschen an Bord. In der Regel wird auf der Fahrt alle zwei Stunden angehalten, und man kann auf Toilette gehen. In abgelegenen Gebieten, wo nichts ist, werden ‚Buschpausen‘ eingelegt. Duschen kann man auf den Campingplätzen, wo der Bus nachts in der Regel steht. Wird mal in freier Natur gehalten, wie beispielsweise an der Spitzkoppe in Namibia, fällt das Duschen natürlich flach. Da gibt es dann auch keinen Strom.“

Mitarbeit der Gäste ist hier selbstverständlich

Was läuft das auf den Reisen mit dem Essen?
„Bei den Rotel-Reisen ist Frühstück und Abendessen inklusive, das heißt, der Fahrer kauft ein und kocht, die Gäste helfen bei der Vorbereitung, schnippeln zum Beispiel Obst und Gemüse, und waschen anschließend ab. Für das Mittagessen ist jeder selbst verantwortlich. Da kauft man sich unterwegs etwas an der Straße oder geht in ein Restaurant.“

Wie lange ist man täglich mit dem Bus unterwegs?
„Das hängt vom Reiseziel ab. Manchmal fährt man nur zwei Stunden bis zur nächsten Sehenswürdigkeit oder bis zum nächsten Stopp, manchmal wie in Australien auch ein paar Tage im Stück. Im Outback haben wir drei Tage hintereinander jeweils 700 bis 800 Kilometer zurückgelegt.“

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Warum reisen Sie gern im Rotel, was ist das Besondere?
„Ich mag diese Art, zu reisen. Es ist immer Abenteuer und die perfekte Art, die Welt kennenzulernen. Vor allem für Alleinreisende wie mich. Auf diese Weise habe ich Länder und Orte kennengelernt, an die ich allein nicht unbedingt reisen würde oder wo es von vornherein schwierig wäre, hinzukommen, wie etwa in Teile Äthiopiens. Mit einem Allrad-Bus sind solche Reisen kein Problem. Der fährt über Stock und Stein. Außerdem lernt man bei einer Rotel-Reise meist schnell Leute kennen. Viele sind Alleinreisende wie ich, die es toll finden, möglichst viel gemeinsam zu unternehmen und zu erleben. Außerdem spart man sich bei den Rotel-Fahrten den anderswo üblichen Einzelzimmerzuschlag.“

Wie ist das Durchschnittsalter der Rotel-Reisenden?

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Welche Reisen haben Ihnen am besten gefallen, welche waren die beeindruckendsten?
„Schwer zu sagen, alle Reisen waren einzigartig und erlebnisreich. Besonders gut hat mir Namibia gefallen. Äthiopien hat mich sehr berührt. Da lernt man, dankbar zu sein für fließendes Wasser und ein Dach überm Kopf. So eine Reise erdet. Natürlich passieren auf den Reisen auch unvorhergesehene Ereignisse. Zum Beispiel kann es vorkommen, dass der Bus im Sand oder Schlamm steckenbleibt. Da müssen dann alle ran und den Bus rausziehen.“

Haben Sie für dieses Jahr noch eine Rotel-Reise geplant?
„Ja, im Juli geht’s auf dem Pamir Highway durch Kirgisistan und Tadschikistan. Auch eine Reise, die ich allein und auf eigene Faust nicht unbedingt machen würde.“

Neben Rotel Tours bieten noch weitere Unternehmen Reisen in „rollenden“ Hotels an, darunter Meilhamer Hotelbus-Reisen, Daltus Reisen und Truck Surf Hotel.