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TRAVELBOOK-Autorin verrät

„Warum ich auf Zugfahrten Plastikfolie dabei habe“

Unsere Autorin fährt Zug nur mit Plastikfolie
Warum man im Zug Plastikfolie benötigen könnte, erschließt sich vielleicht nicht direkt. Unsere Autorin erklärt es. Foto: Getty Images
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Laura Pomer
Freie Autorin

16. März 2026, 13:51 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Noise-Cancelling-Kopfhörer, ein Buch und die persönlichen Gegenstände, die man für eine Reise braucht – diese Basics hat TRAVELBOOK-Autorin Laura Pomer bei jeder Zugfahrt dabei. Und außerdem einen in diesem Zusammenhang eher ungewöhnlichen Gegenstand: Plastikfolie. Was dahintersteckt, und wie Mitreisende auf diesen Spleen reagieren, verrät sie bei TRAVELBOOK.

Ich fahre relativ häufig mit dem Zug, meist eine längere Strecke von rund vier Stunden – sofern es keine größeren Verspätungen gibt. Damit die Zeit an Bord möglichst schnell vergeht, sollte man sich nicht nur um ausreichend Beschäftigung kümmern, sondern idealerweise auch für etwas Komfort sorgen. Als erfahrene Bahnfahrerin habe ich im Laufe der Zeit einige Tricks und Kniffe entwickelt, mit denen sich eine Zugfahrt angenehmer und kurzweiliger gestalten lässt.

Zum Beispiel würde ich niemals den Fehler machen, mich auf das WLAN der Deutschen Bahn oder von Flixtrain zu verlassen. Wer das tut, schaut im Zweifel schnell in die Röhre. Denn als sogenanntes „Shared Medium“ stößt das Internet im Zug rasch an seine Grenzen, wenn viele Fahrgäste gleichzeitig darauf zugreifen. Tipp Nummer 1 lautet daher: Inhalte vor der Fahrt auf ein mobiles Endgerät herunterladen. Für den Fall, dass man vom Lesen genug hat oder nicht mehr z. B. am Laptop arbeiten möchte. Doch das ist nicht mein einziger Handgriff in Vorbereitung auf eine Reise mit der Bahn.

Warum ich immer Plastikfolie dabei habe, wenn ich Zug fahre

Zurück zum Thema Komfort. Die meisten Menschen möchten sich wohl anlehnen, wenn sie längere Zeit im Zug sitzen. Doch mir persönlich fällt das sehr schwer – schließlich weiß ich um die Keimbelastung der Stoffbezüge der Sitze in der Bahn. Und als jemand, der sich nicht von gewissen neurotischen Tendenzen freisprechen möchte, kann ich diese Vorstellung leider nicht ausblenden.

Wie TRAVELBOOK in einer eigenen Hygieneuntersuchung herausgefunden hat, sind die Sitzflächen und Kopfstützen in Zügen am stärksten mit Keimen besiedelt. In einigen Proben wurden mehr als 500 bis 620 KBE (koloniebildende Einheiten) pro 25 Quadratzentimeter festgestellt. Laut Labor liegt das vor allem daran, dass Polsterstoffe selten gereinigt werden und Keime sich dort leichter festsetzen können.

Doch selbst ohne dieses Wissen: Die Vorstellung, dass die Bezüge und Polster der von so vielen verschiedenen Menschen mit völlig unterschiedlichen Hygienevorstellungen genutzten Sitze eher selten gereinigt werden, ist nicht gerade appetitlich.* Mit demselben Kopf, den man darauf abgelegt hat, lehnt man sich danach schließlich auf die eigene Couch, ins eigene Bett … gruselig! Klar, man könnte duschen. Aber um von vornherein Sicherheitsabstand zum Schmutz zu halten, packe ich für Zugfahrten immer Plastikfolie ein.

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Komischer Spleen? Dafür ein gewisser Abstand zu Keimen

Ich suche mir meinen Platz im Zug aus – und bevor ich mich hinsetze, überziehe ich den Sitz so weit wie möglich mit Plastikfolie. Am liebsten verwende ich dafür entsprechende Einweghüllen aus der Reinigung. Zugegeben, damit mache ich mich bei Umweltschützern vermutlich nicht gerade beliebt. Wobei ich an der Stelle erwähnen darf, dass ich von Mitreisenden nur wenige Reaktionen erhalte. Oder ich bekomme kritische Blicke vielleicht einfach nicht mit.

Tatsächlich hat mir diese Angewohnheit kürzlich sogar eine gewisse Sympathie einer Mitarbeiterin der Deutschen Bahn eingebracht. Sie kommentierte meinen „durchsichtig bezogenen“ Sitzplatz amüsiert und verriet, dass sie meine Abscheu gegenüber der zweifelhaften Sauberkeit der Sitzbereiche nur zu gut nachvollziehen könne. Im O-Ton äußerte sie sich sogar noch etwas schärfer …

Aber noch einmal zum Thema Umwelt: Ehrlicherweise verwende ich statt Plastikfolie inzwischen immer öfter eine mitgebrachte Decke, die ich über den Sitz lege. Nach der Fahrt knülle ich sie zusammen (mit der Seite, die außen lag, natürlich nach innen), packe sie wieder ein und unterziehe sie bei nächster Gelegenheit einer Kochwäsche.

* Wie oft werden die Sitze denn wirklich gereinigt? Das sagt die DB

Auf TRAVELBOOK-Nachfrage erklärt eine Unternehmenssprecherin, dass die Züge der DB nach festen Intervallen gereinigt werden. Eine Grundreinigung der Fahrzeuge und Sitzpolster erfolge mehrmals im Jahr, bei Bedarf auch häufiger. Vor jeder ICE-Fahrt werden demnach grobe Verschmutzungen wie Krümel oder Flecken von den Sitzen entfernt und zusätzlich sichtbare Verunreinigungen wöchentlich beseitigt. Die Kopfkissenbezüge werden regelmäßig ausgetauscht und bei Verschmutzung oder Beschädigung sofort ersetzt.

Die Sprecherin betont, dass Sauberkeit in Zügen der DB einen hohen Stellenwert habe. Doch leider fehlen den Aussagen konkrete Angaben, sodass keine echten Zeitabstände erkennbar sind.

Sie brauchen das wirklich nicht nachzumachen!

Natürlich ist diese kleine Vorsichtsmaßnahme nicht zwingend notwendig, wenn nicht zu sagen: absolut übertrieben. Die meisten Bahnreisenden setzen sich einfach hin, und kommen natürlich auch gut ans Ziel. Man sollte auch noch erwähnen, dass von den in Zügen festgestellten Keimen aus unseren Tests keine nennenswerten Gesundheitsrisiken ausgehen.

Für mich persönlich gehört der kleine Schutzüberzug inzwischen trotzdem genauso zur Zugfahrt dazu wie meine Kopfhörer und ein gutes Buch. Selbst wenn ich dafür gelegentlich einen neugierigen Blick ernten sollte – solange ich mich dafür auf meinem Sitz ein bisschen wohler fühle, nehme ich das gern in Kauf.

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