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Warum das WLAN bei der Deutschen Bahn so oft nicht funktioniert

Schlechtes WLAN bei der DB
Das WLAN in Zügen der DB lässt Fahrgäste im Zweifelsfall im Stich – warum überhaupt? Foto: Getty Images / Urbanscape
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Laura Pomer
Freie Autorin

8. Dezember 2025, 6:49 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Das WLAN in den Zügen der Deutschen Bahn ist bekanntermaßen alles andere als zuverlässig. Die Stabilität und Geschwindigkeit der Verbindung hängen stark davon ab, wie gut die Mobilfunkabdeckung entlang der Strecke ist – und die ist außerhalb großer Städte häufig lückenhaft. Aber mal ehrlich: Regt sich darüber überhaupt noch jemand auf, wenn das Internet im ICE wieder einmal streikt? Oder hat man sich an diese „Eventualität“, die ja eigentlich eher die Regel ist, längst gewöhnt? Trotzdem können die mitunter frustrierenden Zustände zumindest immer noch verwundern – selbst Menschen, die (z. B. beruflich bedingt) häufig mit der Bahn unterwegs sind. Einer von ihnen ist der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke. Er hat sich in einem jüngeren Instagram-Post zum WLAN im ICE entsprechend geäußert und TRAVELBOOK daran erinnert, ein Mal mehr bei der DB nachzuhaken, ob Fahrgäste in absehbarer Zeit auf spürbare Verbesserungen hoffen dürfen.

Das WLAN in Zügen der Deutschen Bahn zählt – genau wie ein besetztes Bordbistro oder Bordrestaurant – offiziell zu den „freiwilligen Zusatzleistungen“. Fahrgäste haben darauf also keinen Anspruch. Es gilt, wie man heute so gern sagt, als „nice to have“, wird aber nicht als Teil der Beförderungsbedingungen behandelt. Das erklärt auch, warum Ihnen im Zweifel nichts anderes übrig bleibt, als doch wieder ein Buch auszupacken, wenn die Internetverbindung so schwach ist, dass Arbeiten im Zug schlicht nicht möglich ist. Zumindest gibt es Forderungen, dass es bei der DB bald eine Entschädigung für fehlendes WLAN geben soll.

Trotzdem darf man sich aber natürlich wundern. Genau das hat Dr. Mark Benecke, bekannter Kriminalbiologe, Forensiker, und Sachverständiger für biologische Spuren, vor wenigen Tagen auf seinem Instagram-Profil getan. „Warum gibt es zwischen Hannover und Berlin fast kein brauchbares Internet (Telekom) im ICE?“ Er frage sich das schon länger, aber seit einer Skandinavienreise wundere er sich erstmals wirklich stark. TRAVELBOOK wollte von ihm mehr über dieses Aha-Erlebnis wissen.

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Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke über WLAN bei DB

Bislang sei Dr. Benecke davon ausgegangen, dass die schlechte Abdeckung in Deutschland einfach „normal“ sei. Doch als er nun in Skandinavien war, wo er kein einziges Funkloch erlebte – „es war überall 5G“ –, fiel ihm der Kontrast zu Deutschland besonders auf.

„Ich dachte bis dahin: In reichen Ländern wie der Schweiz ist es sehr gut, weil sie sehr viel Geld haben. Und in Italien, Österreich, Polen, England, Liechtenstein, Frankreich, Belgien usw. hatte ich vielleicht Glück, weil ich dort in Gebieten mit vielen Menschen und daher guter Abdeckung war.“ Erst die Erfahrung in Skandinavien zeigte ihm, dass auch große und dünn besiedelte Länder flächendeckend stabile Mobilfunknetze auf die Schiene bringen können.

Deshalb ist z. B. in Dänemark das Internet im Zug so stabil

Ein skandinavisches Land mit bekanntermaßen hervorragendem Internetempfang in Zügen ist Dänemark. Dort sind die Züge seit Jahren systematisch mit WLAN ausgestattet. Der Bahn­betreiber DSB arbeitet dafür mit dem Technologieanbieter Nomad Digital zusammen. Spezielle Router bündeln die Mobilfunknetze und verteilen das Internet über ein internes WLAN an die Fahrgäste. Anders als in vielen anderen Ländern hängt der Zugang somit nicht vom zufälligen Mobilfunksignal entlang der Strecke ab, sondern von einer stabilen On‑Board-Infrastruktur. Dänemark ist somit ein gutes Beispiel dafür, dass verlässliches Zug‑WLAN technisch machbar ist.

Mit seinem Beitrag wollte Dr. Benecke nicht stänkern. Er bat seine Community aus reinem Interesse um „ernst gemeinte Antworten mit Messungen oder echten Infos“. In den Kommentaren findet sich wenig wirklich Aufschlussreiches, allerdings werden seine Erfahrungen bestätigt. Nutzer berichten von instabilen Datenverbindungen, wechselnden Netzstandards und plötzlichen Totalausfällen. Speziell die von ihm monierte Verbindung zwischen Hannover und Berlin scheint für schwaches Internet berüchtigt zu sein. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass einige Funkmasten weit auseinanderstehen und die Züge mit hoher Geschwindigkeit durch häufig wechselnde Funkzellen rauschen. Es kommt ein gewisses Infrastrukturproblem zur Sprache, da sich mehrere Mobilfunkanbieter ein Netz teilen müssen. TRAVELBOOK erklärt es genauer.

Wie das WLAN bei DB funktioniert – und warum es oft hakt

Das WLAN im ICE basiert nicht auf einer eigenen Internetleitung der Bahn (wie etwa in Dänemark), sondern auf vorhandenen Mobilfunknetzen entlang der Strecke. Die Züge nutzen dazu Dachantennen, die die Signale der drei großen deutschen Netzbetreiber aufnehmen und in das bordeigene WLAN einspeisen. Diese Technik wird durch sogenannte Repeater ergänzt – solche sind seit 2016 in allen ICE- und Intercity-2-Zügen verbaut und verstärken das Funksignal ins Zuginnere.

Einer der Gründe, warum es oft hakt, ist, dass viele ICE-Wagen konstruktionsbedingt schlecht durchlässig für Funkwellen sind. Dies liegt unter anderem daran, dass die Fensterscheiben eine dünne Metallschicht als Sonnenschutz tragen. Diese schirmt das Mobilfunksignal wie ein Faradayscher Käfig ab. Die Internetqualität im Zug hängt somit stark davon ab, wie gut die Mobilfunkversorgung entlang der Bahntrasse ist und wie viel davon überhaupt im Inneren des Zuges ankommt.

In den vergangenen Jahren wurde das System technisch kontinuierlich modernisiert. Die neueren ICE-Baureihen verfügen beispielsweise über leistungsfähigere Router, die Ausfälle reduzieren sollen. Teilweise sind bereits 5G-fähige Router im Einsatz, und diese konnten in Tests Datenraten von über einem Gigabit pro Sekunde erreichen. Davon berichtet auf TRAVELBOOK-Nachfrage eine Sprecherin der DB. Trotzdem: In der alltäglichen Nutzung zeigt sich die neue Leistungsfähigkeit bislang erst punktuell. Denn selbst wenn die Infrastruktur im Zug verbessert wurde, bleibt die flächendeckende Mobilfunkversorgung an den Schienen vielerorts der Engpass.

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Warum überfüllte Züge die Internetprobleme verschärfen

Das WLAN selbst ist ein sogenanntes „Shared Medium“, erklärt die DB-Sprecherin. Dies macht sich besonders bemerkbar, wenn Züge der DB besonders gut besucht oder gar überfüllt sind. Alle Reisenden im Zug teilen sich die verfügbare Bandbreite. Je mehr das sind, desto spürbarer sinkt die individuelle Geschwindigkeit. „Stellen Sie sich vor, dass mehrere hundert Menschen bei Ihnen zu Hause im Wohnzimmer sitzen und alle einen Film streamen wollen.“ So will die Unternehmenssprecherin das Problem veranschaulichen. „Das wird selbst bei einem leistungsfähigen Internetanschluss schwierig bis unmöglich. Und dann fährt das Wohnzimmer auch noch mit bis zu 300 km/h durch eine Mittelgebirgslandschaft.“

Laura Pomer
Freie Autorin

Ohnehin ein Unding, dass es bei der DB so voll werden kann

„An dieser Stelle erinnert das WLAN-Problem an ein weiteres Dauerärgernis bei der DB: ICE-Tickets beinhalten keinen automatischen Sitzplatz. Jeder darf einfach einsteigen, mit dem Ergebnis überfüllter Züge, auf dem Boden kauernder Reisender – und noch stärker überlasteter WLAN-Kapazitäten. Dabei wäre die Lösung kein Hexenwerk. Warum nicht bei Flixtrain abgucken? Beim Konkurrenten beinhaltet jede Buchung automatisch einen festen Sitzplatz, und ohne darf man gar nicht erst einsteigen. Trotzdem sind die Tickets meist maßgeblich günstiger. Die Deutsche Bahn verlangt für freiwillige Sitzplatzreservierungen inzwischen happige 5,50 Euro – ein Unding!“

Wie die DB die Situation verbessern will

Die DB-Sprecherin betonte noch einmal, dass die Qualität des Internetzugangs im ICE stark vom Ausbau der Mobilfunknetze entlang der Strecken abhängt. In Kooperation mit allen großen Netzbetreibern unterstütze das Unternehmen Maßnahmen, um die Versorgung entlang der Bahntrassen zu verbessern. Dabei habe die Telekom ihre Ausbauziele sogar schneller als geplant erreicht: „Auf 99 Prozent der 7800 Kilometer Hauptverkehrsstrecken stehen mindestens 200 Mbit/s bereit. Seit Sommer 2021 wurden rund 5500 Streckenkilometer neu versorgt, 470 Masten gebaut und 1900 Standorte modernisiert.“

Parallel dazu setzt die Bahn auf eigene technische Lösungen. Neue ICE-Züge wie der ICE 3neo und ICE L verfügen über Fensterscheiben, die Mobilfunksignale besser ins Zuginnere lassen. Bestandsfahrzeuge sollen nach und nach nachgerüstet werden. Zusätzlich arbeiten Bahn und Mobilfunkanbieter an Pilotprojekten für gigabitfähige Verbindungen, unter anderem auf einer Teststrecke in Mecklenburg-Vorpommern. Langfristiges Ziel ist es, zentrale Strecken wie Hamburg–Berlin zur Innovationsachse für Hochleistungs-Mobilfunk auszubauen. Die Kombination aus verbesserten Fenstern, 5G-Routern und optimierten WLAN-Systemen soll Schwankungen in Empfang und Bandbreite verringern.

Es gibt also konkrete Projekte für besseres Internet im Zug. Doch der Ausbau ist technisch komplex und zeitaufwendig. Es wird vermutlich noch einige Jahre dauern, bis stabiles, schnelles WLAN flächendeckend Standard ist.

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