Kein WLAN, keine Stromanschlüsse, kein Handyempfang

Wie Sie plötzlich in der „Holzklasse“ landen – obwohl Sie ICE gebucht haben!

ICE
Fällt Ihnen etwas auf? Von außen scheinbar ein gewöhnlicher ICE, erwartet die Fahrgäste im Inneren die eine oder andere Überraschung…
Foto: dpa Picture Alliance

Nach einem Geschäftstermin in München sollte ich eine achtstündige (!) Bahnfahrt antreten, mit einer Ankunft nach 1 Uhr nachts am Berliner Hauptbahnhof, und war dennoch guter Dinge. Ich würde unterwegs die Gelegenheit bekommen, viel angestaute Arbeit wegzuschaffen, und dann hab ich auch noch Zeit zum Entspannen – also zum Surfen im Netz, Filmgucken auf meinem Laptop und das eine oder andere Telefonat. Erst nach der Abfahrt stellte ich fest, dass die Wagons in cooler Retro-Optik quasi alles vermissen ließen, was moderne ICE ausmachen: WLAN, Handyempfang, Stromanschlüsse und ein Bordrestaurant. Warum auch Ihnen eine Reise in der Holzklasse drohen könnte, wenn Sie bei der Buchung nicht aufgepasst haben.

Der besagte Tag im März 2017 hatte im Morgengrauen begonnen, mit einem unverschämt frühen One-Way-Flug nach München, und war prall gefüllt mit anstrengenden Kundenterminen. Zum Essen blieb keine Zeit, weshalb ich mich seit dem Mittag fast ein wenig freute, die Rückreise mit der Bahn zu bestreiten. Oder besser gesagt: auf Maultaschen mit Kartoffelsalat oder einen anderen Klassiker im ICE-Bordrestaurant.

Zugeben: Acht Stunden lang Zugfahren ist nicht das Schönste, was einen am frühen Abend erwarten könnte. Aber die würde ich zumindest gut nutzen können. Den ganzen Tag hatte ich meinen schweren Laptop samt Ladegerät geschleppt, außerdem einen Ordner mit Unterlagen zum Abarbeiten. Und wenn es mit der Konzentration dann irgendwann zu Ende gehen sollte, könnte ich noch einen Film von meinem USB-Stick abspielen, ein wenig telefonieren und im Internet surfen. WLAN sei Dank, ist ICE-Fahren ja fast schon Luxus geworden.

ICE

Bestens Gewissens stieg ich am Münchener Hauptbahnhof in die Bahn. Es dauerte erstaunlich lange, bis ich merkte, dass etwas anders war
Foto: dpa Picture Alliance

Augen auf bei der ICE-Buchung…

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Luxuriöses Interieur – KEIN moderner Luxus!

„Das hier scheint nicht der Handybereich zu sein?“ Diesen Eindruck teilte ich mit einer Bahn-Mitarbeiterin, da ich entsprechende Sticker an den Wänden vermisste. Den Begriff schien die Dame noch nie gehört zu haben. „Der Empfang ist im gesamten Zug nicht gut“, entgegnete sie mit einem verdutzten Gesichtsausdruck, „er ist alt.“ Jetzt lag die Irritation bei mir.

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Kein WLAN, kein Empfang, keine Stromanschlüsse und, nein: kein Bordrestaurant! Ich war offensichtlich in einen Zug aus einer anderen Zeit gestiegen. Mit knurrendem Magen überprüfte ich mein Ticket, das eine ICE-Fahrt von München nach Berlin Hauptbahnhof versprach und auch ansonsten völlig normal aussah. Dennoch schien sich außer mir niemand großartig zu wundern, wo wir hier gelandet waren. Was war hier eigentlich los?

 

 

»Die Metropolitan-Züge sind unsere Oldies

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Metropolitan-Zug

Zwischen 1999 und 2004 hätte man sich über den Anblick im Inneren der Metropolitan-Züge nicht gewundert. Danach wurde es immer moderner
Foto: dpa Picture Alliance

Daran erkennt man einen MET-Zug bei der Buchung!

In der Regel fährt der MET morgens um 9.22 Uhr ab Berlin Ostbahnhof in Richtung Frankfurt am Main Flughafen und trägt die Zugnummer ICE 1193. Jedoch wurden die Strecken, auf denen er eingesetzt wird, in den vergangenen Jahren immer mal wieder geändert, manchmal könne es auch zu Ausnahmen kommen. So ist zu erklären, dass ich im März 2017 von München aus in den zweifelhaften Genuss kam. Doch während ich damals mein Ärgernis kaum verbergen konnte, hegt Pressesprecherin Knapp nostalgische Gefühle. Zumal die „Oldies“ der Deutschen Bahn bald gänzlich – ein Datum gibt es noch nicht – aus dem Zugverkehr gezogen werden sollen.

DB.de, Screenshot

Leicht zu übersehen: Die altmodischen Metropolitan Express Trains erkennt man einzig am Hinweis „Kein WLAN in diesem Zug verfügbar“
Foto: Screenshot bahn.de

Digital Detox – ein Mal und nie wieder

Ich habe vorher nicht geahnt, wie unendlich laaaaang sich acht Stunden anfühlen können. Besonders natürlich, da die spärlich vorhandenen kalten Snacks im improvisierten Bordbistro meinem Magenknurren kaum etwas entgegensetzen konnten. Der Akku meines Laptops war schnell erschöpft, ebenso der meines Handys, weshalb mir wenig anderes übrig blieb, als mich voll und ganz mit mir selbst zu beschäftigen. Digital Detox verwandelte meine Rückfahrt nach Berlin quasi in eine Reise zu mir selbst. War OK… Heute lese ich bei der Zugbuchung aber auch das Kleingedruckte.

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