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Krokodil-Rennen, Rodeos & Regenzeit

Das wilde Leben im australischen Northern Territory

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Der Norden Australiens ist ein hartes Pflaster. Wie die Menschen hier in wilder Natur leben, hat die Freundin unserer Autorin hautnah erlebt. Foto: Getty Images / Privat / Collage: TRAVELBOOK
Lena Braun
Redaktion TRAVELBOOK

23. Oktober 2026, 11:23 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Australien ist fast so groß wie Europa. Jedes Gebiet funktioniert wie ein eigenes Land. Ganz schön wild geht es im Northern Territory zu: fast viermal so groß wie Deutschland, aber nur rund 265.000 Einwohner. Die Menschen hier leben zwischen uralter kultureller Tradition und der Anpassung an raue Lebensumstände. Die Freundin unserer Autorin ist gerade als Backpackerin dort unterwegs und erzählt TRAVELBOOK, was sie zwischen Krokodilen, Rodeo-Arenen und Buschfeuern erlebt.

Wer von Sydney ins Northern Territory will, sitzt gut viereinhalb Stunden im Flieger und landet in Darwin. Mit rund 120.000 Einwohnern ist die Hauptstadt die einzige wirklich große Stadt im ganzen Norden des riesigen Kontinents. Nach Bali ist es von hier übrigens kürzer als nach Sydney.

Die meisten Touristen nutzen Darwin als Basis für Wasserfälle in den Nationalparks Litchfield und Kakadu oder für Krokodil-Touren. Wer das Rote Zentrum sehen will, plant einen ordentlichen Roadtrip: Zum Uluru sind es von Darwin rund 1.900 Kilometer, etwa 20 Stunden im Auto. Außerhalb der nördlichen Stadt wird es schnell leer, hier herrscht das Outback. Die „Aussies“ (Slang für Australier) nennen es auch „back of beyond“ – hinter dem Jenseits. Über hunderte Kilometer nichts als roter Sand, mittendurch eine schnurgerade Piste.

Am Straßenrand taucht irgendwann eine Tankstelle auf, oft mit Taverne daneben. Solche Roadhouses können gut 200 Kilometer auseinanderliegen. Hier treffen sich die Menschen aus der weiten Umgebung, trinken ein Bier und erzählen, was die Straße so hergibt.

Baby-Krokodile rennen um die Wette

An solchen Treffpunkten gibt die Straße manchmal mehr her als Geschichten: Hier steigen Events, die alle aus der Umgebung anlocken. Das Kurioseste, was meine Freundin besucht hat, war ein „Croc Race“.

Australien Crock Race
Bei den Krokodil-Rennen treten die Tiere in verschiedenen Größen gegeneinander an Foto: Privat

Die Veranstalter bringen Baby-Krokodile aus Naturparks oder Zuchtfarmen mit, und die gehen tatsächlich an den Start. Jedem Tier wird das Maul mit buntem Klebeband zugeklebt, jede Farbe steht für einen Läufer, und auf diese Farbe wird gewettet. Es sei nicht unüblich, dass dabei 1000 Dollar auf ein einziges Krokodil gesetzt werden, erzählt sie. Dann watscheln die Kleinen zwischen Heuballen los. Manche verlaufen sich heillos, aber einer kommt immer ins Ziel. Nach ein paar Sekunden ist der Renn-Spaß vorbei, und ob die Baby-Krokodile das Ganze auch so lustig finden, sei mal dahingestellt. Aber das Event ist immer ein beliebter Treffpunkt.

Etwas ungefährlicher, aber trotzdem kurios: Auch Froschrennen gibt es im Northern Territory. Die knallgrünen, faustgroßen Frösche bekommen verschiedenfarbige Ketten umgelegt, denn gewettet wird hier auf alles.

Stier-Wrestling beim Rodeo

Fast noch beliebter für Wetten und Treffen sind die Rodeos, die regelmäßig ebenfalls an den Tavernen und Tankstellen stattfinden. Eigentlich ziemlich rau, aber trotzdem ein klassischer Familienausflug: Die Familien rollen in riesigen Trucks an (im Outback fährt ohnehin fast jeder Truck oder Jeep), mit Campingstühlen und Kühlbox im Gepäck. Sie sichern sich früh einen guten Platz und machen aus dem Rodeo einen Tagesausflug. Meine Freundin erzählt: Alle tragen Cowboyhut und Stiefel, auch die Kleinsten. Viele Männer haben Dosenbier in der Hand, und sogar einen deutschen Bratwurststand hat sie entdeckt.

Dann geht der Spaß los: Echte Cowboys treten in verschiedenen Altersklassen auf wild gewordenen Stieren an. Wer oben bleibt, wird gefeiert, je länger, desto lauter der Jubel. Den Besten gebühren nicht nur Respekt und Applaus, sondern auch ein ordentliches Preisgeld. Die Cowgirls zeigen ihr Können auf dem Pferd, und in manchen Disziplinen muss mit dem Lasso ein Tier eingefangen werden. Ganz verrückt sind die Steer Wrestler: Sie springen vom galoppierenden Pferd direkt auf einen Jungbullen, packen ihn an den Hörnern und ringen ihn zu Boden – eben Tackeln wie beim Wrestling …

Rodeo Australien
Die Rodeos sind im Norden von Australien beliebte Treffpunkte – auch, weil endlich mal was los ist Foto: Privat

Fragwürdig finden wir: Die kleinsten Fans sitzen nicht nur im Publikum, sondern auch in der Arena. Sie erzählt mir von angehenden Cowboys, die schon mit acht Jahren im Wettkampf antreten und sich teilweise auch wirklich ernsthaft verletzen können. Oder sind wir hier einfach zu verweichlicht?

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Wilde Natur und Bändigungsversuche

Gewöhnungsbedürftig ist für europäische Augen generell der Umgang mit den Tieren: Stiere im Rodeo-Ring, Baby-Krokodile mit zugeklebtem Maul. Im Northern Territory gehört das zum Alltag, denn Tiere prägen das Leben hier stärker als anderswo.

Das gilt vor allem für Krokodile. Sie werden auf Farmen gezüchtet, für Fleisch und für Leder, aus dem Taschen und Schuhe entstehen. Dafür gibt es sogar eigene Läden, die ausschließlich Krokodilprodukte verkaufen.

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Krokodil zum Anziehen: Spezialläden im Northern Territory, wie hier in Darwin, verkaufen Taschen, Schuhe und mehr aus Krokodilleder Foto: Privat

Frei lebende Krokodile kommen den Menschen dabei sehr nahe. Meine Freundin hat ein paar Wochen auf einem Campingplatz im Outback gewohnt. Auf dem Gelände lag ein kleiner See, den nur ein etwa ein Meter hoher Maschendrahtzaun umgab, damit die drei riesigen Krokodile darin nicht ausbüxen. Wenn es nachts in der Nähe raschelte, wusste sie: Dort bewegen sich gerade Urzeit-Reptilien, die sie locker mit einem Happs verputzen könnten.

Mindestens genauso ungewohnt für uns sind die Kängurus, die ganz friedlich durch die Gegend hüpfen. Manche sind klein und niedlich, andere mächtig und muskelbepackt. „Wenn da eins zielstrebig auf dich zuhüpft, bekommt man es schnell mit der Angst zu tun“, erzählt sie. Auch die Sorge, dass sie nachts aufs Zelt hüpfen könnten, bescherte ihr schlaflose Nächte. Vielleicht eher Paranoia statt berechtigter Angst, denn passiert ist das natürlich nicht.

Echte Probleme hatte sie nur mit den riesigen Kröten. Die waren so groß und träge, dass sie im Dunkeln einfach nicht aus dem Weg gingen. Ihre Lösung: immer einen großen Stock vor sich her schwingen, damit sie nicht versehentlich drauftritt.

Australien Northern territory Tiere
Während in dieser grünen Suppe ein Krokodil lauert (können Sie es erkennen?), belagern grüne rießen-Frösche die Küche und starke Kangoroos beobachten aufmerksam jeden Schritt Foto: Privat / Collage: TRAVELBOOK

Zwei Jahreszeiten – zwei Welten

Zum Schluss gibt noch jemand den Takt im Northern Territory vor: das Wetter. Im Top End rund um Darwin gibt es nur zwei Jahreszeiten, die Trockenzeit ab etwa Mai und die Regenzeit ab etwa November. Dazwischen liegt die „Build-up“, in der es immer schwüler wird, ohne dass der Regen kommt.

In der Trockenzeit fällt monatelang fast nichts vom Himmel, in Darwin im Juli im Schnitt gerade einmal ein Millimeter, sagt die offizielle Tourismusseite. Das Gras verdorrt, und Buschbrände gehören dazu. Meine Freundin meint, das sei ganz normal und auch wichtig für den natürlichen Wandel. Erst wenn Rauch und Flammen gefährlich nah an Siedlungen oder Campingplätze kommen, wird evakuiert. Das hat meine Freundin selbst erlebt

Kurz vor Evakuierung des Campingplatzes: der Wind dreht und macht das Buschfeuer nun doch gefährlich für die Menschen in der Nähe
Kurz vor Evakuierung des Campingplatzes: der Wind dreht und macht das Buschfeuer nun doch gefährlich für die Menschen in der Nähe Foto: Privat

Dann kippt das Wetter: Im Januar kommen in Darwin im Schnitt über 430 Millimeter zusammen, fast das 400-Fache der gesamten Trockenzeit. Die ausgedörrte Landschaft färbt sich grün, Wasserfälle donnern, und Überschwemmungsflächen verwandeln sich in Seen.

Für die Menschen heißt das: flexibel bleiben. Vor der ersten Regenzeit-Woche erledigt man Wege frühmorgens, danach sperrt der Regen manche Straßen. Hier, im hohen Norden des riesigen Kontinents, funktioniert eben alles etwas anders.

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