1. Juni 2026, 6:45 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Wie heißt die Stadt der „drei Ohne“? Dort gibt es die Wiese ohne Gras, den Heiligen ohne Namen und das Café ohne Tür. Klingt nicht nur märchenhaft, sondern ist es auch! Diese drei berühmten Wahrzeichen befinden sich in Padua. Klar ist jedoch, dass eine der ältesten Städte Venetiens alles andere als „ohne“ ist, denn diese kulturelle Perle birgt eine Fülle außergewöhnlicher Sehenswürdigkeiten in typisch italienischer Atmosphäre. Unsere Autorin war dort und verrät ihre besten Tipps.
Wer nur wenig Zeit mitbringt, kann an einem Tag in der Altstadt gut sechs kulturelle Highlights auskundschaften und dabei über von Straßenmusik belebte Plätze, durch kilometerlange Arkadengänge oder geheimnisvolle Gassen flanieren. An beinahe jeder Ecke lugen fantasievolle Figuren an Hausfassaden auf die Besucher hinab, Cafés und Bars laden zum Verweilen ein, um die Schönheit rundherum zu bestaunen.
In Padua zu sein heißt auch, Dolce Vita zu genießen! Nicht umsonst wurde hier der Aperol erfunden. Abseits vom Massentourismus ist Padua ein Geheimtipp für alle Städtereisenden, Kulturinteressierten ebenso wie für Pilger, Genießer und Ruhesuchende. Hier sind sechs Sehenswürdigkeiten, die nicht weit auseinanderliegen, gut zu Fuß erreichbar sind und teils zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Los geht es zum Spaziergang!
Übersicht
Morgens
Cappella degli Scrovegni: Einen Blick in Hölle und Himmel werfen
Einmal im Leben einen Blick in Giottos berühmte Höllen- und Himmelsvision werfen, die die Wände der Kapelle aus dem frühen 14. Jahrhundert schmückt? Auf dem Weg dorthin zeigen bereits die Sitzbezüge mancher Straßenbahnen den leuchtend blauen Sternenhimmel mit dem Halley’schen Kometen, den der weltberühmte Maler und Wegbereiter der Renaissance an der Kapellendecke verewigt hat.
Das Gebäude, um 1303 bis 1305 errichtet und einst an den Palast der Adelsfamilie Scrovegni angegliedert, war Teil einer römischen Arena, von der auf dem Gelände nur wenige Überreste geblieben sind. Umso beeindruckender ist der Erhalt von Giottos farbenprächtigem Freskenzyklus, der unter anderem einer Luftaufbereitungsanlage zu verdanken ist.
Der Überlieferung nach beauftragte der Sohn des Wucherers Reginaldo den Bau der Kapelle, um die Familie von Sünden reinzuwaschen. Das Treiben seines Vaters war nämlich so berüchtigt, dass sogar der große Dichter Dante ihn in der „Göttlichen Komödie“ in die Hölle verbannte. Welch schauriger Horror dort dargestellt wird, zeigen die Wandmalereien in der Kapelle: haarige Teufelsgeschöpfe, die Sünder barbarisch quälen, aufhängen oder fressen. Wer dagegen tugendhaft geblieben ist, sieht auf der anderen Seite des Freskos Fromme mit seligem Lächeln vors Jüngste Gericht treten.
Für diese bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt ist eine vorherige Ticketbuchung nötig, am besten mindestens einen Tag im Voraus. Jedem Besucher stehen vor Ort inklusive Film 30 Minuten zur Verfügung.
Öffnungszeiten: Täglich von 9 bis 19 Uhr
Palazo della Ragione
Nicht zu verpassen! Mitten im Zentrum befindet sich der prächtige Palazzo della Ragione, dessen Baubeginn auf etwa 1218 datiert wird. Darin staunen Besucher jeden Tag unter anderem über einen der größten stützenlosen Säle Europas mit 82 Metern Länge, dessen Dach an einen umgedrehten Schiffsrumpf erinnert. Heute Rathaus und eines der berühmtesten Denkmäler der Stadt, diente das Prachtgebäude im Mittelalter als Sitz der Gerichte. Auch diese Wände schmückt ein Freskenzyklus von Giotto, der zwar bei einem Feuer im Jahr 1420 zerstört, später jedoch restauriert wurde.
Der „Stein der Schande“ in der Halle wiederum erinnert an mittelalterliche Büßer, die sich nur im Hemd bekleidet dreimal dort hinsetzen mussten und dabei jedes Mal wiederholten: „Ich werde meine Schuld begleichen.“ Tipp: Vor dem Besuch bietet sich eines der vielen Cafés rund um den Platz an.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 9 bis 19 Uhr
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Mittags
Caffe Pedrocchi: Legendäres Cafe ohne Türen
Woher der Beiname „ohne Türen“? Er geht darauf zurück, dass dieses ikonische Café ab 1831 über viele Jahre rund um die Uhr geöffnet war und ein bunt gemischtes Publikum aus Künstlern, Studenten und Politikern anzog. Ein Einschussloch in der Wand erinnert bis heute an den Studentenaufstand von 1848 gegen österreichische Truppen. Dieses neoklassizistische Café mit seinen großen historischen Sälen gleicht einem Palast, durch den einst ein demokratischer Geist wehte. Hier kamen Bürger aus allen Schichten zusammen, diskutierten Ideen oder genossen schlicht das besondere Ambiente.
Im Erdgeschoss befinden sich drei prachtvolle Räume in Grün, Rot und Weiß – den Landesfarben Italiens. Den „grünen Salon“ durften damals vor allem Studenten kostenlos nutzen, um dort zu lesen, ohne etwas bestellen zu müssen. Der rote Salon bildet bis heute das Herzstück mit Café und Bar, die manchmal von einem Künstler am Klavier musikalisch begleitet werden. Der weiße Salon wiederum beherbergt Bistro und Restaurant. Prominente Intellektuelle wie Lord Byron oder Stendhal lobten das Café einst als das „Beste auf der ganzen Welt“. Allerdings hat das heute seinen Preis. Markenzeichen ist der „Minz-Espresso“, bedeckt mit Minzcreme und Kakaopulver. Das Obergeschoss bietet übrigens weitere zehn Räume mit einem kleinen Museum. Bis heute ist das Café ein Ort voller Inspiration!
Öffnungszeiten: täglich 8 bis 24 Uhr
Nachmittags
Prato della Valle: Wiese ohne Gras
Wiese ohne Gras? Der Name für einen der größten Plätze Europas stammt noch aus Zeiten, als die 90.000 Quadratmeter große Fläche für Militärparaden und Märkte genutzt wurde, sodass dort kaum Gras wuchs. Elliptisch angelegt, befindet sich in der Mitte eine grüne Insel, gesäumt von einem Kanal und 78 Statuen. Mittlerweile sprießt dort üppiges Grün und bietet jungen Leuten sowie Familien im Sommer einen Platz zum Ausruhen, Skaten oder Picknicken im Schatten der Bäume. An diesem historischen Ort finden regelmäßig Veranstaltungen, Konzerte und große Märkte statt.
Vom Zentrum aus führt ein etwa 15-minütiger Fußweg dorthin. Gleich daneben befindet sich übrigens die berühmte Basilika Santa Giustina.
Basilika des Heiligen Antonius: Heiliger ohne Namen
Wunder geschehen womöglich dort, wo einst Wundertäter wirkten. Ob das stimmt, findet heraus, wer sich in der Basilika des Heiligen Antonius in die langen Schlangen am Grabmal des Schutzpatrons der Reisenden und Armen einreiht. Er gilt als „Heiliger ohne Namen“, weil er als Synonym für den Heiligen schlechthin steht – quasi der Popstar unter den Heiligen. Immerhin gilt Antonius auch als Helfer beim Wiederfinden verlorener Gegenstände und wird salopp „Schlamperl-Toni“ genannt.
Mit sieben orientalisch anmutenden Kuppeln, einer spitzen Hauptkuppel, zwei schlanken Glockentürmen und kleinen Türmchen sticht die Basilika sofort von außen ins Auge. In den Innenräumen weiß man kaum, wohin man zuerst blicken soll: auf die prachtvollen Deckenmalereien oder auf die zahlreichen Reliquien, Kunstwerke und Statuen? Nicht umsonst zählt die Basilika zu den meistbesuchten Heiligtümern Italiens. Von 1238 bis ins 14. Jahrhundert entwickelte sich die Kirche zu einem prachtvollen Bauwerk und zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte Italiens.
Öffnungszeiten: Jeden Tag, zwischen 6.15 bis 18.45 Uhr
Dazwischen Heilige Messen, mit teilweiser Sperrung
Botanischer Garten: Ort der Superlative
Noch ein Ort der Superlative! Der weltweit älteste botanische Universitätsgarten wurde bereits 1545 gegründet. Unter den 3500 Pflanzenarten befinden sich seltene exotische Arzneipflanzen mit heilenden Eigenschaften. Als älteste Pflanze Europas gilt dort die sogenannte Goethe-Palme, die bereits 1585 gepflanzt wurde. Zahlreiche Schulklassen stehen täglich vor diesem Gewächshaus, um mehr über Goethes botanische Studien und seine Metamorphose-Theorie zu erfahren, nach der sich alle Pflanzen aus einer einzigen Grundform entwickelt haben sollen. „F… you, Goethe“ schmierte vermutlich einer der Schüler mit Stift auf einen Stein am Boden.
Der raffiniert angelegte und von Mauern geschützte Garten gilt als „Original aller botanischen Gärten“ sowie als Wiege der Wissenschaft und des Verständnisses für die Beziehung zwischen Natur und Kultur. Sicher ist: Zwischen plätschernden Brunnen und Teichen mit Seerosen, im Schatten des satten Grüns und umgeben von blühenden Rosen lässt es sich auf einer der Bänke hervorragend entspannen. Ein Ort der Stille und Erholung, voller wechselnder Farben und Düfte!
Öffnungszeiten: Mai bis September: 9 bis 19 Uhr