11. August 2026, 15:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Im Urlaub in Italien könnten Ihnen schon einmal gefüllte Wasserflaschen vor Hauseingängen aufgefallen sein. Eine freundliche Geste für Bedürftige? Das könnte man vielleicht meinen. Auch Passanten dürften gerade im Sommer bei hohen Temperaturen durstig sein und auf das scheinbare Angebot zurückgreifen. Doch nein: In Wahrheit sollten Sie aus diesen Flaschen nicht trinken! TRAVELBOOK erklärt, was es mit dieser Maßnahme wirklich auf sich hat.
Schon seit Langem findet man in Italien gefüllte Flaschen vor Haustüren vor. Es handelt sich also keineswegs um eine neue Erscheinung, auch wenn der vermeintliche Trick gerade – wir befinden uns in der Ferienhochsaison – wieder einige Aufmerksamkeit in den sozialen Medien erhält. Als Volksglaube bzw. Hausmittel soll er einem in verschiedenen Mittelmeerländern verbreiteten Problem entgegenwirken: streunenden Tieren, die an Hauswände urinieren.
„Anti-Pipi-Flaschen“ in Italien und anderen Mittelmeerländern
Die Food-Influencerin Italienfoodtherapy dokumentierte gefüllte Wasserflaschen kürzlich in verschiedenen Städten südlicher Regionen Italiens. Den zahlreichen Kommentaren unter ihrem Beitrag zufolge ist die Praxis jedoch auch im Norden des Landes sowie in Spanien verbreitet.
Die „Gazzetta del Mezzogiorno“ berichtete schon 2011 über die verbreiteten „bottiglie antipipì“ (übersetzt etwa: „Anti-Pipi-Flaschen“), die man demnach beispielsweise in Apulien in großer Zahl vorfindet. Die italienische Tageszeitung schrieb damals, die ungewöhnlichen „Pipi-Abwehrmittel“ seien bereits in historischen Zentren „von halb Italien“ erprobt worden.
Die Idee dahinter: Streunende Hunde und Katzen, von denen es in Italien einige gibt, sollen sich vor der Reflexion des Wassers in den Flaschen erschrecken und deshalb davon absehen, an Hauswände zu urinieren.
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Ob der Trick tatsächlich funktioniert? Fraglich
Ein Beleg für die Wirksamkeit der Methode fehlt allerdings. Beispielsweise auf „Reddit“ wird ihre Effektivität teilweise stark angezweifelt. Einige Italienbesucher wollen dort sogar beobachtet haben, dass Hunde gezielt auf die Flaschen uriniert haben.
Völlig abwegig ist die Methode in der Theorie womöglich trotzdem wohl nicht. Sie beruht, wie ein Nutzer schreibt, auf der Annahme, dass Hunde nicht in der Nähe von Wasser urinieren würden, das sie selbst trinken könnten. Bereits vor Hunderten Jahren soll man Hunde und Katzen auf diese Weise davon abgehalten haben, gegen Hauseingänge zu machen – damals allerdings, indem man das Wasser in einer Schüssel aufstellte.
Heute versucht man es also mit Plastikflaschen. Die einen schwören darauf, andere – so auch übrigens die „Gazzetta del Mezzogiorno“ – stellen den Sinn der „Anti-Pipi-Flaschen“ in Frage. Für Touristen ist der Anblick aber offenbar allemal ein kurioses Gimmick. Auch der auf Italien spezialisierte Reiseblog „Viajando para Itália“ berichtet in einem Beitrag über die ungewöhnliche Praxis.
Warum das Ganze scheinbar nötig ist
In Italien gibt es vielerorts Probleme mit streunenden Hunden und Katzen, auf die auch die Kollegen von PETBOOK in verschiedenen Beiträgen eingehen. Dass diese Tiere ihre Notdurft verrichten und auch „markieren“ ist eine Tatsache, deren Folgen erste italienische Städte zunehmend unter hygienischen und städtebaulichen Gesichtspunkten betrachten.
In der italienischen Hafenstadt Livorno etwa haben sich Anwohner über den Geruch von Hundeurin an öffentlichen Plätzen beschwert. Zumindest dort, wo sich ein verantwortlicher Halter ausmachen lässt, gehen die Behörden seit Mai 2026 gegen die Hinterlassenschaften vor. Hundehalter müssen gemäß entsprechender Verordnung den Urin ihrer Tiere von Gehwegen und Bänken entfernen und sogar die Reifen von Autos und Motorrollern reinigen, andernfalls drohen Bußgelder von bis zu 500 Euro. Wie das gehen soll? Hundehalter müssen beim Spaziergang mit ihrem Vierbeiner stets eine Sprühflasche mit Wasser dabeihaben.
Mancher Hundehalter könnte das übertrieben finden. Die Stadt Livorno rechtfertigt die zunächst bis Ende Oktober geltende Regelung mit den hohen Temperaturen im Frühjahr und Sommer in Verbindung mit geringeren Niederschlagsmengen. Dadurch verdunsteten organische Flüssigkeiten auf befestigten Flächen schneller, was sich wiederum negativ auf Hygiene und Sauberkeit auswirke.
Finger weg von den Flaschen!
Der Hinweis ist vielleicht gar nicht nötig – womöglich aber doch. Gerade Touristen, die Italien zum ersten Mal besuchen, könnten die Flaschen bei sommerlichen Temperaturen und angesichts der berühmten italienischen Gastfreundschaft für ein kostenloses Getränkeangebot halten. Und selbst wer ihren eigentlichen Zweck kennt, könnte vielleicht bei großer Hitze auf die Idee kommen: Sie stehen nun einmal da – warum also nicht daraus trinken?
Das sollte man natürlich lassen! Grundsätzlich gilt: „Niemand sollte aus Flaschen trinken, die irgendwo, egal wo, herumstehen und bei denen man nicht weiß, wer sie dort hingestellt hat, wie lange sie dort schon stehen und vor allem, was drin ist.“ Daran erinnert der Ernährungsexperte Uwe Knop. Zumal man nicht wissen kann, unter welchen Bedingungen das Wasser gelagert wurde und ob es überhaupt als Trinkwasser gedacht ist. Bei Wärme können sich zudem Keime deutlich schneller vermehren.