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Immer schön höflich bleiben

Kein Wort für „Bitte“ – wie Höflichkeit in Skandinavien funktioniert

Frau und Mann in Café
Wie funktioniert höfliches Bitten in Skandinavien? Foto: Getty Images
Anna Wengel
Freie Autorin

18. Oktober 2026, 13:36 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Lernen Sie vor einem Urlaub gern Standardformeln in der Landessprache wie „Hallo“, „Tschüss“, „Entschuldigung“, „Ja“, „Nein“, „Danke“ und „Bitte“? Dann stehen Sie in den skandinavischen Ländern zunächst einmal vor einem Dilemma. Während die meisten dieser Worte leicht, weil direkt, zu übersetzen sind, wird das mit dem „Bitte“ schon etwas komplizierter. Aber keine Sorge, Sie müssen Ihre Höflichkeit nicht zu Hause lassen. Das sagen Sie stattdessen.

„Würden Sie mir bitte einen Kaffee bringen?“, „Könnten Sie mir bitte helfen?“ oder, weil im Ausland unterwegs, auch: „Could I have a cup of coffee, please?“ und „Could you please help me?“ So oder so ähnlich sind es (hoffentlich) viele von uns gewohnt. Wer in eines der skandinavischen Länder fährt, wird an der Stelle, wo er die landeseigene Version des deutschen „bitte“ oder englischen „please“ einsetzen möchte, jedoch vermutlich ins Stocken geraten. Denn die gibt es nicht. Oder zumindest nicht in der Eins-zu-eins-Übersetzung.

„Bitte“ in Skandinavien

Wirft man einen Blick in ein Übersetzungsprogramm, gibt es sie natürlich, die direkten Übersetzungen von „bitte“. Ihre Bedeutung stimmt aber nicht unbedingt mit dem überein, was man ausdrücken möchte.

So gibt es im Norwegischen laut der Sprachplattform „norwegisch-lernen.info“ etwa die anbietende Version Vær så god (zu Deutsch: „Bitte schön“), das nachdrücklich bittende und vor allem für Bekannte verwendete Vær så snill (zu Deutsch etwa: „Sei so nett“ oder „Bitte“) oder die überaus höfliche Bitte Kan du være så snill å (zu Deutsch: „Kannst du bitte …“). Als direkte Übersetzung in Übersetzungsprogrammen wird zumeist Vennligst angeboten, das jedoch eher förmlich ist.

Ähnlich ist es im Schwedischen. Hier heißt unter anderem snälla zwar „bitte“, wird aber weitaus flehender oder drängender gebraucht als das höfliche „bitte“ oder „please“, das auf Deutsch oder Englisch etwa an eine Kaffeebestellung gehängt wird.

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Im Dänischen gibt es ebenfalls verschiedene Begriffe, mit denen eine Bitte ausgedrückt werden kann. So etwa die Formulierungen Må jeg bede om oder Vær så venlig at. Die finnische Sprache bietet für das anbietende „Bitte (schön)“ die Variante Ole hyvä. Im Isländischen wird dafür Görðu svo vel verwendet und eine, jedoch eher förmliche, Bitte mit Vinsamlegast ausgedrückt.

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Danke statt Bitte

Nach all diesen verschiedenen und doch nicht ganz passenden Bitte-Versionen ist die Verwirrung größer als zuvor. Doch wodurch ersetzt man in Norwegen, Finnland, Schweden, Island und Dänemark nun das deutsche „Bitte“ oder englische „Please“? In den meisten Fällen gar nicht. Statt des in jedweder Situation verwendeten „bitte“ oder „please“ heißt das Zauberwort im europäischen Norden oftmals „Danke“, also tack (Schwedisch), takk (Norwegisch und Isländisch), tak (Dänisch) oder auch kiitos (Finnisch). So bestellt man einen norwegischen Kaffee etwa mit den Worten: „En kaffe, takk“. Sehr ähnlich klingt auch das dänische „En kop kaffe, tak“.

Gleichzusetzen sind die Worte nicht, denn sie bedeuten schlichtweg nicht dasselbe. Für den Höflichkeitsanteil etwa in einer Kaffeebestellung eignen sie sich jedoch in der Regel.

Ein Artikel der britischen News-Seite „BBC“ hat sich ebenfalls mit dem Thema des fehlenden Bittes beziehungsweise Please beschäftigt und erklärt, Höflichkeit beruhe in der Region „weniger auf einem respektvollen Wort wie ‚bitte‘, sondern mehr auf Formulierung, Tonfall und Kontext“. Sprache sei mehr als nur Worte, zitiert die BBC den Linguisten Dr. James Puchowski. Es gehe auch darum, wie eine Idee präsentiert werde.

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