9. September 2025, 7:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Unser Autor war unterwegs in einem der schönsten Kanureviere Deutschlands – der Mecklenburgischen Kleinseenplatte. Bei TRAVELBOOK verrät er, was es dort alles zu entdecken gibt.
Mein Kanu zieht durch den weiten Rätzsee – und was erblicke ich da? Wieder einen Stand-up-Paddler. Doch dieser ist besonders, denn er ist vollkommen nackt. Mit galanter Selbstverständlichkeit paddelt der Mann im Adamskostüm über den See und genießt sein Leben. Kein Wunder, denn der Rätzsee ist traumhaft. Motorboote sind verboten und die Idylle der reinen Natur perfekt. Der Paddler stammt sicher vom dortigen FKK-Campingplatz und lebt fröhlich den Naturismus aus. Aber auch bekleidet kann man die Kleinseenplatte und ihren Zauber wunderbar entdecken.
Wer bei den Mecklenburgischen Seen immer nur an die große Müritz, den Kölpinsee und den Plauer See denkt, macht einen Fehler. Denn er vergisst die vielen kleineren Seen, die sich oberhalb von Rheinsberg rund um die Orte Canow, Wustrow, Priepert und Mirow erstrecken. Hier lässt sich die Stille der Natur noch viel leichter mit einem Kanu erobern als auf den mächtigeren Seen, die nordwestlich davon liegen.
Der ideale Ausgangspunkt
Als Ausgangspunkt für eine Tour durch die Mecklenburgische Kleinseenplatte empfiehlt sich der Ort Canow. Hier gibt es auch eine gute Infrastruktur mit Hotels, Pensionen und einem guten Fischimbiss direkt am Labussee. Unter den vielen Campingplätzen empfehle ich das Naturcamp Canow sowie das Camp am Labussee – hier gibt es viele Zeltplätze und Stellplätze für Besucher mit direktem Seeblick. Toll ist auch der Biber Ferienhof, denn er liegt nicht nur optimal, sondern bietet auch einen Bio-Hofladen und veranstaltet im Sommer kleine Konzerte und Open-Air-Kinonächte.
Hier befindet sich auch die Diemitzer Schleuse, die zum Vilzsee führt. „Wisst Ihr eigentlich, wie berühmt diese Schleuse ist?“, fragt uns der Schleusenwärter. „Dies ist die Schleuse, die mit über 40.000 Passagen im Jahr die meist-frequentierte Schleuse Europas ist. Und das liegt an Euch, den Kanufahrern!“ Tatsächlich trifft man hier immer ein Dutzend Paddler, die sich in die Schleuse drängen.
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Rätzsee-Runde perfekt als Tagestour
Kein Wunder, denn hier ist man auf der wunderschönen Rätzsee-Runde. Die Strecke ist mit 16 Kilometern Länge gut für eine entspannte Tagestour geeignet. Highlights sind die engen Passagen am Dollbek und Drosedower Bek. Das sind schmale Kanäle, in denen sich zahlreiche Wasservögel tummeln. Hier lassen sich auch Schwarzerlen und Moorbirken entdecken, die bei ausreichender Bodennässe Bruchwälder bilden. Das Motorbootfahren ist verboten, sodass ein Kanu-Trip noch reizvoller ist. Boote kann man sich gut in Canow ausleihen oder auch nahe der Fleether Mühle bei Pack und Paddel. In der Fleether Mühle unbedingt die selbst geräucherten Forellen essen!
Die Rätzsee-Runde ist absolut lohnenswert, doch es gibt noch viel mehr zu entdecken. Am besten verbringt man gleich eine ganze Woche auf dem Wasser. Die 10-Seen-Runde ist entspannt in 5 bis 6 Tagen mit 75 Kilometern Strecke zu bewältigen, und auch in der Hauptsaison findet sich abends immer ein Zeltplatz. Nur wenn man in einer größeren Gruppe unterwegs ist, empfiehlt sich eine Vorabbuchung.
Start könnte z. B. der Mirower See sein, und bei der Kanustation Ganzow gibt es gute Boote zu fairen Preisen. Es wäre müßig, alle Seen im Detail vorzustellen, das sollte man sich schon selbst erobern. Man darf sich vor allem auf den Geheimtipp Schwaanhavel freuen. Das ist ein kleiner Kanal, der zur Oberen Havel führt. Man fährt durch düstere enge Passagen, verwunschene Strecken mit Schlingpflanzen und muss sein Kanu auch ein wenig treideln, so flach ist es hier. Die Ufer dürfen nicht betreten werden, denn hier nisten auch Eisvögel. Wunderschön!
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Wer mag, nimmt einen kleinen Bootswagen mit, denn es gibt einige wenige Umtrage-Stellen auf der mehrtägigen Tour, z. B. in Wustrow. Doch man kann sich auch jeweils einen solchen Wagen vor Ort leihen oder einfach mal das Boot 100 Meter schleppen.
Wichtig ist natürlich, dass man sich korrekt verhält, keine Feuer am Rastplatz entzündet, keinen Müll hinterlässt, keinen Krach macht und die Natur schützt. Denkt an wasserfeste Kleidung und genug Proviant und Trinkwasser, obwohl die Seen hier so sauber sind, dass man ihr Wasser eigentlich sogar trinken könnte. Eine Wasser-Wanderkarte nicht vergessen, denn hier gibt es einige Funklöcher, und Google-Maps lässt einen auch mal im Stich. Aber ein wenig Digital-Detox ist auch gut, einfach mal das Handy abschalten und den Kormoranen beim Jagen zuschauen. Auch Seeadler, Rot- und Schwarzmilan sind häufig zu beobachten. Abends kann man den Fledermäusen bei der Jagd in der Dämmerung zuschauen.
Der beste Tipp für diese Tour ist aber zugleich der einfachste: Man sollte es langsam angehen lassen, die Wolken beobachten, wie sie sich im Wasser spiegeln, an den zahlreichen gepflegten Badestellen ins Wasser springen – und einfach mal die Seele baumeln lassen.