10. April 2026, 12:39 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Kleinstadt Évora, etwa 140 Kilometer östlich von Portugals Hauptstadt Lissabon, gehört seit 1986 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Im Jahr 2027 wird sie zudem eine der beiden Kulturhauptstädte Europas sein. Es gibt dort zahlreiche Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. TRAVELBOOK gibt einen Überblick.
Die Stadt Évora in der portugiesischen Region Alentejo wird 2027 den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ tragen, wie unter anderem „Euronews“ berichtet. Gemeinsam mit der lettischen Ostseestadt Liepāja übernimmt sie die Ausrichtung dieses Projekts. Nach Angaben der Europäischen Kommission in Portugal handelt es sich dabei um „eines der ehrgeizigsten Kulturvorhaben Europas“. Mit dieser Auszeichnung ist Évora die vierte Stadt Portugals, die diesen Titel erhält – nach Lissabon 1994, Porto 2001 und Guimarães 2012.
Tipps für einen Besuch in Évora
In Évora haben die Römer einen gut erhaltenen Diana-Tempel, eine Festung sowie ein Aquädukt hinterlassen. Noch heute wird mithilfe des gut 2000 Jahre alten Aquädukts Wasser befördert. Vom Diana-Tempel aus dem 1. Jahrhundert nach Christus sind noch 14 Säulen erhalten. In der Altstadt sind zudem noch Fundamente römischer Wohnhäuser zu finden. Auch Teile der Festung und der Stadtmauer der Römer können besichtigt werden.
Etwa 450 Jahre war Évora von den arabischen Mauren besetzt. Im 12. Jahrhundert eroberte ein christlicher Ritterorden die Stadt zurück. Dir Gefolgsleute von Geraldo Geraldes bauten eine Stadtmauer, die bis heute fast unversehrt geblieben ist.
Nach dem Befreier wurde auch der schönste Platz der Stadt, der Praca do Giraldo, mit einem sehenswerten Marmorbrunnen sowie kunstvollen Arkaden, benannt. Ebenso im 12. Jahrhundert gebaut wurde die Kathedrale der Stadt, Sé Catedral de Évora. Sie steht auf den Fundamenten einer zerstörten maurischen Moschee.
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Altertümliche Atmosphäre
Eine Attraktion – nicht nur für Studenten – sind die Gebäude der Jesuiten-Universität. Nach der Besetzung Portugals durch die Spanier wurde die im 16. Jahrhundert erbaute Universität jedoch 1759 geschlossen. Erst im Jahr 1973 wurde auf dem mittelalterlichen Campus in Évora eine neue Universität gegründet.
Noch heute strahlt das Zentrum von Évora eine altertümliche Atmosphäre aus. Etwa, wenn man die Kapelle der Knochen betritt, an deren Wänden menschliche Gebeine gestapelt sind. Oder wenn man in einem Straßencafé an einem der mittelalterlichen Plätze sitzt. Nicht umsonst zählt die Stadt in der Provinz Alentejo zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Portugals.
Anreise nach Évora
Von Lissabon aus ist man mit dem Auto in etwa 1,5 Stunden in Évora. Auch das portugiesische Busunternehmen Rede Espressos verkehrt regelmäßig zwischen den beiden Städten.
Einen Abstecher wert
Zugegebenermaßen bin ich 2024 eher zufällig über Évora gestolpert, als ich mit meiner Familie von Lissabon nach Extremadura in Spanien unterwegs war. Umso mehr hat mich die Hauptstadt der Alentejo-Region mit ihrem altertümlichen Charme überrascht. Dass die Stadt zum Weltkulturerbe zählt, ist kein Wunder. Hier überlagern sich verschiedene Epochen der Geschichte.
Der römische Tempel der Diana gehört mit seinen 14 Säulen zu den besterhaltenen auf der iberischen Halbinsel. Das historische Zentrum lädt zu Spaziergängen zwischen den weißen Fassaden der mittelalterlichen und Renaissance-Bauten ein. Auf dem Weg finden sich hier und da Geschäfte, die die traditionell aufwendig bemalte Keramik aus der Alentejo-Region anbieten. Plätze wie die große, belebte Praça do Giraldo laden zum Verweilen und einem Espresso ein.
Bei unserem Besuch ging es noch in den Jardim Público, in dem sich Reste der mittelalterlichen Stadtmauer, ein Palast aus dem 16. Jahrhundert und „Fake“-Ruinen aus dem 19. Jahrhundert bestaunen lassen. Für die Kinder besonders spannend: Hier laufen Pfauen frei herum und in einem kleinen Wasserbassin wuseln überall kleine Schildkröten herum.
Eine der Hauptattraktionen in Évora – die mit menschlichen Gebeinen ausgekleidete Capela dos Ossos – haben wir bei unserem Halt nicht mitgenommen. Meine Frau fühlte sich damit etwas unwohl, und mit zwei kleinen Kindern ist das vielleicht auch nicht ganz das Richtige. Aber man muss ja auch noch Ziele haben – und Évora ist definitiv einen zweiten Besuch wert.