1. August 2025, 14:06 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Poveglia ist eine kleine Insel zwischen Venedig und Lido, die sich – viele Jahre unzugänglich, überwuchert und verlassen – mit der Zeit manche weniger schmeichelhafte Spitznamen einfing. Die sogenannte „Insel des Wahnsinns“ beziehungsweise „die Hölle“ diente zeitweise als Quarantänestation, später als psychiatrische Klinik, und war lange für die Öffentlichkeit unzugänglich. Zwischenzeitlich wäre sie beinahe privatisiert worden. Doch nun gibt es andere und mittlerweile sehr konkrete Pläne für ihre Wiederbelebung. Alle Infos dazu.
Neue Pläne für Venedigs „Geisterinsel“ Poveglia
Ein unbesuchtes italienisches Fleckchen Erde – und das auch noch in der Lagune von Venedig, der Touristenhochburg schlechthin? Da muss es einen Haken geben. Und der sollen im Fall von Poveglia Geister sein. Historisch betrachtet erklärt sich dieser Ruf dadurch, dass Poveglia einst als Pestinsel genutzt wurde und später eine psychiatrische Einrichtung beherbergte. Nach deren Schließung verfiel die Anlage. Es lebte niemand mehr dort, und das Gelände wurde aus Sicherheitsgründen für Besucher gesperrt. Über viele Jahre blieb Poveglia unzugänglich – marode Gebäude und dichtes Gestrüpp machten eine Nutzung kaum möglich. Dies soll sich nun ändern!
Poveglia wäre fast ein Hotel-Komplex geworden
An dieser Stelle sollte man etwas ausholen. Die italienische Regierung plante bereits seit 2014, ein 99-jähriges Nutzungsrecht für die Insel per Online-Auktion zu verkaufen. Nähere Informationen dazu finden Sie in diesem Beitrag. Eine Weile lang war Luigi Brugnaro, Unternehmer und Bürgermeister von Venedig, als privater Besitzer der Insel im Gespräch. Er wollte auf dem rund 7,5 Hektar großen Eiland einen Hotelkomplex errichten. Ähnlich wurde etwa auf der ebenfalls bei Venedig gelegenen Insel Sacca Sessola verfahren, auf ihr befindet sich seit 2015 ein Spa-Hotel.
Doch das Vorhaben für Poveglia stieß auf Widerstand, vor allem durch die Bürgerinitiative „Poveglia per tutti“ (zu Deutsch: „Poveglia für alle“). Auch sie hatte mitgeboten – immerhin 460.000 Euro, die aus Spenden zusammengekommen waren. Der Verein erhielt jedoch eine Absage, da andere Bewerber über mehr finanzielle Mittel verfügten. Diese Entscheidung hat 2018 ein Verwaltungsgericht für rechtswidrig erklärt. Es dauerte dennoch viele weitere Jahre, die nun zu einem positiven Ende kommen sollten. Wie die italienische Tageszeitung „La Reppublica“ berichtet, konnte sich die Bürgerinitiative erst im Juli eine befristete Konzession für den relevanten Nordteil von Poveglia sichern.
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Nächste Schritte für Natur- und Kulturbereich auf Poveglia
Der Plan, der nun endlich umgesetzt werden kann, steht im genauen Kontrast zum gescheiterten Vorhaben von Bürgermeister Brugnaro. Näheres dazu ist in einer bereits 2015 veröffentlichten Absichtserklärung des Vereins Poveglia per tutti nachzulesen. Der Entwurf zielt ganz bewusst auf die Verhinderung einer Privatisierung von Poveglia ab. Die Insel in der Lagune von Venedig soll keine weitere Attraktion oder Unterkunft für Besucher von außerhalb werden, sondern eine öffentlich zugängliche Grünanlage.
Wie „La Repubblica“ näher ausführt, besteht das Ziel darin, das Gelände behutsam zu öffnen. Es soll ein für die Öffentlichkeit und nicht zuletzt für die Anwohner Venedigs zugänglicher Natur- und Kulturbereich entstehen. Vorgesehen ist ein Park mit Spazierwegen und Rückzugsorten, bei dessen Gestaltung das Ökosystem und die Landschaftselemente, die die Lagune charakterisieren, erhalten bleiben. Dies ist auf der Webseite der Universität von Verona nachzulesen. Die Universität ist eng an der Umsetzung beteiligt und begleitet die Pläne von wissenschaftlicher Seite. Unter anderem will man invasive Pflanzenarten entfernen, die durch menschlichen Einfluss nach Poveglia gelangt sind und das Ökosystem schädigen können. Stattdessen soll die heimische Vegetation gezielt gefördert werden.
Sechs Jahre lang hat die Initiative die Teilkonzession für das Nordareal von Poveglia. Die Hoffnung auf eine Verlängerung im Anschluss an diese Zeit besteht.
Poveglia als Modell für nachhaltige Stadtentwicklung
Poveglia ist ein Gegenentwurf zur Touristeninsel. Die Bürger haben diesen Ort zurückgewonnen, um einer weiteren Kommerzialisierung entgegenzuwirken. Der Plan für einen grünen Rückzugsraum mitten in der überlaufenen Lagune von Venedig verbindet Umweltschutz mit Gemeinwohl und setzt damit ein deutliches Zeichen.

