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No-List von „Fodor’s“

Berühmter Reiseführer rät 2026 von diesen Zielen ab

Die Kanareninsel Teneriffa zählt zu den Reisezielen, die man 2026 besser nicht besuchen sollte
Die Kanareninsel Teneriffa zählt zu den Reisezielen, die man dem Reiseführer Fodor's zufolge 2026 besser nicht besuchen sollte Foto: Getty Images
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Angelika Pickardt
Co-Redaktionsleiterin

21. November 2025, 14:38 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Die Antarktis, die Kanarischen Inseln oder Montmartre in Paris – das ist nur eine kleine Auswahl an beliebten Urlaubszielen, die man laut dem Reiseführer „Fodor’s“ im kommenden Jahr nicht bereisen sollte. Nicht etwa, weil dort Gefahren für Touristen lauern, sondern weil die Reiseziele zunehmend unter den Auswirkungen des Massentourismus leiden. TRAVELBOOK erklärt es genauer und zeigt auch, warum die „No-List“ von Fodor’s differenziert betrachtet werden sollte.

Vermehrte Müllproduktion, Wasserknappheit, Schädigung fragiler Ökosysteme oder gesteigerte Lebenskosten für Einheimische. Der Tourismus bringt, wenn er überhandnimmt, allerlei negative Auswirkungen mit sich. Um auf diese Probleme aufmerksam zu machen und die Menschen davon abzuhalten, Orte zu bereisen, die stark unter Overtourism leiden, veröffentlicht der Reiseführer „Fodor’s“ jährlich eine „No List“. Darauf stehen beliebte Reiseziele, die man im kommenden Jahr besser nicht besuchen sollte, um nicht zu den bestehenden Problemen beizutragen.

Jedoch ist diese Liste nicht als genereller Aufruf zum Boykott der genannten Reiseziele zu betrachten, wie auch Fodor’s selbst betont. „Die ‚No List‘ ist ein sanfter, aber bestimmter Hinweis, einem Ort jetzt eine Atempause zu gönnen – nicht für immer – und jedem Ort Ruhe zu geben, der offensichtlich mal durchatmen muss“, heißt es in dem entsprechenden Beitrag des berühmten Reiseführers. Gleichzeitig gilt für viele Reiseziele, dass diese vor allem in der jeweiligen Hauptsaison überlaufen sind. Wer die Möglichkeit hat, auf die Nebensaison auszuweichen, kann einige der genannten Ziele durchaus noch guten Gewissens besuchen.

Reiseziele, die man laut Fodor’s 2026 nicht besuchen sollte

Antarktis

Ein Expeditionsschiff in der Antarktis
Ein Expeditionsschiff in der Antarktis Foto: Getty Images

Die Antarktis scheint ein lebensfeindlicher Ort zu sein. Dennoch fasziniert sie vermutlich gerade deshalb besonders, und jedes Jahr kommen mehr Touristen. Laut Fodor’s sind zwischen 2023 und 2024 rund 120.000 Besucher in die Antarktis gereist. Bis 2033 soll sich diese Zahl verdoppeln. Eine Obergrenze für Touristen, die in der stark vom Klimawandel bedrohten Antarktis an Land gehen dürfen, gibt es derzeit nicht. „Leider bewegt sich die Antarktis im letzten Vierteljahrhundert eher in Richtung Massentourismus statt in die Welt des traditionellen Ökotourismus“, zitiert Fodor’s Mike Gunter. Er ist Professor für Politikwissenschaft und Fachbereichsleiter am Rollins College in Florida und forscht zu Ökotourismus und Umweltpolitik. Die Art und Weise, wie viele Touristen in die Antarktis reisten, und ihre Motive seien oft problematisch.

Große Schiffe dürfen in der Antarktis zwar nicht anlegen, aber kleine Expeditionsschiffe schon. Genauso wie Privatschiffe, und diese sind häufig nicht Mitglied der International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO). Der 1991 gegründete freiwillige Branchenverband fördert „sicheres und umweltverantwortliches Reisen in die Antarktis“. Dieser hat eine Liste von Regeln und Vorschriften aufgestellt, an die sich seine Mitglieder halten müssen. Mit dem Wachstum des Tourismus in der Region und dem zunehmenden Zugang wohlhabender Personen mit privaten Schiffen gerät das fragile Ökosystem der Antarktis jedoch immer mehr unter Druck. Aus diesem Grund sollte man den Südkontinent laut Fodor’s möglichst vorerst von seiner Bucket List streichen.

Kanarische Inseln, Spanien

Demonstranten am Strand von Teneriffa
Demonstranten am Strand von Teneriffa Foto: Getty Images

Bereits seit einiger Zeit sieht man auf den Kanarischen Inseln aufgrund des Massentourismus immer häufiger touristenfeindliche Graffiti und Proteste, wie auch TRAVELBOOK berichtete. Zuletzt im Mai gingen Tausende auf Teneriffa, Gran Canaria und Lanzarote unter dem Motto „Canarias tiene un límite“ („Die Kanaren haben eine Grenze“) auf die Straße. Ihre Botschaft war klar: Boomen­der Tourismus, explodierende Wohnkosten und zunehmender Umweltstress bedrohen die Lebensgrundlagen der Inseln. Laut Fodor’s besuchten allein im ersten Halbjahr 2025 7,8 Millionen Menschen die Kanaren – ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Reiseführer zitiert einen Sprecher von ATAN, einem Umweltverband der Kanaren, mit drastischen Worten: „Die kontinuierliche Ankunft neuer Bewohner – vor allem Europäer – verschärft Überbevölkerung, Umweltzerstörung und Flächenverbrauch angesichts des sehr begrenzten Raums der Inseln. Wesentliche Ressourcen wie Wasser stoßen an ihre Grenzen.“

An dieser Stelle sei einschränkend zu betonen, dass nicht alle Kanarischen Inseln gleichermaßen vom Massentourismus betroffen sind. Die am meisten besuchten Inseln sind Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura. Der Anteil der Touristen auf den übrigen bewohnten Inseln La Palma, La Gomera, El Hierro und La Graciosa machte nur wenige Prozent aus, so dass die Empfehlung von Fodor’s nicht auf alle Kanareninseln übertragen werden kann.

Isola Sacra, Italien

Beliebte Touristenziele in Europa, darunter Venedig und Santorin, zeigen die verheerenden Folgen einer ungebremsten Kreuzfahrtindustrie. Dennoch haben die italienischen Behörden in der Küstengemeinde Fiumicino nahe Rom grünes Licht für einen neuen Hafen gegeben. Hier, im Bereich der Isola Sacra, sollen schon bald einige der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt anlegen. Die Pläne stoßen auf Widerstand von Anwohnern und Umweltschützern.

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Der geplante Hafen namens Fiumicino Waterfront ist laut Fodor’s eine Kooperation des Kreuzfahrtgiganten Royal Caribbean und des britischen Investmentfonds Icon Infrastructure. Er soll Liegeplätze für rund 1000 kleine Boote und einen Pier für Mega-Kreuzfahrtschiffe umfassen, mit einer Kapazität von bis zu 6000 Passagieren. Die Sorge von Umweltschützern: Durch den Bau könnte ein nahegelegenes geschütztes Naturschutzgebiet zerstört werden. Große Teile der Küste würden zudem zubetoniert. Der Gemeinderat hingegen betont, das Projekt enthalte Maßnahmen zum Schutz der marinen Biodiversität und entspreche den Vorschriften für Gebiete im Natura-2000-Netzwerk, einem Schutzgebietsnetz für Europas wertvollste Arten und Lebensräume.

Aktivisten verweisen außerdem auf die Störung durch Tausende Kreuzfahrtpassagiere, die von Bord strömen und weiter nach Rom fahren – eine Stadt, die schon jetzt mit über 35 Millionen Touristen pro Jahr zu kämpfen hat. Experten sagen, die aktuelle Straßeninfrastruktur könne ein solches Verkehrsvolumen nicht tragen, und die Luftverschmutzung werde steigen, verschärft durch Hunderte Hafenarbeiter, die denselben Weg pendeln. Die Gegend ist durch den Verkehr zum nahe gelegenen Flughafen Fiumicino ohnehin schon belastet.

Zusätzlich ist laut Fodor’s ein neuer, öffentlich betriebener Handelshafen für die Fischereiflotte Fiumicinos geplant, an dem ebenfalls Kreuzfahrtschiffe anlegen sollen – ein paar Kilometer weiter nördlich an der Mündung des Fiumicino-Kanals –, der die Küste zusätzlich beeinträchtigen wird. Die Arbeiten an diesem Hafen haben 2024 begonnen und sollen im Dezember 2026 abgeschlossen sein.

Weitere Reiseziele, die man ebenfalls nicht besuchen sollte

Neben den zuvor aufgelisteten Reisezielen hat „Fodor’s“ noch weitere Orte zusammengestellt, die man 2026 eher vermeiden sollte. Diese Reiseziele haben zwar noch nicht allzu sehr die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen, jedoch äußern Brancheninsider aufgrund ihrer Beobachtungen und Erfahrungen bereits jetzt Bedenken. Mehr zu den jeweiligen Begründungen von Fodor’s lesen Sie hier.

Folgende Reiseziele sollte man 2026 besser ebenfalls nicht besuchen:

  • Glacier National Park, USA
  • Jungfrau Region, Schweiz
  • Mexico City, Mexiko
  • Mombasa, Kenia
  • Montmartre, Paris

Fodor’s betont, dass natürlich auch bekannte, vom Massentourismus betroffene Orte wie Venedig oder Barcelona, die in den vergangenen Jahren Teil der „No List“ waren, auch weiterhin vor großen Problemen stehen. In diesem Jahr habe man mit der Auswahl aber bewusst den Fokus auf andere, weniger bekannte Hotspots lenken wollen, die ebenfalls „eine Pause brauchen“, so der Reiseführer.

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