5. März 2026, 16:41 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Vergangenes Jahr reiste unsere Autorin das erste Mal nach Singapur. Fast hätte sie diesen Artikel danach „Warum ich nie wieder freiwillig nach Singapur reisen würde“ genannt. Dabei birgt die Stadt so viele Highlights! Ihre Pros und Contras.
Singapur gilt für viele Europäer als sanfter Einstieg nach Asien: überschaubar, sicher, bestens organisiert. Auf engem Raum treffen chinesische, malaiische und indische Einflüsse aufeinander, vier Amtssprachen prägen den Alltag, und die Skyline spiegelt den wirtschaftlichen Erfolg wider. Singapur steht für Wohlstand, futuristische Architektur und konsequentes Umweltmanagement.
Ebenso für klare Regeln und strikte Gesetze. Kaugummi? Verboten. Müll auf die Straße werfen? Verboten. Stehlen? Strengstens verboten. Was mich direkt zu meinem ersten Punkt bringt:
Sicherheit auf einem anderen Level
Vor Taschendieben hat in Singapur niemand Angst. Selbst an Streetfood-Ständen an dicht befahrenen Straßen legen die Menschen ihr Smartphone auf den Tisch, um einen Platz zu reservieren, während sie sorglos ihr Essen abholen. Niemand fasst die Wertsachen anderer an. So etwas habe ich bisher in keiner anderen Großstadt erlebt. Geradezu barbarisch wirken dagegen Geschichten aus Berlin, Rom oder Paris, in denen Menschen auf offener Straße Smartphones aus der Hand gerissen oder Rucksäcke aufgeschlitzt werden.
Dass die Kriminalitätsrate in Singapur so auffallend gering ist, kommt allerdings nicht von ungefähr: Der Stadtstaat ist auch für seine zahlreichen Verbote und harten Strafen bekannt. Wer stiehlt, dem drohen neben Freiheits- und Geldstrafen bei wiederholtem Vergehen sogar Körperstrafen wie Prügel. So ganz kaltlässt einen dieses Wissen als Tourist nicht. Selbst ohne mir selbst etwas zu Schulde kommen zu lassen, hatte ich vor Ort ständig die irrationale Sorge, etwas falsch zu machen.
Orchard Road und Kampong Glam sind erstaunlich langweilig
In Singapur wird viel und gerne geshoppt, das wird in Reiseführern gerne betont. Auch wegen der extremen Wetterbedingungen sind klimatisierte Geschäfte und große Shoppingmalls hier beliebte Aufenthaltsorte. Ich bin große Einkaufsstraßen aus Metropolen wie Hongkong und Tokio gewöhnt, auf denen sich Flagshipstores bekannter Luxusmarken aneinanderreihen – eine Fassade beeindruckender als die andere.
Irgendwie dachte ich, Singapurs bekannte Orchard Road würde das noch toppen. Schließlich gilt sie als die Einkaufsmeile eines Landes, dessen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zu den höchsten weltweit zählt. Der Ausflug war dann aber sehr ernüchternd. Besonders spannend ist die Gegend nämlich nicht.
Eine ähnliche Erfahrung machte ich in Kampong Glam, dem muslimischen Viertel der Stadt. Es gilt als touristisches Highlight – und das merkt man. Rund um die Arab Street reihen sich Cafés, Bars und Souvenirshops aneinander, die wie für Touristen inszeniert wirken. Eine bunte Instagram-Kulisse: für einen kurzen Spaziergang okay, aber kein Ort, an dem ich lange bleiben wollte.
Ganz anders fühlen sich Chinatown und Little India an. Gerüche, Farben und Musik mischen sich ineinander, Menschen wuseln geschäftig durch die Straßen. Bunt bemalte Tempel, voll gestellte Läden und kleine Imbisse und Restaurants reihen sich aneinander. Hier findet echtes Leben statt – und das merkt man.
Solide Gastronomie, dank der beliebten Streetfood-Stände?
Auch kulinarisch hat mich Singapur eher kaltgelassen. Nicht, weil das Angebot fehlen würde, schließlich sind die Hawker-Zentren Singapurs weltbekannt: Überdachte
Foodcourts mit zahlreichen Garküchen, die qualitativ hochwertiges Essen anbieten, das im Vergleich zu einem Restaurantbesuch sehr günstig ausfällt.
Wer allerdings häufiger nach Bangkok oder Kuala Lumpur reist, weiß: Diese Vielfalt bieten auch andere Metropolen. Wer von der Fülle und Zugänglichkeit Malaysias oder Thailands verwöhnt ist, tut sich hier womöglich etwas schwer, die allgemeine Begeisterung zu teilen. Schließlich ist die kulinarische Szene dort nicht weniger beeindruckender und die Preise sind deutlich niedriger.
Gerade für Reisende, die mehrere Wochen unterwegs sind oder auf ihr Budget achten müssen, ist Singapur schlicht extrem teuer. Und wenn sich das Essen in Hawker-Zentren nicht mehr wie eine Entscheidung, sondern schlicht wie eine Limitation anfühlt, verfliegt dieser Zauber auch recht schnell. In Arealen, in denen viele Expats und westliche
Touristen unterwegs sind, wirkten die Gerichte zudem häufig an den westlichen Geschmack angepasst.
9 Dinge, die Sie in Singapur tun sollten
Dieses Land hat die meisten Streetfood-Stände mit Michelin-Auszeichnung
Unvergesslich: Der National Orchid Garten
Ein Besuch der„Gardens by the Bay“ darf natürlich nicht fehlen, wenn man das erste Mal in Singapur ist, gelten sie doch als beliebteste Touristenattraktion der Stadt. Die 101 Hektar große Parkanlage umfasst mehrere Gewächshäuser und die bekannten Supertrees: mit Pflanzen bewachsene Stahlgerüste, die ihre Äste wie extraterrestrische
Bäume in den Himmel strecken. Nicht nur zur abendlichen Licht-Show drängen sich hier die Massen.
Mein erster Eindruck, als ich zwischen den pflanzenbewachsenen Stahlgerüsten stand? So hoch sind die ja gar nicht. Auch die beliebte Lichtershow hat mich nicht vom Hocker
gerissen. Für mich verhielt es sich wie bei vielen überhypten Sightseeing-Spots, die man schon tausendfach auf Fotos oder in Videos gesehen hat: Aus der Nähe wirken sie meist gar nicht mehr so spektakulär.
Eine wirklich fantastische Zeit hatte ich dagegen im „alten“ Botanischen Garten. Die erste UNESCO-Welterbestätte Singapurs ist bereits 158 Jahre alt und bei Locals sehr beliebt. Das Highlight der tropischen Anlage? Für mich definitiv der National Orchid Garden mit seinen über Tausend verschiedenen Orchideen-Arten. Strahlend weiß, bunt gesprenkelt oder in satten Pinktönen, tellergroß oder kleiner als ein Fingernagel strecken sich die filigranen Blüten hier den Besuchern entgegen.
Tierische Vielfalt
Begeistert hat mich auch die tierische Vielfalt Singapurs. Etwa die wilden Hühner, die die Stadt bevölkern und seelenruhig im Gras der Grünflächen picken. Ein lustiges Bild, assoziiert man sie in unseren Breitengraden doch eher mit Bauernhof und Landwirtschaft als vor einer Hochhaus-Kulisse. Auch Warane entdeckte ich immer wieder. Sie sind hier genauso beheimatet wie Fischotter und Affen. Eine schöne Abwechslung für Großstadtmenschen wie mich, die im Alltag in Deutschland nur Tauben, angeleinte Hunde, Hauskatzen und gelegentlich eine Ratte erblicken.