3. Juni 2026, 12:24 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Schweden galt lange als eins der sichersten Urlaubsländer in Europa. Seit einigen Jahren hat das skandinavische Land jedoch große Probleme mit ausufernder Bandenkriminalität und -gewalt. Das Auswärtige Amt hat jetzt seine Sicherheitshinweise angepasst und mahnt besonders Camper zur Vorsicht.
Schweden gilt gemeinhin als sicheres Urlaubsland. Und es wird angesichts steigender Temperaturen noch verstärkt als fabelhaftes naturnahes und dabei angenehm temperiertes Reiseziel wahrgenommen – etwa für eine Coolcation. Und das ist es auch. An Realität und Wahrnehmung soll auch die Lektüre der folgenden Zeilen nichts ändern. Doch: Schweden ist nicht uneingeschränkt sicher. Das Auswärtige Amt hat jetzt seine Reisehinweise für das skandinavische Land geändert. Und die klingen weniger nach dem freundlichen, toleranten Wohlstandsland, als das Schweden gemeinhin gilt.
Schwedens Problem mit der Bandenkriminalität
Der Grund für die Änderungen in den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts ist die ausufernde Bandenkriminalität, mit der das Land seit Jahren zu kämpfen hat. Die Mordrate in Schweden ist im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn hoch, die Bandenkriminalität fordert jedes Jahr etliche Opfer. Laut der IJAB, der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland, sind es besonders junge Menschen unter 18 Jahren, die in Schweden für kriminelle Netzwerke rekrutiert werden. Laut IJAB instrumentalisieren „kriminelle Akteure (…) Kinder und Jugendliche immer häufiger nicht nur für Drogenkriminalität, sondern auch für die Durchführung von Gewalt- und Risikokriminalität wie Schießereien, Explosionen oder Attentate“. Zu den Opfern der Gewalttaten gehören längst nicht nur Bandenmitglieder, auch Unbeteiligte sind betroffen.
Laut den aktualisierten Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts kommt die „Bandenkriminalität – mit teils gewaltsamen Auseinandersetzungen – (…) überwiegend in größeren Städten vor.“ Welche genau das sind, schreibt das Amt nicht. In verschiedenen Medien wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von Schießereien, Explosionen, Tötungen und anderen Gewalttaten an etlichen Orten im Land berichtet. So schrieb etwa der Deutschlandfunk Anfang 2024: „Nicht nur in den Vorstädten der schwedischen Großstädte Stockholm, Göteborg, Malmö und Uppsala ist Gewalt Alltag. Auch in beschaulichen Kleinstädten wie Helsingborg oder Umeå wird gemordet.“ In den meisten Fällen gehe es dabei „um Revierkämpfe im Drogenhandel“, mitunter auch „nur um gekränkte Ehre“.
Polizei meldet leichte Verbesserungen
Laut der schwedischen Polizeibehörde sind sowohl die Zahl der Schießereien als auch die der Toten und Verletzten aktuell jedoch rückläufig. Im Mai habe es insgesamt sechs Schusswechsel in Schweden gegeben, ebenso wie im Vormonat, wobei es im April drei Tote und zwei Verletzte gab. „Zwischen Januar und Mai 2026 ereigneten sich insgesamt 37 Schießereien“, schreibt die Polizei und ergänzt: „Im Vergleichszeitraum 2025 waren es 73.“ Darüber hinaus habe es im Mai 13 und im April 14 Detonationen gegeben; zwischen Januar und Mai waren es 63. Im Vergleichszeitraum 2025 seien es noch 94 gewesen. Außerdem wurden im Mai „16 Vorbereitungen für öffentliche Zerstörungen registriert, was bedeutet, dass die Polizei viele Detonationen verhindern konnte“, heißt es seitens der Behörde.
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Auswirkungen für Urlauber
Das Auswärtige Amt warnt Reisende speziell vor Kleinkriminalität wie etwa Taschendiebstählen. Diese kämen „insbesondere in den Innenstädten, touristischen Zentren und Transferplätzen wie auf Fähren sowie in Flughäfen häufig vor“. Auch in Hotels sind Gäste offenbar nicht vor Diebstählen sicher, etwa von Handtaschen.
Und selbst Camping-Touristen sollten sich nach den Hinweisen des Amts vorsehen. „Autoeinbrüche und Überfälle auf Wohnwagenbesitzer und Wohnmobile“ sind laut dem Auswärtigen Amt „auch auf offiziellen Campingplätzen keine Seltenheit.“
Zugleich scheint die Gefahr terroristischer Anschläge, vor denen das Auswärtige Amt auch in Schweden weiterhin warnt, zuletzt gesunken zu sein. Das Amt schreibt: „Der schwedische Sicherheitsdienst SÄPO hat die Terrorwarnstufe Anfang 2025 von vier auf drei (von fünf Stufen) abgesenkt.“
Wie können sich Reisende schützen?
Was können Urlauber tun, die vielleicht schon in den anstehenden Sommerferien eine Schwedenreise geplant haben? Wie so oft in den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts ist auch in denen zu Schweden zu lesen, man solle Geld, Ausweise, Führerschein und andere wichtige Dokumente getrennt voneinander aufbewahren. Außerdem sollen Reisende zusätzlich elektronische Kopien anfertigen. Außerdem rät das Amt, nur das für den Tag benötigte Bargeld und keine unnötigen Wertsachen mitzunehmen. Generell solle man auf bargeldlose Zahlung setzen. Besonders aufmerksam sollen Reisende „in größeren Menschenmengen wie an Flughäfen, Bahnhöfen und im öffentlichen Nahverkehr sowie auf dem Fahrrad“ sein und dort auf eigene Wertsachen achten. Auch „bei ungewöhnlichen, nicht alltäglichen Ereignissen“ sei Aufmerksamkeit geboten.
Wer zum Camping nach Schweden fährt, sollte bewachte Campingplätze nutzen. Während der Nacht solle man das eigene Wohnmobil „mit zusätzlichen Schließvorrichtungen“ sichern. Das einfache Abschließen aus dem Innern reicht offenbar nicht aus.
Vorsicht sei zudem geboten bei: „ungewohnten E-Mails, Telefonanrufen, Gewinnmitteilungen, Angeboten und Hilfeersuchen angeblicher Bekannter“. Wer sich unsicher sei, solle die Polizei einschalten oder sich persönlich der Glaubwürdigkeit versichern. Auf keinen Fall solle man persönliche Daten teilen.