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Sommerurlaub

Bakterien in Nord- und Ostsee – wie gefährlich sind Vibrionen?

Bakterien Ostsee
Trotz Corona sind die Strände an Nord- und Ostsee voll wie immer. Dieses Foto ist am Samstag (24. Juli) auf Usedom entstanden.Foto: dpa picture Alliance

Mit den warmen Sommertagen steigt hierzulande die Infektionsgefahr mit Vibrionen – eine Ansteckung mit dem Bakterium kann schlimmstenfalls tödlich enden. TRAVELBOOK erklärt, wo Sie mit Vibrionen rechnen müssen, wie Sie eine Infektion erkennen und wie sie behandelt wird.

Der Sommer ist da, die Strände an Nord- und Ostsee trotz Corona voll. Mit den steigenden Temperaturen steigt allerdings auch das Risiko einer Infektion mit Vibrionen. Das sind Bakterien, die sich ab Temperaturen von über 20 Grad stark vermehren und schwere Wundinfektionen oder Magen-Darm-Erkrankungen auslösen können, wie das Robert Koch-Institut (RKI) informiert.

80-Jähriger infizierte sich mit Bakterien in der Ostsee

Erst vor wenigen Tagen hat sich laut „NDR“ ein 80-jähriger Mann in Mecklenburg-Vorpommern eine Infektion mit Vibrionen zugezogen. Es war demnach dieses Jahr der erste registrierte Fall in dem Bundesland – im Jahr 2020 waren es insgesamt acht Fälle.

Die Bakterien kommen laut RKI „weltweit sowohl in Süß- als auch Salzwasser vor, beispielsweise in Flussmündungen/Buchten, Bodden/Lagunen, Brackwasser und auch in Binnenseen“ – und eben auch in der Nord- und Ostsee. Besonders in stehenden, flachen und sich daher rasch erwärmenden Bereichen sei die Infektionsgefahr höher, in Bereichen mit tieferem Wasser und stärkerem Wellengang entsprechend geringer.

Weiter heißt es, auch aus Schweden, Finnland, Dänemark, Norwegen, den Niederlanden sowie von den Kanal-Inseln und der polnischen Küste seien Infektionen bekannt. Berichte über Vibrionen gäbe es zudem auch aus den USA, Israel, Spanien, Griechenland, Tunesien und der Türkei. Entscheidend für die Verbreitung der Vibrionen sei der Salzgehalt des Wassers, und dieser liege bei der Ostsee mit durchschnittlich 0,8 Prozent besonders niedrig und damit günstig für die Bakterien.

Woran erkenne ich eine Vibrionen-Infektion?

Eine Infektion ist beispielsweise dann möglich, wenn eine nicht (vollständig) verheilte Wunde in Kontakt mit Erreger-verseuchtem Meerwasser kommt. Dadurch können sich eitrige Entzündungen bilden, die „dringend chirurgisch behandelt werden müssen.” Über den Verzehr von rohen oder unzureichend gegarten Meeresfrüchten und Fisch kann man sich darüber hinaus eine Magen-Darm-Infektion mit Vibrionen zuziehen.

Die Krankheit kann tödlich verlaufen

Das RKI warnt anlässlich einer möglichen Wundinfektion: „Ein frühes Symptom ist ein lokaler Schmerz, der angesichts der sichtbaren Wunde überproportional stark erscheint. Zudem können Fieber, Schüttelfrost und Sepsis auftreten. Chirurgische Behandlungen bis hin zur Amputation von Gliedmaßen können die Folge sein. Schwere Erkrankungen können tödlich verlaufen.“

Bezüglich einer möglichen Magen-Darm-Erkrankung heißt es: „Bei gastroenteritischen Infektionen treten krampfartige abdominale Schmerzen, Erbrechen, Übelkeit und wässriger Durchfall auf. Meist ist der Verlauf insgesamt mild. Bei schweren Verläufen kann es ebenfalls zu einer Sepsis kommen. Wird die Sepsis nicht rechtzeitig erkannt und antibiotisch behandelt, kann dies zum Mehrfachorganversagen und/oder einem septischen Kreislaufschock führen und tödlich enden.“ Theoretisch sei auch eine Infektion über die Ohren möglich. Eine erfolgreiche Behandlung mit Antibiotika sei aber bei rechtzeitiger Erkennung möglich.

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In Deutschland nur wenige Fälle pro Jahr

Wie der „NDR“ unter Berufung auf Daten des Landesamtes für Gesundheit und Soziales berichtet, gab es seit 2003 allein in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 69 Infektionen mit Vibrionen. Davon seien neun Fälle tödlich verlaufen, wobei alle Verstorbenen relevante Vorerkrankungen gehabt hätten.

Insgesamt sind die registrierten Fälle jedoch gering: Das RKI verzeichnete von 2002 bis 2019 für ganz Deutschland jährlich gerade einmal bis zu 20 Infektionen mit dem Bakterium, fast alle davon an der Ostsee. Gefährdet sind laut dem Institut vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Lebererkrankungen oder Krebs, bei der Ohrinfektion besonders Kinder. Die bekannt gewordenen Erkrankungen traten in der Regel von Juni bis September auf.

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