14. August 2026, 14:44 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Gerade im Urlaub und generell an Orten, an denen sie sich nicht gut auskennen, greifen viele Menschen auf Rezensionen bei Google zurück, um einzuschätzen, ob sich der Besuch eines Restaurants lohnt. Und auch bei der Hotelsuche verlassen sich Reisende häufig auf die vermeintlichen Erfahrungen anderer Gäste. Doch Vorsicht: Längst nicht mehr jede Bewertung im Netz ist echt. TRAVELBOOK erklärt, woran Sie mögliche Fake-Bewertungen erkennen.
Gefälschte gute und schlechte Bewertungen auf Google
Für Verbraucher stellt sich sicherlich zunächst die Frage, ob auffällig gute Bewertungen von Restaurants und Hotels womöglich geschönt sind. Schließlich können sie die Entscheidung für eine Buchung oder einen Restaurantbesuch beeinflussen. Gerade im Urlaub ist eine falsche Wahl besonders ärgerlich – schließlich macht man ihn nicht jeden Monat und gibt dafür mitunter viel Geld aus. Auch ein Restaurant, das aufgrund gefälschter Rezensionen vielversprechender wirkt, als es tatsächlich ist, kann sich so schnell als teurer Fehlgriff erweisen.
Für Unternehmen selbst können vor allem falsche oder diffamierende Bewertungen zum Problem werden, die sie zu Unrecht in ein schlechtes Licht rücken. Solche Rezensionen können sie bei Google beanstanden und unter bestimmten Voraussetzungen entfernen lassen.
Schutz vor Diffamierung – mit Nebenwirkungen
Diese Möglichkeit ist wichtig. Zumal es auch gezielte Bewertungsattacken gegen Unternehmen gibt. Mehrere Personen oder Accounts können einen Betrieb mit negativen Rezensionen überziehen, um seine Bewertung gezielt zu drücken. In manchen Fällen werden Unternehmen anschließend sogar erpresst: Sie sollen etwa Geld oder andere Gegenleistungen zahlen, damit die negativen Bewertungen wieder verschwinden. Auf der offiziellen Google-Hilfeseite für Unternehmen schildern Betroffene entsprechende Erfahrungen.
Seit April 2026 zeigt Google Maps in Deutschland bei bestimmten Unternehmensprofilen an, wie viele Rezensionen in den vergangenen zwölf Monaten aufgrund von Diffamierungsbeschwerden entfernt wurden. Damit will Google für mehr Transparenz sorgen und zugleich Unternehmen vor ungerechtfertigten Bewertungen schützen.
Für Verbraucher ist die Zahl allerdings mit Vorsicht zu interpretieren. Immerhin sagt sie nicht, ob die entfernten Rezensionen tatsächlich unzulässig waren. Auch eine echte negative Erfahrung kann von einem Unternehmen beanstandet und aus dem Bewertungsprofil entfernt werden.
Tipps, um Fake-Bewertungen zu erkennen
Sie merken: Insgesamt ist das Thema Bewertungen und deren Glaubwürdigkeit sehr verworren. TRAVELBOOK möchte deshalb Ihren Blick dafür schärfen, welche Bewertungen auf Google wahrscheinlich nicht authentisch sind.
Fake-Bewertungen lauern überall
„Die meisten Verbraucher sind sich verschiedener Gefahren der digitalen Welt bewusst – dazu gehören auch Fake-Shops, die mitunter über gefälschte Rezensionen Vertrauen schaffen wollen. Doch Fake-Bewertungen sind längst nicht nur ein Mittel dubioser Anbieter. Auch eigentlich seriöse Unternehmen nutzen sie, um Produkte oder Dienstleistungen zu inszenieren. Ich selbst sollte einmal für eine Agentur eine positive Bewertung für ein Produkt verfassen, das wir vermarktet haben. Auch andere Kollegen erhielten diesen Auftrag samt Briefing, wie sich der Text möglichst authentisch formulieren lässt. Seitdem achte ich bei Bewertungen besonders darauf, was glaubwürdig wirkt und was nicht, und kann hier auch ein paar eigene Tipps geben.“
Extrem gut bewertet? Vielleicht zu gut, um wahr zu sein
Niemand ist perfekt. Wenn ein Hotel oder Restaurant auf Google den Eindruck erweckt, genau das zu sein, da es immerhin ausschließlich begeisterte Gäste zu haben scheint, ist womöglich etwas faul – beziehungsweise fake. Eine ungewöhnlich hohe Zahl an Bestbewertungen kann ein Hinweis darauf sein, dass Rezensionen gezielt manipuliert wurden.
Schauen Sie auch auf das Timing: Ist ein Unternehmen noch sehr neu und es hagelt bereits kurz nach der Eröffnung euphorische Bewertungen, könnten Mitarbeiter die Finger im Spiel haben. Ähnliches gilt, wenn es zu einem bestimmten Zeitpunkt mit den besonders überschwänglichen Rezensionen angefangen hat. Solche können eine gezielte Maßnahme gewesen sein, um (echte) weniger gute Bewertungen zu kompensieren und den Schnitt wieder hochzutreiben.
Halten Sie Ausschau nach dem Wort „Rabatte“
Sie sollten wissen, dass gute Bewertungen auch deshalb abgegeben worden sein können, weil Restaurants oder Hotels dafür Rabatte, Gutscheine oder andere Vergünstigungen anbieten. Das kann die Unabhängigkeit der Rezension beeinflussen – schließlich schreibt jemand möglicherweise nur dann etwas Positives, da er dafür einen Vorteil erhält. Eine solche Bewertung muss deshalb nicht frei erfunden, kann aber zumindest etwas hochgejazzt sein.
Nicht alle Kunden lassen sich auf diesen Deal ein, andere tun es und machen keinen Hehl daraus. Auf jeden Fall kann es sich lohnen, die Bewertungen nach Begriffen wie „Rabatt“, „Discount“ oder „Freigetränk“ abzusuchen. Das kann dabei helfen, die scheinbare Begeisterung für ein Hotel oder Restaurant zu deuten.
TRAVELBOOK hat den Rechtsanwalt Jan Bartholl gefragt, ob Unternehmen das eigentlich dürfen: Vergünstigungen gegen positive Rezensionen anbieten. Er erklärt, dass zunächst zwischen den Plattformregeln und dem deutschen Recht zu unterscheiden ist. Google verbietet demnach Unternehmen, Kunden etwa mit Rabatten für Bewertungen zu belohnen. Das ist jedoch nicht automatisch auch rechtswidrig. Entscheidend sei, ob Verbraucher dadurch getäuscht werden. Beruht eine Bewertung nicht auf einer echten Erfahrung, ist sie rechtlich deutlich problematischer.
Achten Sie auf die verwendete Sprache
Handelt es sich um organisierte Bewertungsattacken, können auch KI-Bots zum Einsatz gekommen sein. Die Texte wirken dann mitunter sehr glatt, gut strukturiert und folgen einem unnatürlichen Sprachmuster. Generell kann die Sprache wichtige Hinweise liefern: Auffällig gekonnt formulierte Bewertungen können ebenso künstlich wirken wie solche, in denen plötzlich kleine Tippfehler auftauchen. Schließlich kann, wer eine Rezension möglichst authentisch erscheinen lassen will, solche Fehler gezielt einbauen.
Entscheidend ist letztlich, ob der Text wie eine echte persönliche Erfahrung klingt. Das ist tendenziell auch etwa weniger der Fall, wenn der exakte Name eines Hotels oder Restaurants auffällig häufig auftaucht oder die Bewertung insgesamt wie Werbung erscheint. Wer aus eigener Erfahrung schreibt, würde schließlich eher vom „Hotel“ oder „Lokal“ sprechen, statt jedes Mal den vollständigen, mitunter langen Namen des Betriebs zu wiederholen.
So tricksen Hotel-Buchungsportale!
EU-Zentrale warnt vor Abzocke bei der Hotel-Buchung im Internet
Viel Text bedeutet nicht unbedingt viel Wahrheit
Auch eine sehr ausführliche Rezension, die scheinbar von reichlich Erfahrung mit einem Restaurant oder Hotel zeugt, kann gerne mal gefälscht sein. Fake-Bewertungen versuchen häufig, eine Art emotionale Nahbarkeit zu simulieren. Ausgedachte oder stark ausgeschmückte persönliche Geschichten sollen Vertrauen schaffen und beim Leser das Gefühl erwecken, es mit einer besonders authentischen Erfahrung zu tun zu haben.
Der wohl wichtigste Tipp: Lesen Sie sich möglichst viele Bewertungen aufmerksam durch. Verlassen Sie sich nicht allein auf die durchschnittliche Sternebewertung. Gerade bei schlechten Rezensionen lohnt sich ein Blick auf den konkreten Grund für die angebliche Unzufriedenheit. Wer etwa nie in einem Restaurant gegessen hat, aber nur einen Stern vergibt und verächtliche Worte dalässt, weil er aufgrund fehlender Reservierung keinen Tisch bekommen hat, bewertet schließlich keine eigene Erfahrung mit dem Essen oder Service.
Idyllische Seen in Kärnten
Entspannung, Abenteuer und Sehenswürdigkeiten
„Fake“ in Bezug auf Bewertungen – Ansichtssache!
Ganz so eindeutig ist die Grenze nicht immer, wann eine Bewertung als „fake“ gilt. Eine frei erfundene Rezension von jemandem, der nie Gast in einem Hotel oder Restaurant war, ist zweifellos eine Fake-Bewertung. Schwieriger wird es bei Bewertungen aus dem persönlichen Umfeld eines Unternehmens.
Bittet ein Restaurant etwa zufriedene Stammgäste oder Freunde um eine Bewertung, beruht diese zwar auf einer tatsächlichen Erfahrung – sie entsteht aber nicht unbedingt aus eigenem Antrieb. Wer um einen Gefallen gebeten wird, könnte sich zudem verpflichtet fühlen und seine Erfahrung positiver darstellen, als er sie tatsächlich empfunden hat. Ist eine solche Bewertung dann noch authentisch? Das muss letztlich jeder Verbraucher für sich selbst entscheiden.