27. Oktober 2025, 13:58 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wo in Deutschland ist die allgemeine Lebenszufriedenheit am größten? In welchem Bundesland erleben die Menschen häufiger positive Gefühle – wo wird vermehrt Traurigkeit empfunden? Diesen Fragen geht die Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) jedes Jahr auf den Grund und präsentiert die Ergebnisse im „Glücksatlas“. Darin hat es 2025 an der Zufriedenheitsspitze gegenüber dem Vorjahr keine Änderung gegeben. Aber auf das ganze Land bezogen gibt es doch gewisse Entwicklungen. Alle Infos dazu bei TRAVELBOOK.
Wie es in einer Mitteilung der SKL zum Glücksatlas 2025 heißt, liegt die Stimmung in Deutschland in diesem Jahr auf einem „Zufriedenheitsplateau“ und nahezu auf dem stabilen Niveau von vor der Pandemie. Wir erinnern uns: Während der Coronazeit zwischen 2020 und 2022 hatten verschiedene Maßnahmen – etwa Kontaktbeschränkungen oder die Schließung von Betreuungseinrichtungen – vielen Menschen stark zugesetzt. Umso erfreulicher, dass diese herausfordernde Phase nun endgültig überwunden scheint. Fragt man sich nun, in welchen Bundesländern die Bürger besonders zufrieden sind, so dominieren laut dem Text „Altbekannte“. An die Spitze schaffte es wie im vergangenen Jahr Hamburg (s. Foto oben).
Menschen in Hamburg laut Glücksatlas 2025 am zufriedensten
Bereits seit dem vergangenen Jahr liegt das Wohlbefinden in Hamburg sogar über dem Wert von 2019, also dem Jahr vor der Pandemie. Dabei zählt Hamburg – wie übrigens auch Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein – zu den „Overperformern“ des diesjährigen Glücksatlas. Das bedeutet, dass die ermittelten Zufriedenheitswerte höher liegen, als es die objektiven Faktoren eigentlich vermuten lassen würden. In Hamburg sind dies beispielsweise hohe Lebenshaltungskosten und Wohnraummangel. „Underperformer” sind dagegen die Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, das Saarland und Berlin. Dort beschreibt sich die Bevölkerung als unzufriedener, als es die objektiven Lebensbedingungen nahelegen.
Methodik
Der Glücksatlas ist eine regelmäßig in Zusammenarbeit zwischen der SKL und der Universität Freiburg durchgeführte Studie zur Lebenszufriedenheit der Deutschen. Er liefert einen Einblick in Trends sowie langfristige Veränderungen bezüglich des Wohlbefindens der Einwohner der Bundesrepublik. Die Daten für den diesjährigen Glücksatlas stammen aus 13 persönlichen Befragungen zwischen Juli 2024 und Juni 2025 mit rund 14.000 Personen, die das 16. Lebensjahr überschritten haben, sowie mehr als 5000 Online-Interviews mit Über-18-Jährigen. Die abgefragten Themen umfassen die Bereiche Arbeit, Familie, Freizeit, Einkommen und Emotionen. Die Studie wird wissenschaftlich von Prof. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg geleitet.
„Glückslücke“ verringert sich, negative Emotionen nehmen insgesamt zu
Eine im Glücksatlas 2025 festgestellte grundsätzliche Zunahme der Lebenszufriedenheit rührt der Veröffentlichung zufolge hauptsächlich aus Ostdeutschland her. Während die Werte dort um 0,12 Punkte gestiegen sind, stagnieren sie im Westen weitgehend. Dadurch verringert sich die historische „Glückslücke” zwischen Ost und West, die unter anderem auf das durchschnittlich niedrigere Einkommen und den geringeren Anteil an Immobilienbesitz im Osten zurückgeführt wird, auf nur noch 0,24 Punkte. Besonders junge Menschen haben ihren Zufriedenheitsrückstand aufgeholt, wie die Untersuchung zeigt. Bei älteren Personengruppen sind dagegen leichte Einbußen zu verzeichnen.
Auf gesamtdeutscher Ebene nimmt laut der SKL-Veröffentlichung die „Emotionalität“ der Bevölkerung weiterhin zu. Demnach erleben immer mehr Menschen Ärger, Angst oder Glück „oft“ oder „sehr oft“. So geben 30 Prozent der Befragten an, sich häufig zu ärgern – acht Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. Auch Angst wird verstärkt wahrgenommen. Bei Traurigkeit stagniert der Anteil im Vergleich zum Vorjahr, nachdem er zuvor gegenüber 2023 bereits angestiegen war. Insgesamt zeigt sich damit, dass negative Emotionen zunehmend den Alltag prägen.
Wo die unzufriedensten Deutschen leben
Die geringste Lebenszufriedenheit herrscht laut Glücksatlas 2025 Bremen und Berlin, am ganz unteren Ende der Skala liegen das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern. Als Gründe nennt die Studie wirtschaftliche, soziale und demografische Herausforderungen. Objektive Faktoren wie Einkommen, Arbeitsmarkt und Infrastruktur schränken die Lebensqualität ein, daneben verstärken subjektive Aspekte wie Isolation oder eingeschränkte Perspektiven die Unzufriedenheit.
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Glücks-Index der Bundesländer 2025 (mit Vergleich zu 2024)
- 1. Hamburg – 7,33 Punkte (2024: 7,38, Veränderung: −0,05)
- 2. Bayern – 7,21 Punkte (2024: 7,23, −0,02)
- 3. Rheinland-Pfalz – 7,21 Punkte (2024: 7,11, +0,10)
- 4. Nordrhein-Westfalen – 7,19 Punkte (2024: 7,17, +0,02)
- 5. Schleswig-Holstein – 7,12 Punkte (2024: 7,23, −0,11)
- 6. Thüringen – 7,12 Punkte (2024: 6,90, +0,22)
- 7. Brandenburg – 7,10 Punkte (2024: 6,99, +0,11)
- 8. Niedersachsen – 7,10 Punkte (2024: 7,02, +0,08)
- 9. Baden-Württemberg – 7,09 Punkte (2024: 7,10, −0,01)
- 10. Hessen – 7,02 Punkte (2024: 7,01, +0,01)
- 11. Sachsen-Anhalt – 6,99 Punkte (2024: 7,08, −0,09)
- 12. Sachsen – 6,96 Punkte (2024: 6,87, +0,09)
- 13. Bremen – 6,89 Punkte (2024: 6,76, +0,13)
- 14. Berlin – 6,83 Punkte (2024: 6,63, +0,20)
- 15. Saarland – 6,78 Punkte (2024: 6,73, +0,05)
- 16. Mecklenburg-Vorpommern – 6,06 Punkte (2024: 6,17, −0,11)
Auffälligkeiten im Detail
Insgesamt zeigen sich Fortschritte in den Bereichen Arbeit, Familie und Freizeit. Die Einkommenssituation bleibt jedoch ein spürbarer Hemmfaktor für das allgemeine Wohlbefinden, insbesondere in einkommensschwächeren Haushalten. Laut Glücksatlas 2025 liegt die durchschnittliche Zufriedenheit mit dem Einkommen bei 6,60 Punkten. Besonders auffällig ist der Rückgang in den unteren 40 Prozent der Einkommensskala, die ihre finanzielle Situation deutlich kritischer bewerten. Dies verdeutlicht, dass steigende Lebenshaltungskosten und Einkommensungleichheit vor allem Menschen mit niedrigerem Einkommen belasten.
Die Arbeitszufriedenheit hat sich deutlich erholt, sie erreicht mit 7,20 Punkten wieder das Niveau vor der Pandemie. Als positive Faktoren nennt der Glücksatlas 2025 unter anderem die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, daneben flexiblere Arbeitszeiten sowie mehr Kontrolle über Arbeitsort und -zeit – Aspekte, die vielen Beschäftigten ein höheres Maß an Lebensqualität ermöglichen. Auch im Bereich Familie zeigt sich eine leichte Verbesserung. Die Zufriedenheit steigt auf 7,61 Punkte, obwohl die Zahl der Eheschließungen und Geburten rückläufig ist und gleichzeitig der Anteil Alleinerziehender zunimmt.

