21. August 2025, 10:45 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Der Flug ist gebucht, aber die Nase läuft – oder der Sitznachbar niest ununterbrochen. In solchen Fällen stellen sich viele Reisende die gleiche Frage: Wie kann ich mich vor einer Ansteckung schützen, ohne andere zu gefährden? Und muss ich das Kabinenpersonal über meine Erkrankung informieren? Allgemeinmediziner Dr. Christoph Kollmeier, der bekannteste deutsche Arzt in Großbritannien, kennt die wichtigsten Verhaltensregeln für Passagiere, die im Flugzeug krank sind – mit einigen überraschenden Tipps.
Übersicht
Was tun, wenn der Sitznachbar krank ist?
Wenn der Passagier neben einem hustet, niest oder sichtlich erkältet ist, ist Vorsicht geboten, wie Dr. Kollmeier im Gespräch mit BILD erklärt. „Wenn Sie bemerken, dass der Sitznachbar krank ist (z. B. hustet, niest oder offensichtlich erkältet ist), können Sie das Kabinenpersonal höflich um einen Sitzplatzwechsel bitten (klappt aber nicht bei vollen Flügen).“
Auch der gewählte Sitzplatz selbst kann dem Experten zufolge das Infektionsrisiko beeinflussen. „Studien zeigen, dass das Ansteckungsrisiko am Fensterplatz am geringsten ist, da Passagiere dort weniger Kontakt zu anderen haben und seltener aufstehen müssen.“
Ein einfacher Wechsel der Sitzreihe könne ebenfalls viel bewirken. Denn wer direkt neben, vor oder hinter einer kranken Person sitzt, trägt Kollmeier zufolge ein bis zu 80 Prozent höheres Risiko, sich anzustecken. Bereits ein Platzabstand von einer Reihe senke das Risiko deutlich – auf unter drei Prozent. „Die größte Gefahr geht von kranken Crewmitgliedern aus, da sie sich viel bewegen“, so der Mediziner.
Dr. Kollmeier empfiehlt zudem technische und einfache Maßnahmen zur Reduzierung der Ansteckungsgefahr: „Die Lüftungsdüse über deinem Sitz auf mittlere Stärke stellen, um eventuell vorhandene Viren schneller zu ‚verblasen‘.“ Zusätzlich kann es helfen, sich vom erkrankten Sitznachbarn möglichst wegzudrehen.
Kann man im Flugzeug vom hustenden Sitznachbarn das Tragen einer Maske verlangen?
Erkältung im Flugzeug? Wann man aufpassen muss
Ich bin krank im Flugzeug – muss ich das der Crew sagen?
Die Antwort ist differenziert. „Ja und nein. Bei leichten Symptomen nicht. Grundsätzlich kann der Kapitän Menschen, die eine Gefahr für andere darstellen, vom Flug ausschließen. Die Mitteilung ist dann verpflichtend, wenn Sie während des Fluges medizinische Hilfe benötigen.“
Flugreisende mit stärkeren Symptomen – etwa Fieber, akuten Atemwegsinfekten oder einer Grippe – sollten nach Möglichkeit ihren Flug verschieben.
Diese Maßnahmen helfen kranken Fluggästen
Erkrankte Passagiere sollten während des gesamten Flugs eine medizinische Maske tragen. Das schützt nicht nur andere vor einer möglichen Ansteckung, sondern schont auch die eigenen Atemwege von der trockenen Kabinenluft.“
Ebenso wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr: „Trinken Sie ausreichend Wasser, um die Schleimhäute feucht zu halten. Die trockene Luft im Flugzeug kann die Beschwerden sonst verschlimmern“, erklärt Dr. Kollmeier.
Auf Kaffee, schwarzen Tee und Alkohol sollte man besser verzichten – sie entziehen dem Körper zusätzliche Flüssigkeit. Für den Druckausgleich beim Start und bei der Landung empfiehlt der Arzt: „Nutzen Sie abschwellende Nasensprays oder Nasentropfen, um den Druckausgleich zu erleichtern und Ohrenschmerzen vorzubeugen.“ Auch altbewährte Methoden wie Kaugummi kauen, Gähnen oder Schlucken können helfen, besonders beim Start und bei der Landung.
Zur Person
Dr. Christoph Kollmeier ist Allgemeinmediziner und praktiziert in der „Langport Surgery“ in Südengland. Bekannt wurde er als erster Deutscher, der gegen das Coronavirus geimpft wurde.

