Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de

Experte gibt Tipps

Fehler, die man beim Buchen eines Mietwagens vermeiden sollte

Mietwagen Tipps
Wer einen Mietwagen bucht, hat die Qual der Wahl – nicht nur beim Fahrzeug. Mit unseren Tipps vom Experten gelingt die Buchung ohne böse Überraschungen.Foto: Getty Images

Wer für den Urlaub einen Mietwagen buchen möchte, steht bei vielen Fragen vor der Qual der Wahl: Welcher Anbieter soll es sein, welche Versicherungen brauche ich wirklich, welche Tankregelung ist die beste? Und wie erkenne ich überhaupt einen seriösen Mietwagenanbieter? TRAVELBOOK hat mit einem Experten über all diese Fragen gesprochen und wertvolle Tipps erhalten, damit die Buchung nicht zum Reinfall wird.

Vergleichs- und Buchungsportale wie billiger-mietwagen.de oder Happycar machen es einem heutzutage leicht, den passenden Mietwagen für den Urlaub zu finden. Trotzdem gilt es, sich genau über die Mietbedingungen zu informieren und den richtigen Versicherungsschutz auszuwählen, bevor man sich für ein Angebot entscheidet. Und auch vor Ort warten einige Fallstricke, die man jedoch mit guter Vorbereitung umgehen kann. TRAVELBOOK hat mit Frieder Bechtel von billiger-mietwagen.de gesprochen und wertvolle Tipps für die Mietwagenbuchung bekommen.

Mietwagen buchen – wichtige Tipps

Woran erkenne ich einen seriösen Mietwagenanbieter?

Einen seriösen Mietwagenanbieter erkennt man laut Frieder Bechtel zum einen an einem guten Versicherungsschutz. So sollte ein Schutz ohne Selbstbeteiligung oder mit Erstattung der Selbstbeteiligung wählbar sein. „Des Weiteren sollte ein seriöser Mietwagenanbieter eine Tankregelung anbieten, bei der man das Auto voll getankt übernimmt und auch voll getankt wieder zurückgibt. Diese Tankregelung empfehlen wir generell, denn so bezahlt man nur den Treibstoff, den man auch verbraucht hat.“

Ein weiterer wichtiger Punkt, der Hinweise auf die Qualität eines Mietwagenanbieters geben kann: die Bewertung durch Kunden. Je mehr positive Bewertungen, umso besser der Anbieter. Und noch einen Tipp hat Frieder Bechtel: „Bei bekannten internationalen Marken wie Avis, Europcar, Hertz, Enterprise oder Alamo läuft man vor Ort viel weniger Gefahr, noch unnötige Versicherungen aufgeschwatzt zu bekommen als etwa bei kleineren Anbietern wie Goldcar oder Records.“ Von den beiden letztgenannten in Spanien ansässigen Unternehmen rät Bechtel aufgrund einer erhöhten Beschwerderate generell ab.

Mietwagen Tipps
Am Flughafen Palma de Mallorca gibt es viele Mietwagen-Anbieter – nicht alle davon sind zu empfehlenFoto: dpa picture Alliance

Welche Versicherungen brauche ich beim Mietwagen wirklich?

Auch bei den Versicherungen für einen Mietwagen gibt es viele Optionen. Bechtel hat folgende Tipps: „Wir empfehlen auf jeden Fall, die Selbstbeteiligung zu versichern, also den Anteil, den der Mieter zahlen muss, wenn er einen Schaden verursacht“, sagt Bechtel. „Die Selbstbeteiligung bewegt sich meist zwischen 1000 und 2000 Euro. Da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ich buche den Wagen direkt online ohne Selbstbeteiligung, das kostet ein paar Euro pro Tag mehr und ist viel günstiger, als wenn ich das erst am Schalter buche, dort zahlt man zwischen 16 und 20 Euro extra.“

Wem dieser Aufpreis zu teuer sei, der könne auch die Option „Erstattung der Selbstbeteiligung“ wählen. „Hier muss ich im unwahrscheinlichen Schadenfall in Vorleistung gehen, dann wird die Selbstbeteiligung von meiner Kreditkarte abgebucht. Zurück in Deutschland kann man sich diesen Betrag dann beim deutschen Anbieter, über den man gebucht hat, zurückerstatten lassen.“

Ebenfalls empfehlenswert ist laut Bechtel der Glas- und Reifenschutz, denn dieser koste nur 50 Cent bis 2 Euro am Tag extra und bewahrt womöglich am Ende des Urlaubs vor unnötigen Diskussionen mit dem Vermieter. Generell empfiehlt Bechtel, den Versicherungsschutz bereits online dazuzubuchen, weil es am Schalter grundsätzlich teurer sei. Die spezielle „Mallorca Police“, eine Art Haftpflichtversicherung für Schäden an fremden Autos oder Eigentum, kann man übrigens getrost beiseite lassen, sagt der Experte. „Durch die EU-Gesetzgebung sind in Spanien schon mindestens 7 Millionen Euro Schutz vorgeschrieben, das hat jeder Mietwagen.“

Mietwagen-Anbieter vor Ort will zusätzliche Versicherung aufschwatzen – Tipps, wie man sich verhält

Unsere TRAVELBOOK-Redakteurin hat es auf Mallorca selbst schon erlebt: Man will den Mietwagen abholen, für den man bereits vorab online eine Vollkasko-Versicherung abgeschlossen hat, und plötzlich heißt es, man brauche noch eine weitere Versicherung. Wenn man diese nicht abschließe, bekomme man das Fahrzeug nicht ausgehändigt. Viele lassen sich darauf ein, um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen – doch hier müsse man unbedingt hartnäckig bleiben, rät Frieder Bechtel. „Wir empfehlen immer, die Unterlagen zum gebuchten Mietwagen während des Hinflugs nochmal genau durchzulesen, sodass man weiß, welche Versicherungen man gebucht hat und ob man damit zufrieden ist.“ Dann sei es wichtig, mit einer entsprechenden Haltung an den Schalter heranzutreten und den Mitarbeitern klarzumachen, dass man alle Versicherungen habe, keine weitere brauche und sich aller Risiken bewusst sei.

Wenn der Vermieter aber ein Erpressungsszenario versuche und die Aushändigung des Schlüssels verweigere, solle man sich wie folgt verhalten: „Dann bittet man den Mitarbeiter am Schalter, das schriftlich auf dem Voucher zu notieren, in englischer Sprache, also die Aussage, dass er den Schlüssel nur aushändigt, wenn ich eine Versicherung abschließe. Mit Name und Unterschrift. Die Chancen stehen dann gut, dass man in Deutschland beim Anbieter, über den man gebucht hat, das Ganze reklamieren kann und das Geld für die zusätzliche Versicherung zurückbekommt.“

Was tun, wenn mein gebuchtes Fahrzeug nicht verfügbar ist?

„Bei einer Vorausbuchung, die mit einem Reisegutschein garantiert ist, habe ich ein Recht auf die gebuchte Fahrzeugkategorie, also nicht auf das abgebildete Foto“, sagt Frieder Bechtel. „Der Wagen muss aber von der Größe und Beschaffenheit, also ob Kombi, Cabrio, SUV, Neunsitzer etc., so sein, wie gebucht. Wenn es seitens des Vermieters heißt, das Fahrzeug ist nicht da, dann liegt es in seiner Verantwortung, ein solches Fahrzeug zu beschaffen.“ Das könne auch heißen, dass man als Mieter zum Nachbaranbieter geht und sich dort spontan einen Wagen mietet, womöglich dann zum zehnfachen Preis, und sich diesen dann erstatten lässt. „So eine Buchung mit Voucher ist verbindlich und man sollte darauf bestehen und sich nicht abspeisen lassen.“

Warum sind Mietwagen zurzeit so teuer?

Wer jetzt spontan nach Mallorca oder auf die Kanaren fliegt, wird zwar sicherlich noch einen Mietwagen finden, sagt Mietwagen-Experte Frieder Bechtel. „Fahrzeuge in bestimmten Kategorien, z. B. Kombi, Neunsitzer oder Cabrios, sind für die Hauptreisezeit aber bereits ausgebucht. Das Problem bei allen aktuellen Angeboten: der hohe Mietpreis im Vergleich zu den Jahren vor der Corona-Pandemie. „Wir haben Anfang der Reisezeit diese bis zu zehnfache Preise im Vergleich zum Vorjahr gehabt, jetzt sind wir noch beim doppelten bis dreifachen. Das liegt daran, dass die Autovermieter eine deutlich geringe Flottenkapazität haben. Sie mussten Autos verkaufen, weil sie sonst durch Corona Pleite gegangen wären.“

Mit der Öffnung für den Tourismus sei die Nachfrage nach Mietwagen plötzlich rasant angestiegen, weshalb sich die Preise ebenfalls erhöht hätten. Zudem gebe es zurzeit Lieferengpässe für bestellte Neuwagen, sodass das Angebot immer noch deutlich kleiner als die Nachfrage sei. „Das ist für die Verbraucher sicherlich ärgerlich, aber am Ende vielleicht doch nachvollziehbar, weil viele Firmen sonst einfach Pleite gegangen wären“, sagt Bechtel.