26. August 2026, 17:02 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Vor allem aus Italien werden häufig Betrugsfälle mit dem sogenannten „Spiegeltrick“ gemeldet. Was sich hinter der Betrugsmasche verbirgt, warum es jeden treffen könnte und wie man sich schützt – TRAVELBOOK hat alle Infos.
An beliebten Reisezielen in Italien, aber mittlerweile auch in anderen Ländern Europas sollten Autofahrer vermehrt Vorsicht walten lassen: Denn es kommt weiterhin zu Betrugsversuchen durch den sogenannten „Spiegeltrick“, mit dem Betrüger ahnungslosen Autofahrern Bargeld abknöpfen wollen.
Laut ÖAMTC, dem österreichischen Pendant zum ADAC, werfen die Trickbetrüger beim Vorbeifahren einen Gegenstand gegen das Auto ihrer Opfer, z. B. einen Stein, um einen Knall zu erzeugen. Daraufhin verfolgen die Täter das Auto der Urlauber, überholen es und versuchen, den Fahrer zum Anhalten zu zwingen. Haben sie damit Erfolg, geht meist alles ganz schnell und die Betrüger verlangen Bargeld für einen angeblich entstandenen Schaden.
Immer mehr Opfer vom „Spiegeltrick“
Ein Urlauber aus Österreich musste dies kürzlich am eigenen Leib erfahren – und postete seinen Fall bei Facebook, um andere zu warnen. Wie das österreichische Online-Nachrichtenportal „5min.at“ schreibt, hatte der Urlauber Mitte Juni in Lignano an der italienischen Adriaküste mit seinem Wagen ein anderes Fahrzeug überholt, als er plötzlich einen Knall wahrnahm. Es habe sich so angehört, als wäre ein Stein aufgewirbelt worden und gegen sein Auto geprallt.
Dann habe er im Rückspiegel gesehen, wie der andere Fahrer plötzlich wild gestikulierte und auch mehrfach aufblendete. „Ich bin dann rechts rangefahren, weil ich ja auch nicht Fahrerflucht begehen wollte“, teilt er laut „5min.at“ weiter mit. Der fremde Fahrer soll sein Fahrzeug nicht verlassen haben und dann die Behauptung aufgestellt haben, „ich hätte seinen Spiegel, der offensichtlich präpariert und leicht beschädigt war, touchiert und wollte mich nötigen, vom Straßenrand weg, auf einen nahen Parkplatz zuzufahren.“ Da der Österreicher den Spiegeltrick glücklicherweise aus dem Internet kannte, weigerte er sich, drohte mit der Polizei und fuhr schnell weiter.
Andere kamen nicht so glimpflich davon. Im Sommer 2024 fiel ein ebenfalls aus Österreich stammendes Urlauberpaar auf den Trickbetrug herein und händigte einem Betrüger direkt vor Ort 560 Euro Bargeld zur Begleichung eines vermeintlich entstandenen Schadens an dessen Wagen aus.
Wie Sie sich vor dem Spiegeltrick schützen
Laut Reiserechtsexperte Jan Bartholl sind die Tricks krimineller Betrüger zwar vielschichtig, das dahinterliegende System jedoch immer gleich. „Die Betrüger nutzen einen Schockmoment aus und setzen ihre Opfer unter zeitlichen Druck, um sie zu unüberlegten Handlungen zu drängen“, bestätigte Bartholl auf Anfrage von TRAVELBOOK. Er rät dazu, bei jedem (vermeintlichen) Unfall im Ausland Ruhe zu bewahren. Zudem sollten Betroffene die Polizei informieren und sich bis zu deren Eintreffen in keinerlei Gespräch verwickeln lassen – und weder Bargeld noch Wertgegenstände an Dritte vor Ort übergeben.
Auch der ÖAMTC rät zu diesem Vorgehen – denn meist ergreifen die Täter von selbst die Flucht, sobald mit dem Hinzuziehen der Polizei gedroht wird. Noch einfacher: Die Fahrt einfach ohne Unterbrechung fortsetzen und sich nicht beirren lassen, sofern keine Auffälligkeiten am eigenen Wagen zu bemerken sind.