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Nachgefragt bei Reiseveranstaltern

Lockdown verlängert! Was heißt das für Urlaub an Ostern?

Osterurlaub, Usedom, Strandkorb
Ist Osterurlaub in diesem Jahr möglich? Die Chancen werden immer kleiner.Foto: Getty Images

Viele von uns träumen bereits von der nächsten Reise und manch einer hofft sogar auf Urlaub an Ostern. Doch nach den gestrigen Beschlüssen der Bundesregierung, die den Lockdown bis zum 28. März verlängert hat, fragen sich nun viele: Wie wahrscheinlich ist es, dass wir an Ostern auch mal am Strand spazieren gehen und etwas anderes als die immer gleichen vier Wände angucken? TRAVELBOOK hat mit Experten gesprochen.

Bund und Länder haben am Mittwochabend den Lockdown bis zum 28. März verlängert. Dabei soll es zwar ab dem 8. März deutliche Öffnungsschritte geben und einen Stufenplan, der Öffnungen schon bei einer Inzidenz von 50 und sogar 100 vorsieht. Der Stufenplan, der bis zum 4. April, dem Ostersonntag und damit mitten im erhofften Osterurlaub 2021, geplant ist, sieht allerdings nur die Öffnung in verschiedenen Bereichen von Einzelhandel, Museen, Sport bis hin zur Außengastronomie vor. Für Tourismusunternehmen wie Hotels oder Ferienhäuser wurden bislang keine Öffnungsperspektiven verkündet.

Stattdessen hieß es in einer Pressekonferenz, dass die Reisebeschränkungen bleiben würden. Das gelte auch in Hinblick auf Ostern. Schon im Februar hatten sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach gegen Urlaub an Ostern ausgesprochen. Lauterbach appellierte, man solle die Osterwochen nutzen, um mit möglichst geringen Kontakten die noch immer drohende dritte Welle mit den gefährlichen Mutationen abzuwenden. Fällt der Osterurlaub 2021 also ins Wasser?

Kritik von Reisevertretern zu verlängertem Lockdown

Der Deutsche Reiseverband (DRV) kritisierte bereits die Corona-Beschlüsse. „Die Bundesregierung ignoriert ganz offensichtlich vorliegende Fakten mit Blick auf die geringe Infektionsgefahr im Tourismus.“, sagte der DRV-Präsident Norbert Fiebig in einem Statement, das TRAVELBOOK vorliegt. Seine Forderung: „Die Politik muss jetzt dafür sorgen, dass wir perspektivisch unser Geschäft wieder aufnehmen können.“ Ohne eine Strategie für einen Restart fürchte er, dass noch mehr Unternehmen in der Reisewirtschaft aufgeben müssen.

Kritik kommt auch vom Deutschen Ferienhausverband. „Reisen werden zunehmend zum Sündenbock der Pandemie deklariert“, sagt Michelle Schwefel, Geschäftsstellenleiterin des Deutschen Ferienhausverbands. „Sicherlich ist es oberstes Gebot, die Entwicklung der Pandemie im Blick zu behalten, aber eine ganze Branche zu opfern, kann nicht im Sinne der Politik sein.“ Zudem werde mit zweierlei Maß gemessen. Denn während sich Ferienhausanbieter in Deutschland seit November 2020 im Lockdown befinden, sind Reisen ins Ausland unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) äußerte, dass man die Entscheidung mit großer Enttäuschung und Kritik aufgenommen habe. „Es ist für unsere von der Krise besonders hart getroffene Branche nicht nur unbefriedigend, sondern unverständlich und inakzeptabel, dass die von uns geforderte Öffnungsstrategie für die Gesamtbranche wieder nicht vorgelegt wurde“, erklärte Guido Zöllick, Präsident des DEHOGA Bundesverband.

Wohin können die Deutschen zu Ostern fahren?

Ob und wohin Reisen möglich sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab, besonders aber den Reiseregeln Deutschlands, den Einreiseregelungen der Urlaubsländer und der Situation vor Ort. Rechtsreferent Robert Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg sagte gegenüber TRAVELBOOK: „Am besten bleibt man bei seinem bevorzugten Land auf dem neusten Stand und schaut, was dort aktuell geplant wird.“

Wichtig werden hier besonders die Einreiseerlaubnis für Touristen und die entsprechenden Voraussetzungen wie Quarantäne, Testpflicht oder Impfnachweis. Wichtig für die Planung ist auch zu wissen, was passiert, wenn man wieder zurück nach Deutschland kommt. Aktuell gilt für Reiserückkehrer aus Risikogebieten eine Quarantänepflicht von zehn Tagen, aus der man sich unter Umständen nach fünf Tagen „freitesten“ lassen kann, Näheres regeln die Bundesländer (hier die Übersicht). Reiserückkehrer müssen sich außerdem digital anmelden und sich auf Corona testen lassen. Für Hochinzidenz- und Virusvariantengebiete gelten mitunter striktere Regeln (TRAVELBOOK berichtete). Aktuell gelten nur wenige Gebiete weltweit als Nicht-Coronagebiete. Das Robert-Koch-Institut aktualisiert die geltende Liste der Risikogebiete regelmäßig.

Davon ausgehend, welche Länder aktuell keine Risiko-, Hochinzidenz- oder Virusvariantengebiete sind und Reiserückkehrer damit quarantänefrei bleiben, ist die Liste kurz. Hinzu kommt, dass viele von ihnen wegen der Coronazahlen hierzulande keine Deutschen ins Land lassen oder nach der Einreise in Quarantäne schicken. Wo Sie aktuell hinreisen können, können Sie auch auf dieser Weltkarte nachvollziehen.

Welchen Einfluss haben die Corona-Impfungen?

Ein paar Länder, beispielsweise Island oder die Seychellen, wagen bereits den Vorstoß in Sachen Reisefreiheit, indem sie alle diejenigen quarantänefrei einreisen lassen, die bereits vollständige Corona-Impfungen vorweisen können. Laut Bartel werden die Impfungen für den Osterurlaub 2021 jedoch „noch keinen großen Einfluss auf die Reisemöglichkeiten haben, weil bis dahin noch nicht so viele Deutsche geimpft sein werden.“

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Kann ich jetzt schon Reisen buchen?

Wer zu Ostern verreisen wolle, könne jetzt buchen, rät DRV-Sprecherin Heinen. Die Experten sind sich einig, dass Reisende bei der Buchung auf größtmögliche Sicherheit achten sollten. Bartel empfiehlt: „Reisende sollten darauf achten, dass sie kostengünstig umbuchen und stornieren können. Dazu sollten sie auch versuchen, mit den Betreibern von Ferienwohnungen oder Hotels zu sprechen und entsprechende Vereinbarungen zu treffen.“

Heinen setzt auf Pauschalreisen und Beratungen im Reisebüro. Hier werde den Kunden die größte Sicherheit geboten, wenn etwas Unvorhergesehenes passiere. „Ob man nun zu Ostern reist, muss aber jeder für sich entscheiden. Das hängt auch von den persönlichen Umständen ab“, sagt sie.

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Hoffnung auf Urlaub an Pfingsten?

Und nun die Gretchenfrage: Ist es okay, wenn ich zu Ostern verreise? Denn auch wenn es möglich ist, ist die Corona-Situation wie sie ist. Wenn sie sich auch in Deutschland aktuell verbessert, sehen wir an anderen Ländern, wie schnell aus einer vorbildlichen eine Horror-Situation werden kann. Rechtsreferent Robert Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg sagte im TRAVELBOOK-Interview: „Wir sollten nicht vergessen, dass wir angehalten sind, nicht zu reisen. Denn es ist auch eine Frage, welche Folgen das Reisen zu Ostern haben wird.“

TRAVELBOOK hat dazu bereits im Februar mit dem Virologen Prof. Dr. Jassoy vom Universitätsklinikum Leipzig gesprochen, der sagte: „Die sichere Zeit wird an Ostern noch nicht gekommen sein und man sollte da mit dem Reisen noch vorsichtig sein. Ich denke, es wäre wirklich gut, sich da jetzt noch zurückzuhalten.“ Jassoy rät allen, die ihren Urlaub auf Ende April oder Mai verschieben können, das zu tun. Ohnehin müsse man sehen, was zu diesem Zeitpunkt bereits möglich sei. Generell hält der Virologe Reisen mit den dann geltenden Hygienekonzepten für möglich.

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Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, sagte schon vor einigen Wochen in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters: „Ich glaube, dass eher über Pfingsten mehr Offenheit besteht.“

Die Ministerpräsidenten wollen sich mit der Kanzlerin am 22. März erneut zusammensetzen, um dann über die Regeln an Ostern zu sprechen. Dann solle auch über Bereiche gesprochen werden, die keine Öffnungsperspektive erhielten.

Mit Material von Reuters

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