Familie in Irland ausspioniert

Wie Sie sich vor versteckten Kameras in der Ferienunterkunft schützen

Versteckte Kamera
Gerade Frauen sind oft Opfer von Aufnahmen durch versteckte Kameras
Foto: Getty Images

Ist man schon paranoid, wenn man bei Ankunft in einem Hotelzimmer oder einem Airbnb erstmal Spiegel und Rauchmelder nach versteckten Kameras absucht, bevor man die Koffer auspackt? Keineswegs, denn: Überall auf der Welt häufen sich die Fälle, in denen Hotels und Ferienwohnungen wegen verdeckter Aufnahmegeräte angezeigt werden. TRAVELBOOK erklärt, wie man sich schützen kann.

Im Frühjahr 2019 wollte eine neuseeländische Familie im Irlandurlaub gerade ihre Koffer auspacken. Sie hatte sich in ein Airbnb in Cork eingemietet. Der Vater der Familie, der in der IT-Sicherheitsbranche arbeitet, führte gewohnheitsmäßig einen WLAN-Scan durch, um die vorhandenen Geräte in der Wohnung zu prüfen: Dabei fand er eine aktive Kamera mit Livestream. Sofort machte sich die Familie auf die Suche nach der Kamera und entdeckte die Linse an der Decke des Wohnzimmers – getarnt als Rauchmelder!

Wie „CNN“ berichtet, meldete die Familie den Vorfall sofort Airbnb, wo die Angelegenheit zunächst nicht ernst genommen wurde. Erst nach einem Facebook-Post der Familie und mehreren Zeitungsberichten wurde der Anbieter der Wohnung von der Seite verbannt. In einem Statement an „CNN“ ließ Airbnb verlauten: „Unsere ersten Maßnahmen in diesem Fall erfüllen nicht die hohen Standards, die wir an uns selbst haben. Wir haben uns bei der Familie entschuldigt und das Geld für die Unterkunft komplett zurückerstattet.“

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Die Fälle häufen sich

Wie „Spiegel Online“ berichtet, wurden zur gleichen Zeit zwei Männer in Südkorea festgenommen, weil sie in 42 Hotelzimmern getarnte Kameras installiert hatten, 1.600 Gäste gefilmt und die so entstandenen Videos online geteilt und damit Geld verdient hatten. Am 26. März 2019 berichtete die Polizei vom australischen Bundesstaat New South Wales, dass in Sydney ein Tourist festgenommen worden sei, weil er in einem Hostel seine Zimmergenossin und andere Frauen mit einer versteckten Kamera in seinem Kulturbeutel beim Duschen gefilmt habe. 2018 entdeckte ein Pärchen laut dem „Independent“ beim Kanadaurlaub in Toronto eine versteckte Kamera in einem Digitalwecker neben dem Bett seines Airbnbs. 2016 bemerkte eine deutsche Touristin in ihrem Airbnb in Kalifornien eine verborgene Kamera in einem Regal.

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Und wie sieht es in Deutschland aus? Airbnb-Deutschland-Sprecherin Isabelle von Clot geht von seltenen Ausnahmen aus und sagt, dass ihr kein Fall in Deutschland bekannt sei: „Wir haben strenge Standards für Überwachungsgeräte in den Angeboten auf Airbnb und nehmen Berichte über Verstöße sehr ernst. Es gab bisher mehr als eine halbe Milliarde Gästeankünfte auf Airbnb und negative Vorfälle sind sehr selten”, sagt sie TRAVELBOOK. Dass solche Vorfälle auch in Deutschland vorkommen, möchte sie aber nicht ausschließen. Auch der Hotelverband Deutschland sagt TRAVELBOOK: „Uns sind bis dato keinerlei Vorkommnisse mit versteckten Kameras in deutschen Hotelzimmern bekannt. Im Falle einer solchen Cyberattacke empfehlen wir Hoteliers wie möglicherweise betroffenen Gästen, unverzüglich die Polizei zu informieren.“

„Kameras sind oft kaum so groß wie eine Stecknadel“

„Die Hotelindustrie und auch andere Anbieter wie Airbnb tun fast gar nichts gegen dieses Problem“, meint dagegen Hotelsicherheitsexperte Ulrich Jander. Jander berät sowohl große Hotelketten, als auch kleinere, privat geführte Hotels in Deutschland. „Das Problem ist, das wirklich jeder diese sogenannten Spy-Kameras legal erwerben und dann installieren kann. Sie sind oft kaum so groß wie eine Stecknadel. In einem Hotelzimmer kann sowohl ein Hotelmitarbeiter die Installation vornehmen, als auch eine Person, die sich extra zu diesem Zweck ein Zimmer gebucht hat. Regelmäßige Kontrollen finden selten oder nie statt“, sagt er TRAVELBOOK.

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Jander selbst rät seinen Kunden dazu, bei der Einrichtung der Zimmer so gut wie keine Möglichkeiten für Verstecke zu geben und die Zimmer regelmäßig zu überprüfen. Besonders gefährdet sind dem Sicherheitsexperten zufolge unabhängige, kleine Hotels in alten Gebäuden, wo es viele Ecken und Zwischendecken und altes Mobiliar gibt, in denen man Kameras verstecken kann.

Airbnbs sind dagegen nochmal eine ganz andere Gelegenheit. Während es für Hotels nämlich ein offizielles Verbot gibt, Kameras in Zimmern zu installieren, so gibt es keinerlei solcher Vorschriften für privat vermietete Unterkünfte.

Mit UV-Lampe und Videoscanner sein Zimmer abgehen

Jander hat einige Tipps, wie man selbst schnell Spy-Cams in der Unterkunft erkennen kann. Als erstes sollte man immer einen Rundgang durch die Unterkunft machen und insbesondere in den Blickwinkeln auf Betten und Dusche nach auffälligen Objekten suchen. Das kann der zusätzliche Rauchmelder sein, wie im Fall der neuseeländischen Familie in Irland, oder der Wecker, aber auch eine Kamera zwischen zwei Büchern im Regal.

Zusätzlich kann man bei vielen Routern am Laptop überprüfen, welche Geräte ans WLAN angeschlossen sind, sobald man selbst eingeloggt ist. Das geht jedoch nicht bei allen Routern ohne ein zusätzliches Passwort. Wer besonders sicher gehen möchte, sollte sich eine kostenlose App aufs Handy laden, die speziell für die Erkennung von versteckten Kameras programmiert wurde. Eine davon ist zum Beispiel die App Hidden Camera Detector, die sowohl Infrarotstrahlung als auch magnetische Aktivität im Raum untersucht. Sie erkennt außerdem auch verborgene Mikrophone.

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Auch ein Videoscanner, der das Zimmer abscannt, oder eine spezielle Lampe, um den Linsenkopf der Kamera sichtbar zu machen, eignen sich laut Jander. „Dafür muss der Raum abgedunkelt sein, um die Spiegelung der manchmal sehr kleinen Kameras zu erkennen.“

Airbnb-Sprecherin von Clot rät außerdem, sich bei Buchungen von Airbnbs die Hausregeln genau durchzulesen, bevor man ihnen zustimmt:„Wenn ein Gastgeber beim Erstellen oder Bearbeiten eines Angebots auswählt, dass er ein Aufnahmegerät in seinem Haus hat, werden diese Informationen automatisch in die Hausregeln aufgenommen, die ein Gast sieht – und die er vor der Buchung der Unterkunft ausdrücklich bestätigen und akzeptieren muss.“