Traumhafte Pools, makellose Strände und luxuriös wirkende Zimmer beeinflussen maßgeblich die Entscheidung vieler Urlauber bei der Online-Buchung ihrer Reise. Doch hinter manchen Bildern von Hotels könnte mehr stecken als geschickte Fotografie. Eine aktuelle Analyse zeigt, wie häufig KI bei Unterkunftsfotos offenbar bereits zum Einsatz kommt – mit möglichen Folgen für Reisende.
Analyse von Tausenden Hotelfotos
Rund jedes fünfte Bild von Unterkünften auf Reiseplattformen weist Hinweise auf eine KI-Generierung oder eine nachträgliche Bearbeitung mit künstlicher Intelligenz auf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von ABCD Agency und ContentGuard.me, wie auch BILD berichtet.
Für die Auswertung wurden 4778 Fotos analysiert. Die Grundlage bildete eine Stichprobe von insgesamt 25.550 Hotelbildern aus jeweils 100 zufällig ausgewählten Hotels auf Kreta, Mallorca, Sizilien, Usedom und in Alanya sowie in Berlin und Hamburg.
Kreta mit den meisten auffälligen Hotelbildern
Unter den Reisezielen lag Kreta bei den KI-Verdachtsfällen an der Spitze. Dort zeigten 23 Prozent der Fotos von Hotels Anzeichen für den Einsatz künstlicher Intelligenz. Von 4139 untersuchten Bildern wurden 960 als verdächtig eingestuft.
Auf Mallorca fiel der Anteil deutlich geringer aus. Dort war etwa jedes elfte Foto oder 9 Prozent der Bilder auffällig. In Alanya lag die Quote bei 13 Prozent, auf Usedom bei 12 Prozent und auf Sizilien bei 11 Prozent.
Die höchsten Werte insgesamt verzeichneten allerdings Hamburg mit 36 Prozent und Berlin mit 27 Prozent. Nach Einschätzung der Experten könnte dies damit zusammenhängen, dass Stadthotels häufiger KI-generierte Darstellungen bekannter Wahrzeichen wie des Hamburger Michels oder des Berliner Fernsehturms verwenden.
Nach Ansicht der Experten besteht das zentrale Problem darin, dass durch KI-Optimierungen Zimmer hochwertiger erscheinen können, als sie tatsächlich sind. Auch Strände könnten näher wirken, Pools größer und das Meer intensiver blau dargestellt werden.
Die Folge: Urlauber erleben vor Ort möglicherweise Enttäuschungen, verlangen Rückerstattungen oder entscheiden sich für andere Anbieter.
„Hotelfotos wurden zwar bereits in der Vergangenheit mit klassischer Bildbearbeitung optimiert. Die Bildbearbeitung mit KI hebt diese Optimierung aber auf ein neues Level“, sagt Jens Kramosch, Deepfake-Experte und Gründer von ContentGuard.me.
Er mahnt: „Reisende sollten genauer hinschauen.“ Außerdem müssten Bearbeitungen auf den Plattformen in Zukunft transparent gekennzeichnet werden.
EU-Verordnung soll Kennzeichnungspflicht bringen
Mit dem „EU AI Act“ soll der Umgang mit KI-generierten oder stark KI-bearbeiteten Bildern innerhalb der Europäischen Union künftig verbindlich geregelt werden.
Ab dem 2. August 2026 muss man entsprechende Bilder auf Buchungsplattformen kennzeichnen. Die Vorgaben gelten dabei auch für kleinere Hotels.
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