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Global Peace Index 2026 – das sind die (un)friedlichsten Länder der Erde

Weltkarte zum Global Peace Index 2026
Die Karte des Global Peace Indexes 2026 zeigt, wie friedlich und unfriedlich die einzelnen Länder aktuell sind Foto: Screenshot: Institute for Economics and Peace
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Anna Wengel
Freie Autorin

10. Juni 2026, 17:26 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Einmal im Jahr bildet der Global Peace Index den Frieden in der Welt ab. Der wird vom Institute for Economics and Peace (IEP) erstellt und bewertet 163 Länder nach zahlreichen Kriterien. Wie schon der GPI der letzten beiden Jahre, zeigt auch das 2026er-Ranking deutliche Verschlechterungen des Friedens in der Welt. TRAVELBOOK fasst die wichtigsten Ergebnisse in diesem Überblick zusammen.

Wie geht es der Welt? Wo ist es friedlich, wo kriselt es und wo gibt es militärische Konflikte und Krieg? Schon im letzten Jahr stellten wir diese Fragen an dieser Stelle, damals noch überrascht vom gerade erst neu aufgeflammten Krieg zwischen Israel und Iran. Heute sind die verschiedenen Kriege in Nahost, in der Ukraine, im Sudan sowie die vielen weiteren Kampfhandlungen fast Teil des neuen Alltags geworden. Das zeigt auch der Global Peace Index 2026, den das Institute for Economics and Peace in diesem Jahr zum 20. Mal herausgibt. Dieser gibt einen Überblick über den Zustand der Welt im letzten Jahr – der sich 2025 im Vergleich zum Vorjahr einmal mehr verschlechtert hat.

TRAVELBOOK gibt einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse des Global Peace Index‘ und zeigt die aktuell friedvollsten und -losesten Länder der Welt.

Wie wird die Friedfertigkeit eines Landes gemessen?

Der GPI wird auf Grundlage dreier großer Bereiche erstellt: Andauernde nationale und internationale Konflikte, das Level der gesellschaftlichen Sicherheit und des Schutzes sowie der Grad der Militarisierung. Diese drei ergeben sich aus insgesamt 23 qualitativen und quantitativen Indikatoren. Pro Indikator gibt es eine Punktzahl. Alle Punkte zusammen ergeben die Gesamtpunktzahl eines Landes. Je niedriger diese ist, desto friedfertiger wird das jeweilige Land eingestuft und desto höher ist seine Position im Ranking.

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Negative Entwicklungen

„Der Global Peace Index (GPI) 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass sich der seit langem anhaltende Trend zur Verschlechterung der Friedenslage weltweit fortgesetzt hat“, heißt es in dem diesjährigen Bericht. Der Friedensindex hat sich demnach erneut, in diesem Jahr um 0,7 Prozent verschlechtert. Diese Verschlechterung ist die zwölfte in Folge und die 15. in den letzten 18 Jahren.

Von den acht Weltregionen hat sich die Lage laut GPI in sieben verschlechtert. Nur Osteuropa und Zentralasien sind demnach ein bisschen friedlicher geworden – und das „trotz des anhaltenden Konflikts zwischen der Ukraine und Russland“. 99 der erfassten 163 Länder sind laut dem Index aktuell weniger friedlich als im Vorjahr (damals 87). In 119 Ländern ist die Lage schlechter als im Jahr 2008.

Weltweite Konflikte mit vielen Toten

Der Hauptgrund für den anhaltenden Negativtrend sind laut GPI bewaffnete Konflikte. Derzeit gibt es demnach „mehr aktive zwischenstaatliche Konflikte als jemals zuvor seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs“. Seit 2008 hat sich die Zahl der Länder, die in externe Konflikte verwickelt seien, fast verdoppelt, mit 103 in 2025 und 59 in 2008.

Innerhalb der 23 Indikatoren, nach denen der Frieden in der Welt ermittelt wird, gab es 14 Verschlechterungen, acht verbesserten sich und einer blieb unverändert. Den stärksten Einbruch seit Beginn des Index zeigte 2025 der Indikator für Todesfälle aufgrund interner Konflikte. Dieser verschlechterte sich um 6,5 Prozent, mit 56 Ländern, in denen die Zahl der Toten anstieg. Weltweit sind infolge von Kriegen und bewaffneten Konflikten demnach mehr als 181.000 Menschen gestorben, vor allem in der Ukraine und im Sudan. Laut den GPI-Autoren gab es im vergangenen Jahr „die zweithöchste Zahl an Todesopfern durch Konflikte seit Einführung des Index vor fast zwei Jahrzehnten“. Nur 2023 gab es mehr Kriegs-Tote. Weltweit haben sich die Todesfälle durch interne Konflikte seit 2008 mehr als versechsfacht.

20 Länder verzeichneten 2025 mehr als 1000 Todesopfer durch interne Konflikte. Weitere 18 Länder hatten mehr als hundert Todesopfer zu beklagen. Zugleich weisen die Autoren darauf hin, dass die Auswirkungen des diesjährigen Irankriegs nur teilweise berücksichtigt worden seien, viele der Indikatoren sind demnach auf 2025 begrenzt.

Der zweite Indikator, der sich massiv verschlechtert hat, sind die Beziehungen zu den Nachbarländern. 97 Länder erhöhten darüber hinaus ihre Verteidigungsausgaben, nur 44 verringerten sie. Der Indikator Militärausgaben verschlechtert sich damit zum dritten Mal in Folge. 2025 waren zudem weltweit 117 Millionen Menschen auf der Flucht, das ist einer von 67 Menschen.

Welt im Wandel

Die Experten sehen die Welt heute in einem „fragileren und militarisierteren Zustand (…) als jemals zuvor seit Bestehen des Index.“ Grund dafür seien vorrangig der Bürgerkrieg im Sudan, der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sowie „der kurze, aber folgenschwere Zwölf-Tage-Krieg zwischen Israel, den Vereinigten Staaten und dem Iran.“

Der Anstieg der Konflikte ist laut GPI „Teil eines umfassenderen strukturellen Wandels des internationalen Systems“, die sogenannte „große Fragmentierung“. Diese habe bereits Ende der 2000er Jahre begonnen und sei „die dritte große Phase in den geopolitischen Beziehungen der letzten 50 Jahre, nach dem Kalten Krieg und der Ära der raschen Globalisierung nach 1990.“ Seit 1991 habe sich die Zahl der Mittelmächte von neun auf 16 fast verdoppelt, die Zahl der aufstrebenden Mächte sogar verdreifacht. „Die kombinierte materielle Kapazität der Mittelmächte übersteigt nun die der Großmächte“, erklärt der Bericht. Gleichzeitig sei der Anteil der großen europäischen Großmächte am globalen BIP stark gesunken, mit Deutschland bei 4,3 statt 8,5 Prozent, Frankreich 2,9 statt 5,2 Prozent und Italien bei aktuell 2,2 statt 3,8 Prozent.

Positive Entwicklungen

Während die anhaltenden Konflikte auf einem Allzeit-Tief rangieren, gab es laut dem GPI sogar leichte Verbesserungen in den Bereichen „Sicherheit“ und „Militarisierung“. Letzteres führt der GPI vor allem auf ein verstärktes Engagement für die UN-Friedensmission zurück. Dieser Indikator verzeichnete sogar die größte Verbesserung aller. Ein weiterer positiver Trend in diesem GPI: Die Zahl der Todesfälle durch Terrorismus ist auf den niedrigsten Stand seit 2008 gesunken.

Darüber hinaus ist die Lage immerhin in 62 der 163 untersuchten Länder friedlicher geworden (im Vorjahr 74). Allen voran in Polen: Das deutsche Nachbarland ist in der Rangliste 23 Plätze nach oben geklettert und steht jetzt auf Rang 22. Massiv verbessert haben sich laut dem Index auch Gabun (-17), Lesotho (+27), die Ukraine (+2) und die Türkei (+8).

Island ist und bleibt jedoch – mittlerweile das 19. Mal in Folge – das friedlichste Land der Welt. Es folgen in der Friedensrangliste: Neuseeland, die Schweiz, Slowenien und Irland. Die friedlichste Weltregion bleibt weiterhin West- und Mitteleuropa.

Die 20 friedlichsten Länder der Welt im Global Peace Index 2026*

  1. Island (=)
  2. Neuseeland (3)
  3. Schweiz (2)
  4. Slowenien (6)
  5. Irland (4)
  6. Österreich (5)
  7. Portugal (8)
  8. Singapur (7)
  9. Finnland (10)
  10. Japan (13)
  11. Dänemark (9)
  12. Malaysia (11)
  13. Tschechien (12)
  14. Kanada (15)
  15. Ungarn (14)
  16. Bhutan (18)
  17. Niederlande (=)
  18. Mauritius (29)
  19. Lettland (19)
  20. Australien (24)

*(in Klammern: Platzierung aus dem letzten Jahr)

Deutschland befindet sich im Global Peace Index 2026 auf dem 28. Platz. Damit ist das Land im Vergleich zum Vorjahr fünf Plätze abgefallen.

Russland bleibt unfriedlichstes Land der Welt

Die Aggressoren in den anhaltenden Konflikten kommen im Friedensindex wenig überraschend schlecht weg. So ist das unfriedlichste Land der Welt, wie schon im Jahr zuvor, Russland. Ebenfalls auf den unteren Plätzen des Friedensrankings stehen zudem Sudan, die Demokratische Republik Kongo, die Ukraine und Israel.

Auch die USA entfernen sich laut Bericht vom Frieden – ihr Indexwert sinkt um vier Prozent. Der Hauptgrund: die zunehmende politische Instabilität unter Präsident Donald Trump, die sich im GPI mit einer Verschlechterung von 38,5 Prozent zeigt. Auch die Zunahme gewalttätiger Demonstrationen in den Vereinigten Staaten führt zu dem schlechten 134. Platz im Friedensranking. Laut dem Global Peace Index hat die „politische Gewalt in den Vereinigten Staaten den höchsten Stand seit den 1970er Jahren erreicht“. 85 Prozent der Amerikaner glauben demnach, „dass politisch motivierte Gewalt zunimmt.“

Die unfriedlichste Region der Welt bleibt weiterhin der Raum Naher Osten und Nordafrika. Gleichzeitig hat sich die Lage in Südasien am meisten verschlechtert, was der GPI mit den Spannungen in Nepal und Pakistan erklärt. Nepal ist auch das Land mit der größten Verschlechterung insgesamt, gefolgt vom Tschad, der Republik Kongo, Pakistan und Tansania. Große Verschlechterungen zeigen darüber hinaus Südamerika sowie die gemeinsame Region Nord- und Zentralamerika.

Die 20 unfriedlichsten Länder der Welt im Global Peace Index 2025*

144. Iran (138)
145. Tschad (136)
146. Niger (145)
147. Nordkorea (147)
148. Palästina (150)
149. Burkina Faso (152)
150. Zentralafrikanische Republik (151)
151. Myanmar (153)
152. Pakistan (146)
153. Somalia (149)
154. Mali (154)
155. Syrien (155)
156. Jemen (158)
157. Afghanistan (157)
158. Südsudan (156)
159. Israel (160)
160. Ukraine (162)
161. Demokratische Republik Kongo (161)
162. Sudan (159)
163. Russland (163)

Konfliktcluster

Laut dem Global Peace Index werden Kriege zunehmend internationaler und lassen sich gleichzeitig schwerer beenden. Dadurch steige „das Risiko, dass sich Konflikte ausbreiten und ,Konfliktcluster‘ bilden.“ Weltweit gebe es „acht klar abgegrenzte Konfliktcluster, zu denen fast jedes einzelne Konfliktland gehört“.

Das prominenteste regionale Cluster sei das Horn von Afrika. Laut dem GPI sind bei Konfliktclustern neun Mechanismen am Werk, die dafür sorgen, dass sich ein Konflikt ausbreitet. Diese unterteilt er in drei Faktoren: materiell (grenzüberschreitende Bewegung von Menschen, Waffen und Geld), relational (grenzüberschreitende ethnische Verwandtschaftsbeziehungen, staatliche Unterstützung von außen, ideologische Netzwerke) und bedingend (staatliche Leistungsfähigkeit, bereits bestehende Konflikte). Alle Faktoren zeigten sich im Sudan, in Äthiopien, Eritrea, Somalia und im Südsudan. Verknüpft würden sie unter anderem durch Flüchtlingsströme, Goldschmuggelnetzwerke sowie die Konkurrenz an Häfen des Roten Meeres.

Künstliche Intelligenz und Frieden

Ein Aspekt, den der Global Peace Index in diesem Jahr zudem untersucht hat, war die Frage, wie künstliche Intelligenz Krieg und Friedensförderung beeinflusst. Denn: „Künstliche Intelligenz verändert sowohl den Frieden als auch Konflikte grundlegend“, sind die Autoren überzeugt. Schon jetzt sei KI-gestützte Kriegsführung im Einsatz, während KI-gestützte Initiativen für den Frieden „nach wie vor fragmentiert und unterfinanziert sind“, erklären sie. Und das ist in einer Zeit, in der „die Zahl der Konflikte weltweit Rekordhöhen erreicht“.

Laut dem GPI ist die Zahl registrierter Drohnenflüge zwischen 2018 und 2025 um das 115-fache gestiegen, mit 565 bewaffneten Gruppen, die mindestens einen Drohnenangriff flogen.

„Der zunehmende Einsatz von KI in der Kriegsführung weckt Bedenken hinsichtlich der Aushöhlung einer sinnvollen menschlichen Kontrolle bei tödlichen Entscheidungen“, warnt der GPI. Als Beispiel führt der Bericht die algorithmische Zielerfassung in Gaza an und die kurze manuelle Überprüfung der von KI generierten Ziele. Obwohl das System eine bekannte Fehlerquote von rund zehn Prozent hatte, wurden demnach etwa 37.000 Palästinenser als mögliche Kämpfer eingestuft. Die Folge: etliche zivile Opfer.

Ausblick

Laut dem GPI 2026 verstärken sich die Spannungsfelder des globalen geopolitischen Systems gegenseitig. Die Risiken seien heute höher als zur Zeit des Kalten Krieges – „angetrieben durch erhöhte Militärausgaben, die geschwächte Rolle multilateraler Institutionen, die Verdreifachung von Handelsbeschränkungen und den zunehmenden Wettbewerb zwischen Groß- und Mittelmächten.“

Der Global Peace Index prognostiziert, dass „der Kurs der globalen Friedlichkeit im kommenden Jahrzehnt weiter abnehmen“ wird, gibt es keine gezielten Investitionen in die Gegenrichtung.

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