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Italiener oder Amerikaner – wer erfand die Carbonara wirklich?

Carbonara – wer hat sie wirklich erfunden?
Wer hat die Carbonara nun wirklich erfunden? TRAVELBOOK beleuchtet den jüngsten Stand der Spurensuche. Foto: Getty Images
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Laura Pomer
Freie Autorin

24. Februar 2026, 17:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Sind Sie ein Fan der italienischen Küche? Vielleicht täuschen Sie sich! Denn immerhin melden bei immer mehr vermeintlichen Klassikern „Made in Italy“ seit einiger Zeit die USA Anspruch auf die Urheberschaft an. Das gilt auch für die Carbonara. Zuletzt hat ein vermeintliches Originalrezept, das von der gängigen Zubereitungsweise abweicht und demnach auf die US-Soldaten-Theorie zurückgehen soll, für Empörung gesorgt. Doch entschieden ist der Streit damit noch lange nicht. TRAVELBOOK beleuchtet die neuesten Entwicklungen im erbitterten Ringen um die wahre Herkunft der Carbonara.

Sie ist die erste weltweit, die als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt wurde, und sie erfreut sich gemeinhin überall auf der Welt großer Beliebtheit: die italienische Küche. Oder sollte man besser sagen: das, was wir dafür halten? Denn immer häufiger begegnet man der Ansicht, dass selbst vermeintliche Sinnbilder der „vera cucina italiana“ gar nicht wirklich Italiener erfunden haben.

Italienische Küchenklassiker, die womöglich keine sind

So soll etwa die Pizza Margherita – beziehungsweise generell „pizze rosse“, also Pizzen mit Tomatensauce als Basis – laut einigen Historikern ihren Ursprung in den USA haben. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Thesen ist Alberto Grandi – ausgerechnet ein Italiener! Mit seinen provokanten Deutungen zieht er regelmäßig den Unmut vieler Landsleute auf sich. Sein erklärtes Ziel: den aus seiner Sicht übersteigerten „Gastro-Nationalismus“ in Italien aufzuweichen. Damit meint er die teils extreme nationale Identifikation mit der eigenen Küche, die häufig mit einem strikten Festhalten an Traditionen und bestimmten Tabus einhergeht – etwa dem „Verbot“, nach 11 Uhr morgens Cappuccino zu trinken oder Parmesan mit Fischgerichten zu kombinieren.

Bereits vor rund zweieinhalb Jahren sorgte Grandi für Aufsehen, als er ein vermeintliches Originalrezept für Pasta Carbonara präsentierte. Dieses wich recht deutlich von der heute üblichen Zubereitung ab. Etwa sah es statt Pecorino Schweizer Käse vor, außerdem kommt Knoblauch hinein. Besonders brisant: Das Rezept soll im Zusammenhang mit der Alliierteninvasion durch US-Soldaten nach Italien gelangt sein. Streng genommen hieße das also, Amerikaner haben es erfunden.

Seit dieser Enthüllung dürften sich manche stolz auf ihre Nationalküche blickende Italiener widerwillig mit dieser Version der Geschichte arrangiert haben. Doch inzwischen mehren sich Hinweise aus unterschiedlichen Richtungen. Die Erfindung der Carbonara könnte komplexer sein, als es die US-Soldaten-Theorie vermuten ließ.

Passend dazu: Das einzig wahre Rezept für perfekte Spaghetti Carbonara

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Haben die Italiener oder Amerikaner die Carbonara erfunden?

Grandi stützt seine Überlegungen zum Ursprung der Carbonara auf die demnach erste überlieferte Kochanleitung für das beliebte Gericht. Diese entdeckte er in einer Ausgabe der Zeitschrift „Cucina Italiana“ aus dem Jahr 1954. Die ungewöhnliche Zutat Gruyère deutet darauf hin, dass die Carbonara zumindest teilweise von ausländischen Einflüssen geprägt gewesen sein könnte. In der ursprünglichen Form könnte man Eipulver und Bacon verwendet haben – haltbare Lebensmittel, wie sie für US-Soldaten praktisch gewesen wären.

Doch tatsächlich ist die erste Carbonara noch zwei Jahre früher dokumentiert, und zwar in einem Chicago-Restaurantführer aus dem Jahr 1952. Darin ist ein Gericht namens Spaghetti Carbonara auf der Speisekarte des Lokals „Armando’s“ erwähnt, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

Erste Erwähnung in Italien aber schon 1939

Doch die italienische Spur der Carbonara lässt sich offenbar noch weiter zurückverfolgen. Laut einem Bericht der nationalen Online-Tageszeitung „Il Post“ stießen die niederländischen Journalisten Janneke Vreugdenhil und Edwin Winkels auf einen alten Artikel in der niederländischen Zeitung „De Koerier“. Spannend: Darin werden „Spaghetti alla Carbonara“ ausdrücklich erwähnt. Der Artikel, immerhin vom 23. August 1939, schildert die Rivalität zwischen zwei Trattorien in Trastevere. Eine servierte Risotto mit Garnelen, die andere Spaghetti Carbonara als Hauptgericht. Damit hätte der Name des Gerichts fünf Jahre vor der Ankunft der Amerikaner in Italien existiert.

Fragt man Alberto Grandi, bleibt dieser vorerst zurückhaltend. Wie er dpa erklärte, zeigt der Fund lediglich, dass der Name bereits 1939 verwendet wurde. Dieser bedeutet übersetzt übrigens etwa „nach Köhlerart“ – über die konkrete Zubereitung sagt er nichts aus. Entscheidend sei vielmehr, so Grandi, dass typische Zutaten wie Guanciale, Eier und Parmesan erst später eindeutig dokumentiert wurden. Dies spielt seiner Geschichte in die Karten. In zeitgenössischen Kochbüchern tauche das Gericht demnach gar nicht erst auf.

Die Herkunft der Carbonara lässt sich also weiterhin nicht eindeutig klären. Bis es so weit ist, kann man der erbitterten Spurensuche amüsiert beiwohnen. Dem Geschmack tut die offene Frage jedenfalls keinen Abbruch.

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