4. April 2026, 7:46 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer in Spanien an Paella denkt, hat meist sofort Meeresfrüchte vor Augen – doch genau das sorgt in Valencia für Stirnrunzeln. In der Heimat des berühmten Reisgerichts gelten andere Regeln, und wer sie missachtet, entlarvt sich schnell als Tourist. Eine Reise dorthin zeigt, warum Tradition hier wichtiger ist als Klischee – und was eine echte Paella wirklich ausmacht.
In Valencia, der drittgrößten Stadt Spaniens, begeht man aus Sicht vieler Einheimischer gleich zwei Fauxpas, wenn man am Abend im Restaurant eine Paella mit Meeresfrüchten bestellt. Zum einen gehören weder Fisch noch Meeresfrüchte in das klassische Gericht. Zum anderen wird Paella traditionell ausschließlich mittags serviert – bevorzugt am Sonntag.
Dann versammeln sich Familien und Freunde, essen gemeinsam direkt aus der großen Pfanne und teilen sich das Gericht mit Holzlöffeln. Paella ist hier kein gewöhnliches Essen, sondern ein soziales Ritual, vergleichbar mit einem Grillabend in Deutschland.
Am Abend hingegen gilt eine Paella als unpassend: Sie ist zu schwer und könnte den Schlaf stören – zumal das Abendessen in Spanien oft erst nach 21 Uhr beginnt. Stattdessen greifen Einheimische lieber zu Tapas, etwa im Mercado de Colón, einer der bekanntesten Markthallen der Stadt.
Die Wurzeln in der Albufera
Die tiefe Verbundenheit der Valencianer mit der Paella hat einen klaren Ursprung: die Region selbst. Südlich der Stadt liegt die Albufera, ein Naturpark mit einem Süßwassersee, der die umliegenden Reisfelder speist. Hier begann einst der Reisanbau in Spanien, eingeführt durch die Mauren. Die Felder leuchten von Ende Mai bis August in sattem Grün und prägen die Landschaft.
Für die Zubereitung einer authentischen Paella sind vor allem drei rundkörnige Reissorten entscheidend: Bomba, Senia und Albufera. Der Bomba-Reis gilt als hochwertigste Variante, wächst bis zu 1,20 Meter hoch und wird im September geerntet. Senia ist ertragreicher, während Albufera eine Kreuzung aus beiden darstellt.
Entscheidend ist die Fähigkeit des Reises, Aromen aufzunehmen, ohne zu kleben – ein wesentlicher Unterschied zu Sushi-Reis.
Vom Arme-Leute-Essen zur Sterneküche
Im kleinen Ort El Palmar, mitten in den Reisfeldern, zeigt sich die ursprüngliche Form der Paella besonders deutlich. In Restaurants wie dem „Bon Aire“ wird sie klassisch mit Kaninchen, Hühnchen und optional Schnecken serviert – Zutaten, die früher leicht verfügbar waren. Die Paella war einst ein einfaches Gericht der Landbevölkerung.
Heute hat sie längst auch Einzug in die Spitzengastronomie gehalten. Im „Llisa Negra“ in Valencia, einem Restaurant des Drei-Sterne-Kochs Quique Dacosta, wird das Gericht auf offenem Feuer zubereitet – mit Zutaten aus einem Umkreis von 75 Kilometern.
Charakteristisch ist dabei die dünne Reisschicht von etwa einem Zentimeter. Am Pfannenboden bildet sich das sogenannte „Socarrat“ – eine knusprige, leicht karamellisierte Kruste, die für viele als Qualitätsmerkmal einer gelungenen Paella gilt.
Was man auf Thai-Märkten unbedingt probieren sollte
Das sind die Lieblingsrestaurants der Locals auf Malle
Ein Gericht als kulturelles Symbol
Die Bedeutung der Paella für Valencia zeigt sich auch in spektakulären Aktionen: Am 8. März 1992 wurde hier eine Paella für 100.000 Menschen gekocht – ein Guinness-Weltrekord. Die Pfanne hatte einen Durchmesser von zwanzig Metern.
Auch heute wird das Gericht gefeiert, etwa beim „World Paella Day“. Das Finale dieses internationalen Wettbewerbs findet jedes Jahr am 20. September in Valencia statt. Teilnehmer aus aller Welt treten gegeneinander an – einzige Vorgabe: Der Reis muss aus Valencia stammen. Die übrigen Zutaten können variieren, sogar Insekten sind erlaubt.
Die erste Gewinnerin des Wettbewerbs, Chabe Soler, betreibt heute die „Villa Indiano“ am Rande der Huerta, dem fruchtbaren Umland Valencias. Dort setzt sie auf traditionelle Küche und regionale Produkte.
Paella selbst machen
Wer tiefer in die Welt der Paella eintauchen möchte, kann in Valencia selbst aktiv werden. In der „Villa Indiano“ werden Kochkurse angeboten, bei denen Besucher lernen, wie das Originalgericht zubereitet wird – inklusive Kochmütze.