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TRAVELBOOK-Autorin verrät

„Das war das Beste, was ich jemals in Italien gegessen habe“

Pisarei e fasö
Optisch vielleicht nicht unbedingt eine glatte Eins – geschmacklich setzt unsere Autorin dieses Gericht jedoch an die Spitze aller italienischen Gerichte, die sie je probiert hat. Foto: Getty Images
Laura Pomer
Freie Autorin

7. September 2026, 17:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Gehört für Sie gutes Essen zu den wichtigsten Zutaten für eine gelungene Reise? Dann dürfte Italien – ein Land, das wie kaum ein anderes für hervorragende Küche steht – ganz nach Ihrem Geschmack sein. Unsere Autorin hat sich bereits durch zahlreiche italienische Regionen gegessen. Diesen Sommer ist sie dabei auf ein Gericht gestoßen, das alle anderen kulinarischen Highlights in den Schatten stellen sollte. Doch zunächst musste sie dessen Namen googeln, und womöglich wird es Ihnen nicht anders gehen. Die Rede ist von Pisarei e faśö.

Für mich war es lange fester Bestandteil der Reisevorbereitung, im Vorfeld nach guten, bestenfalls von Bekannten empfohlenen Restaurants zu recherchieren. Doch das hat sich spätestens geändert, seit ich im Sommer verschiedene Orte im Norden Italiens besucht habe. Zumal man mit Bewertungen auf Plattformen wie Google übrigens oft auf die Nase fallen kann. Besucher, vor allem solche von außerhalb, bewerten schließlich oft nach anderen Kriterien. Sie loben beispielsweise üppige Portionen oder ziehen Punkte ab, wenn ihnen der Service nicht schnell genug ist. Und diejenigen, die wissen, wo es wirklich gut schmeckt (= die Locals), schreiben für ihr Stammlokal im Zweifelsfall eben keine Bewertung.

Wenn man dagegen in Italien richtig gut essen will, tut man das meiner Erfahrung nach am besten abseits der großen Städte. Man suche sich das unscheinbarste Lokal aus, das man finden kann. So habe ich es gemacht, als ich im vergangenen Sommer durch Piacenza fuhr. Unweit der Autobahn, an einer Landstraße, lag eine Gastronomie, die von außen eher wie eine Kfz‑Werkstatt aussah. Der Eindruck vom Auto aus war wahrlich vieles, aber nicht einladend.

Doch kaum durch die Tür gegangen, bot sich ein völlig anderes Bild. Bis auf den letzten Platz mit Einheimischen besetzt, herrschte ein unprätentiöses, gemütliches Ambiente, und auf den Tellern landete traditionelle Küche der Emilia-Romagna. Auf der Speisekarte stand dabei auch so etwas wie das Wahrzeichen von Piacenza – ein Gericht, das man allein schon deshalb hätte probieren müssen. Hätte man denn auf Anhieb gewusst, was „Pisarei e faśö“ bedeutet.

Pisarei e faśö
Schlotzig, kräftig und einfach zum Wohlfühlen: Pisarei e faśö Foto: TRAVELBOOK

Pisarei e faśö – das köstliche Wahrzeichen Piacenzas

Einen Schönheitswettbewerb wird dieses Gericht wohl eher nicht gewinnen. Pisarei e faśö wird flach auf einem Teller angerichtet, das Gesamtbild ist bräunlich und alle sichtbaren Komponenten haben eine ähnliche, bohnenartige Form.

Und genau das kommt nicht von ungefähr. Es handelt sich um ein klassisches, einfaches Bauerngericht aus Piacenza, bestehend aus kleinen handgemachten Gnocchi, welche allerdings nicht aus Kartoffeln, wie Sie jetzt vielleicht erwarten, sondern aus Mehl, Semmelbröseln und Wasser hergestellt werden. In die herzhafte Soße kommen Borlotti-Bohnen und Zwiebeln, außerdem klassischerweise Schmalz (Lardo) oder alternativ Speck und Tomaten.

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So ist das Gericht entstanden

Wie man auch auf Italiens größter Koch-Website „Giallo Zafferano“ nachlesen kann, reicht die Geschichte von Pisarei e faśö bis ins Mittelalter zurück. Damals sollen Bauern und Mönche die kleinen Teigklößchen aus den wenigen Zutaten zubereitet haben, die ihnen zur Verfügung standen. Es ist außerdem überliefert, dass Pisarei einst Pilgern serviert wurden, die auf der Via Francigena durch die Region zogen.

Woher der Name des Gerichts stammt, ist nicht eindeutig geklärt. „Faśö“ bedeutet im Piacentino-Dialekt „Bohnen“. Aber „Pisarei“? Einer Theorie zufolge könnte das Wort auf das spanische „pisar“ zurückgehen, was übersetzt etwa „zerstampfen“ bedeutet. Gemeint ist damit die Bewegung, mit der die kleinen Teigstücke geformt werden. Die anschließend mit dem Finger eingedrückte Mulde ist nicht nur charakteristisch für die Pisarei, sondern sorgt auch dafür, dass die kleinen Teigklößchen besonders viel von der köstlichen Sauce aufnehmen können.

In der Einfachheit liegt der ganz große Genuss

Pisarei e faśö sind ein schönes und, wie gesagt, absolut köstliches Beispiel für die Bodenständigkeit der echten, italienischen Küche. Wobei Kenner jetzt einräumen könnten, dass man je nach Region und Küchenausrichtung sicherlich raffinierter und auch ästhetisch ansprechender essen kann.

Ich habe etwa einmal in Ligurien ein leicht frittiertes, knuspriges Thunfischsteak gegessen, innen noch roh und mit einer feinen Schicht Pistaziencreme gefüllt – optisch wie geschmacklich ein Gedicht. Doch wenn ich mich heute entscheiden müsste, fiele meine Wahl hundertmal auf den deftigen Nudel-Bohnen-Eintopf aus Piacenza.

Denn so schlicht das Gericht daherkommt, so wenig ist das sein Geschmack. Die Vielfalt der Aromen sorgt schon beim ersten Bissen für ein unvergleichliches Wohlgefühl. Anhand der Beschreibung mag das Ganze vielleicht etwas mächtig erscheinen. Doch die Komposition ist perfekt: Keine Note drängt sich zu sehr in den Vordergrund, und trotz der Einfachheit wird es beim Essen nicht langweilig. Ganz im Gegenteil. Ich wette, auch Sie würden nicht eine einzige Bohne davon liegen lassen.

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