Naturwunder in Peru

Rainbow Mountain – Perus bedrohtes Naturwunder

Rainbow Mountain, Vinicunca, Peru
Er sieht aus, wie von einem anderen Planeten: der Vinicunca, der von Touristen meistens Regenbogen-Berg genannt wird
Foto: Getty Images

Seit wenigen Jahren macht er sogar dem Machu Picchu Konkurrenz: der Rainbow Mountain in Peru. Der farbenfrohe Berg ist extrem beliebt – was nicht nur eine Gefahr für Touristen ist.

Lange war der Rainbow Mountain, wie der Vinicunca genannt wird, unbekannt. Erst als wegen des Klimawandels der Schnee auf den Bergen schmolz, entdeckte man vor einigen Jahren die bunten Gesteinsschichten. Es dauerte nicht lange, bis auch Touristen das Naturphänomen für sich entdeckten  – auch wegen der zahlreichen, farbenfrohen Fotos auf Instagram. Mittlerweile werden laut der Nachrichtenagentur „AP“ jeden Tag Tausende Urlauber auf den Berg geführt. Das Problem: Die Region ist auf diesen Ansturm nicht wirklich vorbereitet.  

Die Gegend ist sehr dünn besiedelt, über Jahrzehnte lebte hier kaum jemand. Erst mit dem Tourismusboom kamen die Ureinwohner der Region, die Pampachiri, zurück und reaktivierten die ehemals unbenutzten Pfade als Schleuse zum Rainbow Mountain. Doch während die arme Bevölkerung zum Teil von dem neuen Tourismus profitiert, leidet die fragile Landschaft. Urlauber, die vor mehr als drei Jahren in der Region waren, berichten von unberührter Natur und schmalen, verwachsenen Wegen. Und heute ist da ein Parkplatz, der früher ein Sumpf war und als Rückzugsort für Gänse diente, aus dem ehemals schmalen Pfad ist ein breiter, ausgetretener Weg voller Schlaglöcher geworden, der auf einer Länge von mehr als 4 Kilometern erodiert.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Die Guides sind überfordert

Durch die veränderten Bedingungen ist der Weg mittlerweile bei Regen kaum passierbar. Dennoch werden auch unter solchen gefährlichen Voraussetzungen Touristen auf den Berg geschickt. John Widmer, Weltreisender und Blogger, erlebte eine solche Tour im April vergangenen Jahres mit. Sein Fazit: „Es war eine der schlimmsten Touren, die wir je gemacht haben. Menschen voller Schlamm, weinend und humpelnd, kamen uns entgegen. Es war wie im Krieg.“ Es wäre unverantwortlich von dem Guide gewesen, bei den schlechten Wetterverhältnissen überhaupt Touristen auf den Berg zu führen. Das Problem ist, dass viele Guides kaum oder gar nicht für diesen Job qualifiziert sind. Gabino Huaman, Vorsitzender der Pampachiri, gab gegenüber „AP“ zu: „Wir können kein Wort Englisch. Oder Erste Hilfe.“ Gleichzeitig brauchen sie das Geld. Jede abgeblasene Tour kann sie in finanzielle Schwierigkeiten bringen.

https://www.travelbook.de/ziele/laender/peru-das-ideale-einsteigerland-fuer-suedamerika-reisetipps

Besucher müssen gut vorbereitet sein

Auch ein Kommentator mit dem Usernamen „ED“ machte schlechte Erfahrungen: „Der Regenbogen-Berg war zunächst nur eine Herausforderung für uns, aber als sich das Wetter änderte, wurde es unmöglich. Ich habe den kompletten Rückweg geweint, ich war komplett nass.“ Der Tour-Guide sei nicht einmal dabei gewesen. Der User gibt allerdings auch zu, dass er unvorbereitet gewesen sei.

Tatsächlich sind nämlich auch die Touristen selbst für solche Desaster-Touren verantwortlich, denn viele besteigen den Berg mit übersteigerten Erwartungen und ohne die korrekte Ausrüstung. Oft wird vergessen, dass der Vinicunca in 5200 Metern Höhe liegt. Zum Vergleich: Der höchste Berg der Alpen, der Mount Blanc, ist lediglich 4810 Meter hoch, das nördliche Basislager auf dem Mount Everest ist nur unwesentlich höher. Das verdeutlicht, dass man für eine Tour zum Rainbow Mountain gut vorbereitet sein sollte.

Auch interessant: Ceviche – Das Geheimnis hinter dem peruanischen Fischsalat

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Touristen hinterlassen unterwegs ihren Müll

Die Touristen sind außerdem für den Müll verantwortlich, der auf dem Weg zum Regenbogen-Berg zu finden ist. Instagram-User Pat Henderson schreibt unter ein Foto: „Ich habe auf dem Weg zurück zum Bus fünf Einkaufstüten voll Müll gesammelt, ein starker Kontrast zu Machu Picchu, wo ich nur ein einziges Stück Müll gesehen habe.“ Die Region scheint auch in diesem Punkt nicht auf die Touristenhorden vorbereitet zu sein.

Fazit? Ein Besuch in die Region sollte gut durchdacht sein, die richtige Ausrüstung und ein professioneller und verantwortungsbewusster Guide sind Pflicht.

Fraglich ist jedoch, ob diese Attraktion in dieser Form noch lange bestehen bleibt, wenn nicht schnell eine geeignete Infrastruktur aufgebaut wird.

 

Themen