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Deutsche Discounter in den USA, Australien & Co

Warum kommen Aldi und Lidl im Ausland so gut an?

Aldi-Filiale in Washington D.C., USA
Aldi kommt weltweit gut an (Bild: Aldi-Filiale in Washington D.C., USA) Foto: Getty Images/ Kevin Dietsch
Anna Wengel
Freie Autorin

1. Oktober 2026, 17:38 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Aldi, Lidl und Co. sind international beliebt. Doch wieso? Wie kommt es, dass nicht selten Australier, US-Amerikaner, Portugiesen und Co. anfangen, in höchsten Tönen von den Discountern zu schwärmen? Der Versuch einer Einordnung.

Es ist mir immer wieder passiert, dass ich irgendwo auf der Welt gefragt wurde, wo ich ursprünglich herkomme und bei der Antwort „aus Deutschland“ ein beinahe seliges Lächeln über das Gesicht meines Gegenübers zog. Wobei, nicht immer, natürlich. In vielen Fällen bekam ich jedoch eine dieser Antworten: „Oh, Michael Schuhmacher“, „Autobahnen ohne Speed Limit“ oder eben „Wir liiieben Aldi“. Ich musste immer grinsen, egal, welcher Grund mir für das Deutschland-Wohlwollen präsentiert wurde. Am meisten aber dann, wenn die hiesigen Discounter der Grund für die Liebesbezeugungen waren. Was finden die Menschen so toll an Aldi, Lidl und Co.?

Ansturm auf New Yorks neue Aldi-Filiale

Meine persönlichen Erfahrungen decken sich mit den Discounter-Nachrichten der letzten Monate. So berichtete etwa die Boulevardzeitung „New York Post“ im vergangenen Juni, dass vor der Eröffnung der neuen Aldi-Filiale am Times Square mehr als 500 Menschen Schlange standen, um einen Blick in den neu eröffneten Supermarkt werfen zu können. Aldi sei beliebt, schreibt die „Post“, weil man dort „Lebensmittel zu niedrigeren Preisen als andere große Supermärkte in der Gegend, wie zum Beispiel Target, anbietet.“

Niedrige Preise sind der Hauptgrund für die Discounter-Liebe

Eine ähnliche Antwort bekomme ich von meinem australischen Ehemann, als ich ihn frage, wieso er in seiner Heimatstadt Melbourne früher gern zu Aldi gegangen ist. Er erklärt: „Der Grund, warum ich Aldi in Australien so toll fand, war, dass dort alles so viel günstiger war. Als ich damals noch Bodybuilding gemacht habe, habe ich Sachen wie Tiefkühlgemüse dort in großen Mengen gekauft. Die Qualität war ähnlich wie bei den australischen Supermärkten, aber alles war deutlich günstiger.“

Dass es bei der Aldi- und Lidl-Liebe auch in den USA in erster Linie um den Preis geht, bestätigt auch die Nachrichtensendung „ZDF heute“. Die Produkte der deutschen Discount-Supermärkte seien im Vergleich zu den US‑amerikanischen günstig. Seit der Coronapandemie seien die Lebensmittelpreise in den USA um 30 Prozent gestiegen, schreibt „ZDF heute“ auf seinem Onlineauftritt. Entsprechend achteten viele Menschen verstärkt auf den Preis. Das Dauerniedrigkonzept von Aldi und Lidl komme entsprechend gut an.

So gut, dass Aldi Süd laut der Nachrichtensendung noch in diesem Jahr rund 180 weitere Filialen in den USA eröffnen will. Insgesamt wächst die Zahl der Aldi-Filialen in den Vereinigten Staaten damit auf 2800. Zum Vergleich: Deutschlands Aldi-Süd-Filialen beziffern sich auf etwa 2000, Australien hat rund 600 Aldi-Filialen. Weltweit kommt das Aldi-Imperium auf mehr als 12.000 Supermärkte. Davon gehören rund 6520 Filialen in elf Ländern, verteilt auf vier Kontinente, zu Aldi Süd. Diese sind neben den USA und Australien unter anderem im Vereinigten Königreich, China, der Schweiz, Irland und Italien zu finden. Aldi Nord erklärt, es habe weltweit rund 5500 Märkte in acht europäischen Ländern. Darunter sind auch Spanien, Portugal, Frankreich und die Niederlande. Ähnlich erfolgreich scheint Lidl im Ausland zu sein. Die Discounter-Kette gibt an, mit rund 13.000 Filialen in 32 Ländern vertreten zu sein.

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Das deutsche Discounter-System

Doch wie kommt es, dass die Discounter ihre Preise so niedrig halten können? Laut der „ZDF heute“ liegt das in erster Linie am Konzept. Zum einen gibt es bei Aldi und Lidl in erster Linie Eigenmarken. Diese sind häufig an teurere Markenprodukte angelehnt, ohne jedoch deren Namen zu tragen. Das spart Geld. Hinzu kommt die Simplizität der Supermärkte. Die Einrichtung ist einfach, das Personal deutlich reduziert und im Vergleich zu Supermärkten in den USA oder Australien, sind die deutschen Discounter oftmals deutlich kleiner und entsprechend übersichtlicher in ihrem Angebot.

Dieses „deutsche System“ hat meinen Mann einst irritiert. Er ist es aus Australien gewöhnt, dass die Kassierer nicht nur hinter ihrer Kasse stehen, sondern auch die Ware einpacken. In den USA ist das Supermarkt-System ähnlich. „Der Ablauf bei Aldi war mir zunächst sehr fremd, da es keine Tüten gab. Ich habe mir kostenlose Kartons besorgt, um meine Sachen darin zu verstauen, denn Tüten gab es dort nicht. Ich bin mir gar nicht sicher, ob man die damals schon kaufen konnte“, erzählt mein Mann. Die fehlenden Tüten seien es jedoch nicht allein gewesen. „Dort ging alles super schnell, alles wurde in Windeseile über das Band gezogen. Daran war ich nicht gewöhnt. Andere Supermärkte in Australien sind deutlich langsamer“, sagt er. Er habe es immer lustig gefunden, „wie sehr man sich im australischen Aldi an den deutschen Ablauf hielt, dass zum Beispiel das Personal immer an den Kassen saß. Ich habe mich immer gefragt, wieso sie das machen – bei Safeway, Coles und all den anderen Supermärkten in Australien stehen die Kassierer.“ Insgesamt sei der „Einkauf bei Aldi eine völlig andere Erfahrung als in allen anderen australischen Supermärkten“.

Aldi passt sich an

Dahingegen fällt mir an dieser Stelle einmal mehr auf, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind. Vom „deutschen System“ ausgehend, finde ich es hin und wieder interessant, einen Blick in die Aldis dieser Welt zu werfen, um zu sehen, wo die Unterschiede liegen. (Wobei ich aus irgendeinem Grund anmerken möchte, dass ich mich meist bewusst von deutschen Supermärkten fernhalte, weil ich die einheimischen spannender finde.) Als ich einige Zeit in Portugal lebte, war ich jedoch häufiger bei Aldi, weil ich zum einen Geld sparen wollte bzw. musste, aber auch, weil ich festgestellt habe, dass viele der Produkte dort denen im Intermarché mindestens ähnelten. Oftmals waren es sogar die gleichen, jedoch zu deutlich günstigeren Preisen. So habe ich dort bei Aldi beispielsweise massenweise Garnelen gekauft, die genauso gut waren wie jene vom Intermarché, aber etwa die Hälfte kosteten.

Von den US‑amerikanischen Riesensupermärkten mit ihrer Endlos-Auswahl begeistert, bin ich dort nie in einem Aldi oder Lidl gewesen und kann diese entsprechend nicht einschätzen. Laut „ZDF heute“ ist die Erfahrung dort jedoch ähnlich wie meine in Australien und Portugal: Zum Teil findet man Produkte, die man aus den deutschen Aldis kennt. Viele Produkte sind jedoch an das jeweilige Land angepasst, in dem die Filiale steht. So schreibt „ZDF heute“, das US‑amerikanische Aldi biete viele landestypische Produkte wie Bagels und Mac and Cheese an, das Auffälligste dort scheinen jedoch die deutlich größeren Packungsgrößen zu sein. Und natürlich tüte der Kunde auch hier seine Einkäufe selbst ein – oder bedient sich an den diversen Pappkartons.

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