9. Februar 2026, 17:23 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ende Januar 2026 wurden im indischen Bundesstaat Westbengalen neue Infektionen mit dem Nipah-Virus (NiV) bestätigt. Der Erreger gilt aufgrund seiner vergleichsweise hohen Sterblichkeitsrate als besonders gefährlich. Zudem existieren bislang weder eine zugelassene Behandlung noch ein Impfstoff. Erste asiatische Länder haben auf die aktuelle Lage reagiert und ihre Gesundheits- und Einreisekontrollen verschärft. Was Reisende jetzt wissen müssen – bei TRAVELBOOK.
Laut dem jüngsten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind derzeit rund 7,4 Millionen Menschen in Deutschland von akuten Atemwegserkrankungen wie Grippe, Erkältungen oder Virusinfektionen der oberen Atemwege betroffen – eine vergleichsweise hohe Zahl. Den größten Anteil machen dabei Influenzaviren aus. Das gefürchtete Nipah-Virus, das aktuell vor allem in Süd- und Südostasien auftritt, ist in Deutschland bislang nicht nachgewiesen. Dennoch: Wir alle erinnern uns an die Anfänge der Coronapandemie. Daher dürfte auch hierzulande bei vielen ein mulmiges Gefühl entstehen, wenn sie von niesenden und schniefenden Menschen umgeben sind.
Was ist das Nipah-Virus?
Das Nipah-Virus ist ein sogenanntes Zoonosevirus, da es ursprünglich von Tieren auf den Menschen übertragen wird – vor allem von Flughunden, möglicherweise aber auch von Schweinen. Bei engem Kontakt kann das Virus auch von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektionen weitergegeben werden.
Der Erreger gilt als hochgefährlich. Laut Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) kann eine Infektion beim Menschen eine Sterblichkeitsrate von bis zu 92 Prozent erreichen. Das Virus kommt vor allem in süd- und südostasiatischen Ländern vor, darunter Indien, Bangladesch und Malaysia. Besonders häufig wird es mit dem indischen Bundesstaat Westbengalen in Verbindung gebracht, wo es in den Jahren 2001 und 2007 zu größeren Ausbrüchen kam. Im vergangenen Januar wurden dort erneut zwei Fälle bestätigt. Beide Betroffenen waren im Gesundheitswesen tätig.
Warum der Erreger als besonders gefährlich gilt
Eine Infektion kann sich zunächst ähnlich wie andere Atemwegserkrankungen äußern. In milden Fällen treten lediglich Fieber, Husten oder Kopfschmerzen auf. Laut BNITM kann die Erkrankung jedoch auch einen schweren Verlauf nehmen: Möglich sind Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma – im schlimmsten Fall endet die Infektion tödlich.
Problematisch ist zudem, dass es keinen zugelassenen Impfstoff gibt und eine spezifische antivirale Therapie bislang fehlt.
Die nächste Epidemie nach Corona?
Droht eine epidemische Entwicklung wie bei COVID-19? Experten, darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO), geben Entwarnung: Die Situation sei regional begrenzt, und es gibt bislang keine Hinweise auf eine anhaltende Übertragung von Mensch zu Mensch. Das heißt: Eine Übertragung ist grundsätzlich möglich, aber nicht so leicht oder effizient wie beispielsweise beim Coronavirus.
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Asiatische Länder verschärfen Einreisekontrollen
Die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC berichtet, dass die indischen Behörden nach Bekanntwerden der Infektionen eine umfassende Kontaktverfolgung eingeleitet haben. Die ermittelten 196 Kontaktpersonen stehen seither in Quarantäne unter medizinischer Beobachtung. Bisher wurden keine weiteren Infektionen festgestellt, wobei die Inkubationszeit bis zu 14 Tage betragen kann.
Vor diesem Hintergrund haben zahlreiche asiatische Länder ihre Einreise- und Gesundheitskontrollen verstärkt – auch wegen des bevorstehenden chinesischen Neujahrsfests am 17. Februar, das traditionell mit hohem Reiseaufkommen verbunden ist. Ziel der Maßnahmen ist es, mögliche Infektionen frühzeitig zu erkennen und eine Ausbreitung zu verhindern.
Nähere Informationen zu den einzelnen Ländern sind beim Analyseunternehmens A3M veröffentlicht. In Thailand, Vietnam, Indonesien und Myanmar werden demnach an Flughäfen Temperaturmessungen, Wärmebildkameras und stichprobenartige Kontrollen durchgeführt. In Singapur und Hongkong kommen gezielte Kontrollen bei ausgewählten Flügen aus Risikogebieten wie Kolkata zum Einsatz. Nepal und Pakistan überwachen sowohl Grenzübergänge als auch die Reiseverläufe einreisender Personen. Kambodscha setzt bislang vor allem auf Informations- und Hygienehinweise, konkrete Flughafenchecks gibt es derzeit nicht.
Was Asien-Reisende jetzt wissen müssen
Das Risiko, sich außerhalb der betroffenen Regionen anzustecken, gilt derzeit als sehr gering. Gesundheitsexperten raten dennoch, wachsam zu bleiben. Vor jeder Reise sollten die aktuellen Hinweise und Empfehlungen der Behörden geprüft werden. Wer sich in Risikogebieten aufhält, sollte besonders auf Hygiene achten und engen Kontakt mit Tieren vermeiden. Treten erste Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Atembeschwerden auf, ist es wichtig, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um im Fall einer Infektion frühzeitig behandelt zu werden.