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Weltweit einzigartig

Lonar Lake – der indische See, der seine Farbe ändern kann

Lonar Lake
Als sich der Lonar Lake quasi über Nacht plötzlich pink färbte, wurde er zum Internet-Phänomen Foto: Getty Images

Der Lonar Lake entstand vor etwa 52.000 Jahren durch den Einschlag eines gewaltigen Meteoriten – und gibt Wissenschaftlern bis heute Rätsel auf. Hier findet man weltweit einzigartige Mikro-Organismen, Kompasse funktionieren plötzlich nicht. Doch berühmt wurde der See durch eine andere Eigenschaft: Er kann seine Farbe wechseln.

Wissenschaftler auf der ganzen Welt blickten im Juli 2020 erstaunt auf einen kleinen See in Indien, für den sich sonst oft nicht einmal die wenigen Touristen interessierten, die sich bis dahin im Nordwesten des Lades in die Region um die Stadt Aurangabad verirren. Auch im Internet kursierten bald Bilder und Videos von dem Phänomen, das dort geschehen war – der Lonar Lake hatte quasi über Nacht seine Farbe gewechselt. 

Erstrahlt er normalerweise in einem Smaragdgrün, war der See nun plötzlich hellrosa gefärbt – nur, um nach einiger Zeit wieder seine ursprüngliche Kolorierung anzunehmen. Dazu muss man sagen, dass der Lonar Lake auch in anderen Beziehungen nicht gerade gewöhnlich ist. Wie die indische Ausgabe von „National Geographic Traveller“ berichtet, entstand er vor 52.000 Jahren durch den Meteoriten-Einschlag. 

Benannt nach einem Dämon 

Dieser Trumm aus dem Weltraum, zwei Millionen Tonnen schwer, raste mit einer Geschwindigkeit von 90.000 Stundenkilometern auf die Erde zu, riss beim Aufschlag einen Krater von 1,8 Kilometer Breite und 150 Meter Tiefe in die Erde. Kaum verwunderlich ist der Lonar Lake benannt nach dem indischen Dämon Lonasura. Bei dem Krater, den heute der See füllt, handelt es sich um die weltweit einzige Einschlag-Stelle eines Meteoriten auf basaltischem Gestein.

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Der See ist aber noch aus anderen Gründen einzigartig: Durch den Aufschlag aus dem Weltall entstand ein Gestein namens Maskelynit, das auch bei den Apollo-Missionen der NASA auf dem Mond entdeckt wurde. Die US-Weltraumbehörde und Wissenschaftler aus aller Welt untersuchen daher den See und seine geologische Beschaffenheit. Auch, weil er zugleich basisch und sauer ist und zudem einen extrem hohen Salzgehalt aufweist. Die Mikro-Organismen, die in diesem Mix überleben können, kommen kaum irgendwo anders auf der Erde vor. 

Kleine Mikroben, große Wirkung 

Lonar Lake
Der Lonar Lake ist in vielen Hinsichten faszinierend und einzigartig – so kann er zum Beispiel seine Farbe wechselnFoto: Getty Images

Und diese waren es auch, die für den wundersamen Farbenwechsel des Lonar Lake im Juli 2020 verantwortlich waren, wie die Zeitung „Times of India“ erklärt. Konkret handelt es sich um sogenannte Haloarchaea-Mikroben, die durch ihren Stoffwechsel bei Stress einen pinken Farbstoff produzieren, um sich vor dem hohen Salzgehalt im Wasser zu schützen. Vermutlich passierte genau das dann auch. 

Durch hohe Temperaturen verdampfte Wasser aus dem Lonar Lake, wodurch dessen Salzgehalt noch stieg – woraufhin die Bakterien den pinken Farbstoff herstellten, um zu überleben. Dieser wurde dann an das Wasser abgegeben und färbte es eben pink. Laut der Seite „Earth Observatory“, die die NASA betreibt, gibt es ein ähnliches Phänomen am Urmia-See im Iran. Auch der australische Lake Hillier, der permanent pink leuchtet, ist von Mikroben besiedelt, die denen im Lonar Lake ähneln. 

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Wann wird sich der Lonar Lake wieder verfärben? 

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Andere Geheimisse um den Lonar Lake sind dagegen bislang nicht ergründet. Zum Beispiel, warum Kompasse an seinen Ufern immer wieder verrückt spielen. Der pinken Färbung aber ist es zu verdanken, dass der See bei Touristen immer beliebter wurde. Rund um den Lonar Lake finden sich zahlreiche alte Tempel, der ihn umgebende Dschungel ist ein Paradies für unzählige Tierarten. Nahe der Stadt Aurangabad finden sich zudem gleich zwei UNESCO-Welterbestätten.  

Wissenschaftler zufolge war 2020 übrigens nicht das erste Mal, dass sich der Lonar Lake auf so einzigartige Weise pink verfärbte. Und wer weiß, vielleicht kann man ja beim nächsten Mal, wenn sich der See verfärbt, schon wieder in ferne Länder reisen.

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