5. August 2025, 14:52 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Stockholm, Oslo, Kopenhagen und natürlich Helsinki: die nordischen Hauptstädte sind total angesagt und für Städtereisen im Sommer absolut empfehlenswert. Unser Autor Frank Lehmann war eine Woche in der finnischen Metropole und hat sich die Stadt genauer angesehen.
Die Stadt am finnischen Meerbusen ist voller touristischer Sehenswürdigkeiten. Im Zentrum ist man schnell bei den Hotspots: der Marktplatz Kauppatori mit der alten Markthalle, der Senatsplatz mit dem Dom, das Kunstmuseum Amos Rex oder auch die russische Uspenski-Kathedrale. Hier wuseln die Besucher zu Tausenden umher und knipsen mit den Smartphones, was das Zeug hält. Schnell ist der Charme der Stadt erobert. Doch ist da nicht mehr, als im Reiseführer steht? Was macht der finnische Ureinwohner in seiner Freizeit? Hier sind zehn Ziele abseits der touristischen Trampelpfade.
Übersicht
Freilichtmuseum Seurasaari
Familien mit Kinderwagen, verliebte Pärchen – man schlendert über die weiße Holzbrücke und ist auf der schnuckeligen Insel Seurasaari. Die kleine Insel ist in 20 Minuten Busfahrt mit dem Bus 24 schnell erreicht. Über 80 traditionelle Holzgebäude sind dort zu entdecken. Die Holzkirche aus Karuna stammt aus dem 17. Jahrhundert. Baukultur ganz Finnlands aus den vergangenen Zeiten ist hier versammelt und die Zeit in den alten Bauerhöfen vergeht wie im Flug. Wer mag, kann auch von den Felsen ins Wasser springen oder in das Badehaus Fölison aus dem Jahr 1906 gehen. Hier ist jedoch FKK angesagt. Der Zugang ist kostenlos, ebenso wie das Betreten der Insel. Nur für das Museum muss gezahlt werden.
Orgelkonzerte in der Kirche von Kallio
Der Orgelsommer in Helsinki ist Legende. In zahlreichen Kirchen spielen die virtuosen finnischen Organisten. Klar, dass man hier Bach-Konzerte zu hören bekommt, aber auch die jungen wilden Komponisten wie Olli Saari werden aufgeführt. Unter den herrlichen Kirchen sticht die Jugendstilkirche von Kallio hervor. Sie hat nicht nur einen hohen Kirchturm, von wo man nach 273 Stufen einen ganz besonderen Blick auf die Stadt hat. Sie hat vor allem einen herrlichen Innenraum mit wunderbarer Akustik. Hier ein Konzert zu erleben: Wow! Wer nicht so viel Zeit mitbringt, sollte aber sich einen Leckerbissen um 12 oder 18 Uhr nicht entgehen lassen: Die sieben Kirchenglocken spielen ein Stück, das von Jean Sibelius für diese Kirche komponiert wurde.
Vergnügungspark Linnanmäki
Schrei, wenn du kannst! Denn die Achterbahn Taiga nimmt dir wirklich den Atem. Auf der 1104 Meter langen Strecke gibt es Loopings die du nie wieder vergisst. Wer es charmanter mag, steigt auf das alte Karussell aus dem Jahr 1896 oder nimmt die historische Holz-Achterbahn aus dem Jahr 1951, bei sogar noch Bremser mitfahren. Über 42 Fahrgeschäfte sind im Vergnügungspark Linnanmäki sind im Angebot und für jeden etwas dabei. Kleinkinder kommen ebenso auf ihre Kosten wie die tätowierten finnischen Muskelprotze. Am besten das Armband für 53 Euro kaufen, da sind alle Fahrten im Preis eingeschlossen. Es lohnt sich und fast alle Besucher bleiben bis abends um 21 Uhr. Ein Muss ist der Swingi, eine riesige schwingende Schaukel – ein Hammer!
Karhupuisto Park
Mehr als ein Drittel der Fläche Helsinkis ist von Parks bedeckt – und die Einwohner lieben ihre Parks. Kein Dreck, keine Graffitis, kostenlose Toiletten, bunte, gepflegte Blumenbeete überall. Helsinki ist eine sehr grüne Stadt, und man sollte nicht nur den wunderbaren Botanischen Garten Kaisaniemi besuchen und den bekannten Sibelius-Park erkunden, sondern sich in den zahlreichen kleinen Stadtparks verlaufen. Ich empfehle den Karhupuisto Park im Viertel Kallio. Hier spielen schon nachmittags Gitarristen, Familien picknicken, tätowierte Szene-Girls lassen sich von der Sonne verwöhnen und mit stoischer Ruhe steht in allem die Skulptur des Bärens auf dem Ameisenhügel. Kallio ist das andere, junge, autonome Helsinki – eine Art Kreuzberg des Nordens – und in diesem Park sieht man seine ganze Bandbreite. Sehr angesagt ist dort auch das Café Waybakery.
Das olympische Schwimmstadion
Schon 1947 wurde das Schwimmbad fertiggestellt und 1952 fanden hier die olympischen Schwimmwettbewerbe statt. Heute kann man auf der 50-Meter-Bahn kraulen, im Kinderbecken planschen oder vom 10-Meter-Turm in die Tiefe hüpfen. Auch eine lange Rutsche lädt ein. Kein Wunder, dass dieses Schwimmstadion in Helsinki geliebt wird. Man erlebt das historische Ambiente, das von Architekt Jorma Järvi geschaffen wurde, genießt ein Eis, kann an den Tischtennisplatten Spaß haben oder auf dem Basketballplatz spielen. Auch einen Beachvolleyballplatz gibt es und das Café bietet leckeren Kuchen an. Kühles oder regnerisches Wetter hält die Besucher nicht ab, denn das große Becken ist auf 27 Grad Celsius beheizt.
Mumin-Mania
Wer hat die wichtigsten Kinderbücher in Skandinavien geschrieben? Der Finne antwortet sicher nicht mit Astrid Lindgren sondern nennt Tove Jansson. Sie erfand 1945 die Mumins, Trollwesen von nilpferdartigem Aussehen. Sie leben im idyllischen Mumintal irgendwo in Finnland. Und in Helsinki sind alle verrückt nach den Mumins. Überalls Menschen mit Mumin-Accessoires. T-Shirts, Tassen, Schuhe, Socken, mittlerweile gibt es sogar Mumin-Kaffee. Okay, das ist gut durch-kommerzialisiert, aber die Mumins sind wirklich sooooo süß! Also rein in den nächsten Mumin-Shop und wieder Kind werden! https://www.moomin.com/en/
Oodi
Im Dezember 2018 wurde die neue zentrale Hauptbibliothek (großes Bild oben) nahe des Hauptbahnhofs eröffnet und die Finnen haben sie sofort in ihr Herz geschlossen. Grund dafür ist sicher die fantastische Architektur, bei der einem der Atem stockt. Aber Oodi ist mehr als ein schwungvoller, runder und lichtdurchfluteter Raum. Hier ist ein Kulturzentrum entstanden, das weit über das Lesevergnügen hinausgeht. Hier kann man gemeinsam kochen, hier gibt es Musikinstrumente zum Verleih, also rein mit der Fender in den Proberaum und rocken. Zudem gibt es Gaming-Konsolen und PC-Arbeitsplätze. Das Dachcafé bietet ein tolles Stadt-Panorama, ist immer voll und hat einen ausgezeichneten Kaffee. Also rein ins Oodi, auch wenn man kein Finne ist. Deutschsprachige Literatur und Zeitungen liegen auch aus.
Cafe Regatta
Okay, der Sibelius-Park ist wunderschön und auch das abstrakte Denkmal für den Komponisten muss man gesehen haben, aber wer kennt das kleine Café Regatta? Es befindet sich in einer alten Fischerhütte aus dem Jahr 1887 und liegt direkt am Park an einer kleinen Bucht und hat nicht nur tollen Kuchen, sondern auch leckere Würstchen, die man am offenen Holzfeuer grillen kann, im Angebot. Doch das Beste ist der Bootsverleih: SUPs, Kajaks und Kanus stehen bereit. Also rein in die Schären-Landschaft. Schnell vergisst man, dass man nur einen Kilometer vom quirligen Stadtzentrum der Hauptstadt entfernt ist – und genießt die Einsamkeit der Insellandschaften.
Warum Sie unbedingt mal nach Finnland müssen
9 Dinge, die man in Helsinki unbedingt tun sollte
Holzhäuser in Puu Vallila
Sehr zentrumsnah liegt das Viertel Puu Valilla. Hier wartet eine andere, tiefenentspannte Atmosphäre auf den Besucher. Seit 1910 wurde das Viertel gebaut und man kann durch kleine Gassen streifen und sich auf eine Zeitreise begeben. So also sah Helsinki vor 100 Jahren überall aus. Viele Häuschen mit viel Charme. Das Café Pikku ist herrlich. Von jungen Leuten betrieben und mit viel Geschmack eingerichtet; der Lachs-Eintopf mit Kartoffeln ist Spitze.
Alvar Aalto Universität
Was wäre ein Beusch in Helsinki ohne einen Trip durch die Welt des Architekten Alvar Aalto. Er ist weltweit bekannt und man kann nicht nur sein privates Haus, sein Arbeitsstudio und vor allem die Finnlandia-Halle besichtigen. Ich aber bin mit der Metro raus zum Uni-Campus der Aalst-Universität gefahren. Das dauert nur 15 Minuten vom Zentrum und sofort ist man drin in der Welt der Superstars des organischen Bauens. Der „Vater des Modernismus“ hat sich hier auf besondere Art verewigt. Das Hauptgebäude der Uni sieht aus wie ein antikes Theater. Hier hat der Pionier der finnischen Architektur ein Meisterstück abgeliefert. Außerdem ist die entspannte Atmosphäre an der Uni auch einen Besuch wert. Sie gilt als Elite-Universität, doch alles wirkt sehr relaxt.