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Warum dieses winzige Ösi-Dorf von Touristen überrannt wird

Hallstatt sieht tatsächlich märchenhaft aus – ob es aber die Filmvorlage für „Frozen“ war, ist nicht bestätigt
Hallstatt sieht tatsächlich märchenhaft aus – ob es aber die Filmvorlage für „Frozen“ war, ist nicht bestätigt
Foto: Getty Images

Ein kleiner Ort in Österreich versetzt seit Jahren Asien in Extase: Tausende Touristen pilgern jeden Tag durch Hallstatt, und stehen dabei manchmal sogar mitten im Wohnzimmer eines Einheimischen. Und die Lage wird immer schlimmer: Angeblich soll Hallstatt nämlich Vorlage für den Disney-Animations-Film „Frozen“ sein. Doch stimmt das wirklich? Was ist das Geheimnis des Ortes mit Postkarten-Idylle? TRAVELBOOK hat nachgeforscht.

Der Ort ist im Gegensatz zu den anderen drei mit knapp 800 Einwohnern aber auch sehr überschaubar. Dennoch kommen pro Jahr eine Million Touristen, wie unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet – Tendenz steigend.

Der Grund: Angeblich soll Hallstatt die Vorlage für das fiktive Dorf Arendelle im Disney-Film „Frozen“ sein. Nachdem kürzlich der zweite Teil der Geschichte um die Eiskönigin Elsa in die Kinos kam (und der erfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten wurde), verbreitete sich das Gerücht in den sozialen Netzwerken. Bestätigt ist das aber nicht. Im Gegenteil, wie Hallstatts Bürgermeister Andreas Scheutz betont.

Er klärt im Interview mit TRAVELBOOK auf, wo die Geschichte ihren Ursprung hat: „Eine Journalistin von der ‘Sunday Times‘ war vor einigen Tagen in Hallstatt, weil sie in chinesischen Medien gelesen hatte, dass Hallstatt die Vorlage für Frozen 2 sei. Das stimmt nicht, denn die Vorlage für Frozen ist meiner Recherche nach in Norwegen. Dennoch hat die Journalistin einen Artikel über dieses Gerücht geschrieben und das wurde dann von mehreren Medien aufgegriffen.“ Doch, wenn es nicht der Disney-Hype ist, was dann? Was macht die Faszination dieses kleinen Ortes aus?

Alles fing 1997 an, als die Gegend von der Unesco in die Liste der Welterbestätten aufgenommen wurde, und zwar gleich in zwei Bereichen: Kultur und Natur.

Touristen gehen einfach in Häuser

Daraufhin explodierte die Nachfrage nach Hallstätter Idylle. Heute kommen die vielen Besucher aus Fernost – vor allem aus China, Südkorea und Taiwan – auch deshalb, um am hiesigen See Hochzeitsbilder aufzunehmen, die dann in der Heimat verteilt werden. Der Ort ist ein absolutes Phänomen in den sozialen Medien geworden, allein bei Instagram finden sich mehr als 617.000 Fotos mit dem Hashtag #hallstatt. Ende 2018 waren es noch 200.000 weniger!

2019 kamen sogar pro Tag bis zu 10.000 Menschen.  Zwar profitieren viele Einwohner von dem Tourismus, doch mittlerweile werden die Massen zum Problem und beeinträchtigen den Alltag der Hallstätter.

Keine Seltenheit sei es beispielsweise, dass chinesische Touristen einfach ungefragt in Häuser reinspazierten oder ihre Drohnen überall steigen ließen. Viele Besucher seien vollkommen überrascht zu erfahren, dass Hallstatt kein Museumsdorf ist, sondern ein Ort, an dem Menschen wirklich leben. Der Supermarkt führe mittlerweile vor allem auf den Tourismus ausgerichtete Produkte, die zudem noch deutlich teurer seien als anderswo – überhaupt sind anscheinend fast alle Geschäfte am Ort fast vollständig auf Besucher ausgerichtet und damit angewiesen.

„Wir haben uns zu aggressiven Menschenfeinden entwickelt“

Man spricht asiatisch: Viele Hallstätter Geschäfte haben sich dem Besucher-Boom angepasst
Foto: dpa Picture Alliance

Reisebusse verstopfen mittlerweile jeden Tag rund um die Uhr die Straße, die zum autofreien Ortskern führt. Das Problem: Ein Großteil der Besucher bleibt nur wenige Stunden, eilt von einem Fotostopp zum anderen und konsumiert wenig bis nichts. Bereits jetzt gibt es Verbotsschilder, die in zahlreichen asiatischen Sprachen beschriftet sind. Eine Anwohnerin sagte der österreichischen Tageszeitung  „Der Standard“: „Wir haben uns von gastfreundlichen Menschen zu aggressiven Menschenfeinden entwickelt.“

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Um den Massen Einhalt zu gebieten, dürfen ab Mai 2020 Busreiseveranstalter nur noch mit vorheriger Anmeldung nach Hallstatt. Dadurch will man die Besucherzahl um rund ein Drittel senken. Der aktuelle „Frozen“-Hype zeigt, wie wichtig solche Maßnahmen sind. Bürgermeister Scheutz zu TRAVELBOOK: „Letztes Jahr waren fast 21.000 Reisebusse in Hallstatt. Das ist einfach viel zu viel.“ Hoffentlich bekommt der Ort durch die neuen Regelungen bald wieder genau jene Magie, wegen der er einst berühmt wurde.

 

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