22. November 2025, 7:58 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wo in Italien lebt es sich am besten? Das hat jetzt einmal mehr eine Auswertung ergeben. Das Ergebnis überrascht zwar nicht, ruft aber Kritiker auf den Plan.
Sie begeistert Mode- und Designliebhaber aus aller Welt und soll darüber hinaus auch noch ganz besonders lebenswert sein: die norditalienische Metropole Mailand wurde einmal mehr zur lebenswertesten Stadt Italiens gekürt. Die Wirtschaftszeitung „ItaliaOggi“ überprüft jedes Jahr aufs Neue Italiens Metropolregionen darauf, wo es sich ganz besonders gut leben lässt. Mailand rangiert dabei in der Regel weit oben. Kritiker zweifeln die Top-Platzierung der lombardischen Hauptstadt jedoch an.
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Übersicht
Das Ranking
Für den Bericht „Qualità della vita 2025“ untersuchten „ItaliaOggi“ und der Nachrichtendienst „Ital Communications“ in Zusammenarbeit mit Roms Universität La Sapienza italienische Städte basierend auf 92 Faktoren. Diese wurden in neun Kategorien unterteilt: Wirtschaft und Arbeit, Umwelt, Bildung, Bevölkerung, Kriminalität und Sicherheit, Einkommen und Vermögen, Gesundheit, Soziale Sicherheit sowie Tourismus und Kultur. Jede Provinz konnte bis zu 1000 Punkte erhalten, anschließend wurden die 107 Provinzen in vier Gruppen von „Gut“ bis „Unzureichend“ unterteilt.
Die lebenswerteste Stadt Italiens 2024 ist eine echte Überraschung
Die neue lebenswerteste Stadt der Welt ist gekürt
Italien insgesamt weniger lebenswert
Auf der zum Bericht gehörigen Website heißt es: „Die Lebensqualitätsrangliste 2025 zeigt, dass sich Italien im Vergleich zum Vorjahr leicht verschlechtert hat“. 30 Prozent sei der Gesamtdurchschnitt gesunken. Mailand bleibe weiterhin an der Spitze, gefolgt von Bozen und Bologna, insgesamt zeigen sich der Norden und die Mitte Italiens deutlich stärker – und damit lebenswerter – als der Süden. Gleichzeitig habe der Süden „den stärksten Rückgang zwar verringert, die Kluft aber noch nicht vollständig geschlossen“, steht im Text zum Ranking. Die Autoren erkennen „Anzeichen von Widerstandsfähigkeit“ und eine „Neuausrichtung“ und erklären: „Die Gesamtrangliste zeichnet das Bild eines Italiens mit einer Lebensqualität, die sich im Mittelfeld konzentriert“. Das Wachstum in den Großstädten verlangsame sich, die mittelgroßen Städte stiegen auf. Diese Entwicklung zeigt auch das Ranking der zehn lebenswertesten Provinzen Italiens.
Die 10 lebenswertesten Provinzen Italiens
- Mailand (1000 Punkte)
- Bozen (984 Punkte)
- Bologna (915 Punkte)
- Florenz (892 Punkte)
- Monza (890 Punkte)
- Trient (885 Punkte)
- Padua (867 Punkte)
- Verona (838 Punkte)
- Parma (815 Punkte)
- Reggio Emilia (814 Punkte)
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Ist Mailand wirklich so lebenswert?
Mailand behält im diesjährigen Ranking nicht nur seine Spitzenposition als lebenswerteste Stadt Italiens inne, es räumt auch ganze 1000 Punkte ab, also die höchste Punktzahl, die überhaupt zu erreichen war. Laut einem Artikel im italienischen Lifestyle-Portal „NSS Magazine“ deckt sich das Mailand des Berichts jedoch „nicht mit der Stadt, die von ihren Bürgern beschrieben wird.“ Zwar werde die Bedeutung der Lebensqualität durch die Zahlen bestätigt, heißt es dort, sie gerate jedoch ins Wanken, wende man sich dringlicheren Fragen zu: „Die Mieten sind untragbar hoch, junge Menschen wandern ab, weil das Durchschnittsgehalt nicht einmal mehr für ein Zimmer reicht“, heißt es dort. Entsprechend schwinde das Vertrauen in den Arbeitsmarkt, was auch eine tiefe Unsicherheit der Mailänder zeige.
„In den letzten Jahren hat sich das offizielle Bild Mailands immer weiter von der Lebensrealität derer entfernt, die die Stadt wirklich erleben“, moniert das Magazin. Steigende Preise, Rücksichtslosigkeit und Konkurrenzdruck hätten die Stadt verändert. Die geplanten Olympischen Spiele im kommenden Jahr hätten die Situation noch einmal verschärft und zu „einer der brutalsten Gentrifizierungsaktionen der letzten Jahre“ geführt. Das Magazin warnt vor einer immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich. Es gehe längst nicht mehr darum, wo es sich am besten lebe und ob Mailand die „beste“ Stadt sei. Vielmehr gehe es jetzt darum, ob sie überhaupt noch dem Bild von sich selbst entsprechen könne, ohne jene zu verlieren, die dieses zum Leben erweckt haben.