Unesco-Welterbe

Warum Augsburg so viele Wasserkanäle hat

Augsburg
Es sind 22 Stationen, für die Augsburg mit dem Weltkulturerbe-Titel ausgezeichnet wurde. Diese werden in speziellen Führungen genauer gezeigt und erklärt.
Foto: dpa Picture Alliance

Schon im Mittelalter entstand in Augsburg ein ausgeklügeltes Wassersystem. Das wurde weiter verfeinert und war einer der Faktoren für den Wohlstand der Stadt. Noch heute rauscht es an vielen Ecken.

Kein Zweifel: Ohne das Wasser wäre Augsburg heute nicht das, was es ist. Es trug maßgeblich zum Wohlstand der Stadt bei und brachte ihr dieses Jahr die Weltkulturerbe-Auszeichnung der Unesco für das alte Wassermanagementsystem.

Schon die Römer siedelten aus guten Gründen hier, am Zusammenfluss von Lech und Wertach. Sie nutzten nicht nur das saubere Gebirgswasser, sondern machten sich auch seine Kraft zunutze. Im Mittelalter bauten die Augsburger Kanäle und unterirdische Kühlschränke, leiteten das Wasser kreuz und quer durch die Stadt.

Unterwegs im Unesco-Welterbe Augsburg

Kleine Brücken und verwinkelte Häuser lassen sich bei einer Tour entlang der Lechkanäle entdecken. Der Bau des ausgeklügelten Systems begann im Mittelalter.
Foto: Foto: Martin Augsburger/Augsburger Wassermanagement System/dpa-tmn

„Alle stellen Strom für ein paar Dutzend Haushalte her“, erläutert Stadtführerin Elisabeth Retsch. Das ist im Einzelnen nicht viel, aber es summiert sich und passt ins gemütliche Stadtbild.

Fast überall in Augsburg rauscht es

190 Kilometer Kanäle verlaufen durch die Stadt
Foto: Foto: Martin Augsburger/Augsburger Wassermanagement System/dpa-tmn

Meisterleistung der Ingenieurskunst

In historischen Schriften wird das Wassersystem erstmals 1276 erwähnt. 70 Jahre später entstand das Stauwehr am Hochablass, von wo aus das Wasser des Lech in das Kanalsystem geleitet wird. Das Gebiet liegt östlich des Stadtwaldes und verbindet die Ortsteile Hochzoll und Spickel. Das Wehr sowie das 1879 dort gebaute Wasserwerk sind beliebte Ausflugsziele – und noch immer in Gebrauch.

Mehr als 450 Jahre zuvor wurde schon ein anderes Wasserwerk gebaut: Das 1416 errichtete Ensemble am Roten Tor gilt, so die Stadtführerin, „als Ingenieur-Meisterleistung für die Zeit“.

Holten die Augsburger sich bis dahin ihr Wasser kostenlos an den sieben Brunnen der Stadt, konnte es fortan genauer an verschiedene Stellen geleitet werden. 1545 dann gab es schon Wasser in den ersten Privathäusern – wenn auch eher durch Zufall und meist eher tröpfelnd als laufend. „Da war dann einfach eine Leitung zu Ende“, so Retsch.

Wasserrad

An vielen Stellen in Augsburg finden sich solche Wasserräder, mit deren Einsatz Strom erzeugt wird
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Wasser mitverantwortlich für Wohlstand

Für Oberbürgermeister Kurt Gribl ist das Wasser einer der Gründe für den Wohlstand der Stadt in Schwaben. „Augsburgs Handwerk blühte und machte die Stadt reich. Auch deshalb, weil dank eines ausgeklügelten Kanalsystems gute hygienische Verhältnisse herrschten“, sagte er, nachdem die Unesco den Welterbe-Titel verliehen hatte.

Gerber, Färber, Papiermacher und andere Gewerke, die viel Wasser brauchten und viel Abwasser erzeugten, konnten damit ihrer Arbeit nachgehen. Der Müll wurde gleich mit weggeschwemmt. Baumstämme wurden über den Wasserweg transportiert.

Und so, wie man in München das Bier in Kellern unter großen Kastanienbäumen kühlt, hat man in Augsburg schon vor mehr als 400 Jahren das kalte Gebirgswasser als Kühlschrank eingesetzt. Retsch erzählt: „Die Kanäle kühlten beim Stadtmetzger-Gebäude das Fleisch.“

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