Cap Miné in Madagaskar

Die blutige Vergangenheit eines der schönsten Strände der Welt

Blick auf den Strand
Ohne Frage ein Traumstrand. Der Küstenabschnitt am Cap Miné gilt als einer der schönsten von Madagaskar.
Foto: Joachim Hauck/dpa-tmn

Im Norden Madagaskars, an einem der schönsten Strände der Welt, erinnert kaum etwas an seine blutige Vergangenheit. Noch aber sind die verblassenden Spuren der Geschichte sichtbar.

Eineinhalb Stunden rumpelt der Jeep über die von Schlaglöchern übersäte Küstenstraße am Indischen Ozean, dann stoppt er an einem Schlagbaum. An einem kleinen Tisch hocken ein paar Soldaten, die ihre in die Jahre gekommenen Gewehre an ihr halb verfallenes Wachhäuschen gelehnt haben. Sie spielen fröhlich Karten. Gegen ein kleines Trinkgeld klappen sie die Sperre hoch.

Fischer

Ein Fischer zeigt am Cap Miné, das amtlich Cap Andranomody heißt, seinen Fang des Tages.
Foto: Joachim Hauck/dpa-tmn

Vor den Besuchern liegt nun, ausgerechnet auf Militärgelände, einer der herrlichsten Küstenabschnitte Madagaskars: Soldaten bekommen die Gäste aus aller Welt am langen, feinsandigen Strand jedenfalls nur selten zu Gesicht.

Kanone

Die Natur umhüllt die kriegerischen Spuren der Vergangenheit am Cap Miné, doch kann sie noch nicht verdecken.
Foto: Joachim Hauck/dpa-tmn

Wer einen kleinen Spaziergang macht zum alten Fort von Cap Miné, das heute amtlich Cap Andranomody heißt, der stößt aber auf Spuren einer bewegten Vergangenheit. Befestigungen mit mächtigen Kanonen zeugen von den Schrecken des Krieges.

Wichtiger Hafen im Zweiten Weltkrieg

Der Blick geht fast 80 Jahre zurück. Es ist die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Das von den französischen Kolonialherren besetzte Cap Miné an der Spitze der Bucht von Diego Suarez, das heute Antsiranana heißt, war wegen seines Naturhafens strategisch wichtig.

Die mit Nazi-Deutschland verbündeten Japaner, die in Südostasien große Bereiche erobert hatten und im Indischen Ozean dadurch sehr präsent waren, schmiedeten Angriffspläne. Der britische Generalstab bekam Wind davon und entschloss sich zu einem Präventivschlag.

Leuchtturm

Die strategische wichtige Lage machte die Bucht des heutigen Antsiranana im Zweiten Weltkrieg zum Kriegsschauplatz. Noch heute zeugen mächtige Kanonen davon.
Foto: Joachim Hauck/dpa-tmn

Waffengewalt war unvermeidlich, weil Franzosen und Engländer auf Madagaskar nicht Freunde, sondern Feinde waren – das französische Militär auf der Insel stand zu dem mit Adolf Hitler kollaborierenden Vichy-Regime. Und so prallten die in Europa miteinander verbündeten Armeen im Indischen Ozean heftig und brutal aufeinander.

Die „Operation Ironclad“

Mit mehr als 50 Kriegsschiffen und massiver Unterstützung aus der Luft starteten die Briten am 5. Mai 1942 die „Operation Ironclad“, die Operation Panzerschiff. Der Wucht der Angriffswellen hatten die Verteidiger – obwohl zahlenmäßig überlegen – wenig entgegenzusetzen. Nach zwei Tagen schon streckten sie die Waffen und zogen sich in den Süden der Insel zurück. Im November 1942 kapitulierte die Armee von Vichy-General Armand Léon Annet endgültig.

Kalksteinformationen

Tiefe Schluchten, spitze Felsen: Die Kalksteinformationen im Ankarana National Park lassen sich gut erwandern.
Foto: Madagascar National Tourism Board/dpa-tmn

Hunderte Soldaten ließen ihr Leben, Tausende wurden verletzt. Bestattet sind die Feinde von einst auf dem Soldatenfriedhof von Antsiranana, ihre Gräber werden von Franzosen und Briten gemeinsam gepflegt. In Cap Andronomody ist die Erinnerung an die Schlachten von 1942 weitgehend verblasst. Die Badegäste freuen sich vor allem über den feinen Korallensand und das kristallklare Wasser.

Und auch die jungen Wehrpflichtigen am Schlagbaum haben auf die Frage, was sie denn über die Vergangenheit des Forts wissen, nur ein freundlich-verlegenes Kopfschütteln übrig.

Infos zum Norden Madagaskars

Nationalpark Montagne D'Ambre

Sehenswert ist auch der Nationalpark Montagne D’Ambre
Foto: Karim Nari/dpa-tmn

Reiseziel: Neben Cap Miné sind die alte Kolonialstadt Antsiranana (früher Diego Suarez), das Naturschutzgebiet Ankarana Reserve und der Nationalpark Montagne D’Ambre sehenswert, der bis auf eine Höhe von 1400 Meter reicht. Zu empfehlen ist zudem ein Besuch von einer der großen Zuckerrohr- und Vanille-Plantagen des Landes.

Anreise: Direktflüge gibt es von Deutschland nicht. Verschiedene Airlines bieten aber Umsteigeverbindungen nach Antananarivo an, die Hauptstadt Madagaskars. Kreuzfahrten durch den Indischen Ozean machen häufig Station im Norden des Landes.

Formalitäten: Reisende aus Deutschland, die bis zu 60 Tage im Land bleiben, benötigen einen Reisepass und ein Visum. Dieses können sie vorab online beantragen – es kostet 45 US-Dollar (rund 41 Euro).

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