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Im italienischen Küstenort Triest

Der Strand, an dem Frauen und Männer durch eine Mauer getrennt sind

Triest getrennter Strand
Rechts die Männer, links die Frauen: So sind die Bereiche des Stadtbads in Triest eingeteilt Foto: picture alliance / Alvise Armellini/
Lena Braun
Redaktion TRAVELBOOK

22. September 2026, 16:53 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Links die Frauen, rechts die Männer: Im Stadtbad „Pedocin“, dem Bagno Marino La Lanterna, im italienischen Triest trennt bis heute eine Mauer die Geschlechter beim Sonnen. Was auf manche Besucher vielleicht befremdlich wirken mag, gilt für zahlreiche Einheimische als liebgewonnene Tradition. Der mehr als 120 Jahre alte Strand ist längst ein Stück Triester Stadtgeschichte und wohl einzigartig in Europa.

Dass das Konzept heute polarisiert, zeigte ein Vorfall im Juni 2026. Wie die italienische Zeitung „La Repubblica“ berichtet, setzte sich ein Touristenpaar aus Mailand gemeinsam in den Männerbereich des Strandbads. Als eine Stammgästin die beiden auf die Regeln aufmerksam machte, entwickelte sich daraus ein Streit. Die Frau soll die Geschlechtertrennung als „mittelalterlich“ bezeichnet haben.

Das „Pedocin“ hat Tradition seit 1903

Dabei gehört die Trennung von Männern und Frauen im Bagno Marino La Lanterna, wie das Bad offiziell heißt, erst seit 120 Jahren zum Konzept. Es wurde 1903 eröffnet, als Triest noch zur Habsburgermonarchie gehörte. Ursprünglich trennte ein Zaun die Badebereiche, später wurde daraus die berühmte weiße Mauer. Sie steht dort bis heute und hat politische Umbrüche, Kriege und gesellschaftliche Veränderungen überdauert.

Die meisten Triestiner nennen den Strandabschnitt, beziehungsweise die zwei Strandbäder, aber nur „Pedocin“. Seinen Spitznamen hat das Bagno den Einheimischen zufolge entweder von der Triester Dialektbezeichnung für Muscheln (pedoci) oder für Läuse (pedocio). So soll es in der Nähe früher eine Muschelfarm gegeben haben und österreich-ungarische Soldaten nutzten den Strand für ihre Körperpflege.

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Freiheit auf beiden Seiten der Mauer

Für viele Menschen in Triest steht die Mauer längst für etwas anderes als reine Geschlechtertrennung. Sie ist Teil einer Strandkultur, die von Generation zu Generation weitergegeben wird und für zahlreiche Stammgäste eng mit dem Gefühl von Freiheit, Privatsphäre und Unbeschwertheit verbunden ist.

Nach Informationen der Triester ist es der letzte Strand in Europa, an dem die Geschlechter sich getrennt sonnen. „Es ist vielleicht paradox, aber diese Mauer macht uns freier“, sagt die Grundschullehrerin Sabrina Pecchiari.

Frauen beschreiben Pedocin als einen Ort, an dem Äußerlichkeiten in den Hintergrund treten. Ob jung oder alt, schlank oder mit ein paar Kilos mehr, im Bikini, Badeanzug oder oben ohne: Viele Stammgästinnen schätzen die ungezwungene Atmosphäre. So schreibt eine weibliche Stimme unter dem Artikel über den „Mittelalter-Vorfall“: „Ich fand Pedocin einfach wunderbar: frei, ob man sich bedeckt oder unbedeckt, dick oder dünn. Ohne unhöfliche Blicke oder Kommentare.“

Triest getrennter Strand
Links der Mauer gehört der Strand den Frauen … Foto: picture alliance / Alvise Armellini/dpa

Auch auf der Männerseite wird die Eigenheit des Strandes häufig mit einem Augenzwinkern verteidigt. Manche scherzen, hier könne man ungestört ein Bier trinken, über Fußball diskutieren oder einfach einmal unter sich sein. Doch vor allem betrachten viele Einheimische den Strand als ein Stück lokaler Identität.

Triest getrennter Strand
… die Männer sind auf der rechten Seite der Mauer ganz unter sich Foto: picture alliance / Alvise Armellini/dpa

Hinzu kommt ein Argument, das ebenfalls in der Kommentarspalte des italienischen Zeitungsartikels oft zu lesen ist: Pedocin ist nur ein kleiner Abschnitt der Triester Küste. Zwischen Duino, Barcola und dem Stadtgebiet erstrecken sich zahlreiche weitere Badeplätze. Wer sich an der Tradition dieses Bades störe, habe genügend Alternativen.

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Treffen „an den Bojen“ statt auf dem Strand

Ganz so streng getrennt, wie es auf den ersten Blick scheint, ist Pedocin ohnehin nicht. Denn die eigentliche Besonderheit des Strandes liegt für viele Triestiner nicht in der Mauer, sondern in dem Ritual, das sich rund um sie entwickelt hat: Wer sich mit Freunden, Partnern oder Bekannten von der anderen Seite treffen möchte, schwimmt einfach hinaus zu den Bojen im Meer.

Dort begegnen sich Männer und Frauen, unterhalten sich oder verabreden sich für später. Selbst die Stammgästin, die in den Zeitungsberichten über den Vorfall im Juni zitiert wurde, verwies auf genau dieses Zusammentreffen im Wasser: „Für alle, die sich sehen möchten, gebe es schließlich die Bojen.“

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