28. April 2026, 11:20 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
An der polnischen Ostseeküste, im kleinen Ort Jarosławiec, wurde in den vergangenen Jahren ein großflächiger künstlicher Strandabschnitt geschaffen. Heute bezeichnen ihn viele als den größten seiner Art in Europa, vereinzelt sogar als das „Dubai von Polen“. Ähnlich wie in der gleichnamigen Metropole am Persischen Golf steht hier ein künstlich gestalteter Küstenraum im Mittelpunkt. TRAVELBOOK stellt das ungewöhnliche Projekt vor und erklärt, wie der Strand durch laufende Küstenschutzmaßnahmen dauerhaft erhalten wird.
Europas größter künstlicher Strand in Jarosławiec
Wenn auch heute ein beliebtes Urlaubsziel, war der Strand von Jarosławiec ursprünglich nicht explizit für touristische Zwecke geplant. Der künstlich geschaffene Küstenabschnitt entstand als Antwort auf ein wachsendes Problem: Die Ostsee griff die Steilküste bei Jarosławiec über Jahrzehnte hinweg an. Dadurch rutschten Teile des Ufers ab, was die Infrastruktur in Küstennähe zunehmend gefährdete.
Das polnische Seeamt in Stettin beschreibt auf seiner Website die eingesetzten Standardverfahren zum Küstenschutz. Dabei wird Sand aus dem Meeresboden entnommen und gezielt an die Küste gebracht. Auf diese Weise lässt sich die Erosion verlangsamen.
Der Tourismus im kleinen Dorf profitiert
Die polnische Ostseeküste ist bereits eine der wichtigsten Tourismusregionen des Landes. Jedes Jahr reisen laut dem polnischen Statistikamt Millionen Besucher in die Badeorte zwischen Świnoujście und Gdańsk, darunter viele aus dem Ausland – vor allem aus Deutschland. Lange übersehen, schlägt sich der Trend inzwischen auch in Jarosławiec nieder.
Die oben beschriebenen Küstenschutzmaßnahmen haben einen enormen Strandabschnitt hervorgebracht. In den Medien, etwa im „Polen Journal“, ist häufig von einer Fläche von rund fünf Hektar die Rede. Der als „polnisches Dubai“ vermarktete Ort mit seinem breiten, hellen Strand hat über die Jahre deutlich an Bekanntheit gewonnen.
Ergänzend zum Strand wurden in den vergangenen Jahren entlang der Steilküste in Jarosławiec touristische und gastronomische Einrichtungen geschaffen, außerdem kleinere Promenadenabschnitte und Aussichtspunkte.
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Warum der Strandabschnitt „wächst“
Der künstliche Strand selbst befindet sich weiterhin in einem fortlaufenden Pflege- und Anpassungsprozess. Denn Küstenschutz ist kein einmaliges Bauprojekt – er erfordert kontinuierliche Maßnahmen. Ursache dafür sind natürliche Einflüsse: Wind und Wellen tragen den aufgeschütteten Sand stetig wieder ab. Um den Strand zu erhalten und die Küstenabschnitte zu stabilisieren, wird deshalb regelmäßig neuer Sand an die Küste gebracht und verteilt. Dadurch „wächst“ der Strand im praktischen Sinne immer wieder nach und wirkt zeitweise breiter.
Kritik am Projekt
Man kann den Strand in Jarosławiec als Küstenschutzprojekt mit touristischem Nebeneffekt beschreiben. Zunächst sicherlich eine sinnvolle Sache, doch vergleichbare Maßnahmen stehen mitunter auch in der Kritik – insbesondere von Umweltverbänden, Meeresökologen und Fachleuten aus dem Küstenschutz.
Etwa die Europäische Umweltagentur (EEA) weist darauf hin, dass die – wenn auch weit verbreiteten – Strandaufspülungen in natürliche Küstenprozesse eingreifen. Sie verändern demnach Lebensräume und können angesichts des steigenden Meeresspiegels und stärkerer Stürme langfristig nur begrenzt wirksam sein. Zudem gelten solche Projekte als dauerhaft aufwendig, da sie regelmäßig wiederholt werden müssen, um ihre Wirkung zu erhalten.