TRAVELBOOK hat ihn getestet

Ist DAS wirklich der beste Strand Europas?

Jedes Jahr kürt die Reisewebseite Tripadvisor, basierend auf den Bewertungen der User, die besten Strände in Europa. 2019 hat es der Strand La Concha in der spanischen Stadt San Sebastián bereits zum zweiten Mal auf Platz 1 des Ranking geschafft – und das ist nicht alles: Im weltweiten Strände-Ranking belegt La Concha den 4. Platz. Aber kann ein Strand, der mitten an eine 180.000-Einwohner-Stadt grenzt, wirklich so schön sein? TRAVELBOOK wollte es genau wissen und ist ins spanische Baskenland gereist.

Als ich an der Bahnstation Amara-Donostia aussteige, deutet erstmal nichts darauf hin, dass hier irgendwo das Meer sein könnte, geschweige denn ein Strand, der die Größe von mehr als 13 Fußballfeldern haben soll. Ich bin mit dem Zug aus Bilbao gekommen, der Hauptstadt des spanischen Baskenlandes, die unter anderem für ihr spektakuläres Guggenheim-Museum bekannt ist. Und hier nun, in der rund 100 Kilometer entfernten Küstenstadt Donostia-San Sebastián, soll er sein, der laut den Tripadvisor-Usern beste Strand Europas.

Nachdem ich am Bahnhof ein paar zwielichtige Gestalten abgewimmelt habe, die mir Drogen andrehen wollen, folge ich den Schildern in Richtung „Kontxa“ – der baskische Name für Playa de la Concha, was in Deutsche übersetzt „Muschelstrand“ bedeutet, ein Hinweis auf die Halbkreisform der zugehörigen Bucht. Auf Fotos habe ich die Playa de la Concha natürlich schon gesehen, aber ein echtes Gefühl dafür, wie schön oder „gut“ ein Strand ist, bekommt man natürlich nur, wenn man selbst vor Ort ist. Deshalb bin ich hier.

Blick auf die Bucht von Donostia San Sebastiàn

Blick auf die Bucht von Donostia-San Sebastiàn
Foto: Getty Images

Der erste Eindruck

Ich laufe also los, es geht fast immer geradeaus. Nach etwa 12 Minuten, die mich durch eher unspektakuläre Straßenzüge führen, öffnet sich schließlich der Blick auf die Küste und das Meer. Ich laufe auf ein weißes Geländer zu, und plötzlich liegt sie vor mir, die Playa de la Concha. Mein erster Gedanke: Krass, wie groß dieser Strand ist! Er ist nicht nur extrem lang (1,35 Kilometer) sondern für einen Stadtstrand auch ziemlich breit (bis zu 40 Meter).

Und so dauert es auch ein paar Minuten, bis ich unten am Wasser angekommen bin. Der Sand unter meinen Füßen ist weich, hell und sehr sauber. Da es erst Anfang Mai ist und ich eine ausgesprochene Frostbeule bin, gehe ich nicht schwimmen, aber auch das Meerwasser wirkt klar und sehr sauber. Und obwohl wir am Atlantik sind, gibt es dank der halbkreisförmigen Bucht nur seichte Wellen. Die Kulisse mit der vorgelagerten Insel Santa Clara und den beiden Hausbergen links und rechts ist wirklich malerisch.

Lage in der Stadt – gut oder schlecht?

Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist es zwar schon, dass hinter dem Strand die Häuserfassaden dicht an dicht stehen, aber dafür hat man auch alle Annehmlichkeiten einer Stadt direkt zur Verfügung, also unzählige Bars, Restaurants und Geschäfte. Direkt hinter dem Strand gibt es alle 100 Meter kostenlose Umkleiden, Duschen, Toiletten und Schließfächer, und alles wirkt sehr gepflegt.

Besonders schön ist auch die breite Strandpromenade mit vielen Bänken, auf der Straßenmusiker und andere Künstler für eine tolle Atmosphäre sorgen. Direkt um die Ecke befindet sich außerdem die wunderschöne Altstadt. Hier sollte man unbedingt die berühmten Pintxos de Donostia probieren, eine besondere Art Tapas, für die die Stadt berühmt ist.

San Sebastian Strand

Hinter dem Strand ist alles Stadt
Foto: Getty Images

Wirklich der beste Strand Europas?

So beeindruckend der Strand auch ist: Bleibt die Frage, ob er denn nun wirklich der beste Europas und der viertbeste der Welt ist. Ich persönlich habe auf meinen Reisen schon weitaus schönere Strände gesehen, und die unmittelbare Lage in der Stadt muss man mögen. Aber was den Strand für viele sicherlich so besonders macht, ist die Mischung aus Optik, Service, Sauberkeit und unmittelbarer Verfügbarkeit der städtischen Infrastruktur. Außerdem sind die Menschen hier, und zwar an allen Orten, die ich im Baskenland besucht habe, sehr gastfreundlich und offen.

Die zunehmende Beliebtheit des Strandes, nicht zuletzt auch hervorgerufen durch die Top-Platzierung in den Tripadvisor-Rankings, führt natürlich auch dazu, dass immer mehr Urlauber aus der ganzen Welt nach San Sebastián kommen. Wer Einsamkeit sucht, ist hier definitiv falsch, denn selbst bei meinem Besuch im Mai, als noch kein richtiges Badewetter war, war der Strand schon recht gut besucht. Im Hochsommer, besonders zu Ferienzeiten, liegt man dicht an dicht.

Wer die Playa de La Concha in allen Zügen genießen will, sollte also bestenfalls in der Nebensaison kommen. Dann erfüllt dieser Ort tatsächlich vieles, was ihn zu einem echten Traumstrand macht – und San Sebastiàn lohnt sich allemal für einen Kurztrip übers Wochenende.

SO voll kann es an heißen Tagen am Strand von San Sebastián werden

So voll kann es an heißen Tagen am Strand von San Sebastián werden
Foto: Getty Images

Pluspunkte: Viel Platz, sauber, weicher und heller Sand, gut für Familien mit Kindern geeignet, gute Sanitäranlagen, gute Erreichbarkeit
Minuspunkte: Straßenlärm, wenig bzw. teure Parkplätze, im Sommer kann es sehr voll werden

Anreise: Die nächsten internationalen Flughäfen sind Bilbao (ca. 100 Kilometer entfernt) und Biarritz (Frankreich, ca. 50 Kilometer entfernt). Von beiden Städten aus fahren Züge nach San Sebastián, ansonsten empfiehlt sich ein Mietwagen.

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