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Österreichs unterschätzte Sommerregion?

Warum der Arlberg nicht nur im Winter begeistert

St. Anton am Arlberg ist auch im Sommer einen Besuch wert
St. Anton am Arlberg ist auch im Sommer einen Besuch wert Foto: Getty Images
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Nina Ponath FITBOOK
Freie Autorin

25. Juli 2026, 13:26 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

St. Anton am Arlberg kennen die meisten nur als Wintersport-Hotspot – dabei gibt es hier so viel mehr: grüne Almwiesen, glasklare Bergseen, spektakuläre Bike-Touren und eine Gourmetküche, bei der man einfach immer aufessen muss. Über eine Region, die viele immer noch ausschließlich mit Skiurlaub verbinden und die, wie TRAVELBOOK-Autorin Nina Ponath findet, unterschätzt wird.

St. Anton? Das war für mich lange einfach der Ort, den man aus Après-Ski-Hits kennt. Und ganz vage wusste ich, dass der Ort als eines der berühmtesten Skigebiete der Alpen gilt. Hier wurde Anfang des 20. Jahrhunderts der „Skiclub Arlberg“ gegründet, der als Wiege des alpinen Skisports gilt. Von dort aus fand die von Skipionier Hannes Schneider entwickelte „Arlberg-Skitechnik“ ihren Weg in die Welt und mit der Galzigbahn entstand schon 1937 eine der ersten modernen Seilbahnen der Alpen.

Heute zieht der Ort im Westen Tirols jedes Jahr Wintersportfans aus über 50 Nationen an. Auch sportlich sorgte die Region kürzlich erst wieder für Schlagzeilen, als verkündet wurde, dass Freeriden – spektakuläres Skifahren abseits der Pisten – als Olympiadisziplin aufgenommen werden soll. Die aktuelle Weltmeisterin kommt aus Tirol.

Viele Gründe also, die Gegend um den Arlberg herum zu kennen. Von alledem bekam ich allerdings bislang herzlich wenig mit. Eher zufällig kamen mein Freund und ich auf die Idee, einen Kurztrip nach Wien mit einer Reise nach St. Anton am Arlberg anzuhängen. Was wir da kennenlernten, kann mit Skifahren locker mithalten, wie ich finde.

Der Arlberg im Sommer

„Tirol war schon früher ein klassisches Sommer-Reiseziel“, erzählt uns unser Guide Yannick Rumler gleich zu Beginn unseres Aufenthalts. Tatsächlich kamen schon lange vor dem großen Ski-Boom des vergangenen Jahrhunderts Erholungssuchende wegen der frischen Bergluft und der beeindruckenden Natur hierher.

Erst mit dem Wintertourismus der 1970er und 1980er Jahre wurde St. Anton weltweit zum Synonym für Skifahren. Das hat den Sommer ein wenig in den Schatten gestellt – völlig zu Unrecht, wie ich finde. Wenn die Schneedecke allmählich verschwindet, kommen hier blühende Almwiesen, flüsternde Gebirgsbäche und Hunderte Kilometer Wander- und Bikewege zum Vorschein.

Der Verwallsee ist im Sommer perfekt für eine Abkühlung
Der Verwallsee ist im Sommer perfekt für eine Abkühlung Foto: Getty Images

Bike & Hike: perfekte Kombination im Überfluss

Eine Sportart habe ich in den vergangenen Jahren neu für mich entdeckt: Bike & Hike. Die Idee dahinter ist ein Kombi aus Wandern und Radfahren. Den ersten Teil der Strecke legt man entspannt mit dem E-Bike zurück und kommt damit zu neuen Orten, für die man anders erst Kilometer weit gehen müsste und die man mit einem unmotorisierten Fahrrad wahrscheinlich gar nicht erreichen würde. So spart man sich anstrengende Höhenmeter und startet erst weiter oben zu Fuß Richtung Gipfel.

Gerade in Österreich funktioniert das hervorragend. Das Land gehört europaweit zu den Vorreitern beim E-Bike und entsprechend gut ist die Infrastruktur. Rund um St. Anton gibt es zahlreiche Verleihstationen und ausgeschilderte Touren.

Besonders schön fanden wir beispielsweise die Strecke zur Konstanzer Hütte, die gemütlich entlang der Rosanna führt, oder die Tour ins Verwalltal, wo man immer wieder an kleinen Bächen und Almen vorbeikommt. Statt stundenlang Forstwege hinaufzulaufen, bleibt so deutlich mehr Energie für den eigentlichen Gipfelanstieg.

Wandern macht plötzlich richtig Spaß

Noch vor ein paar Jahren hätte ich selbst nicht geglaubt, dass ich diesen Satz einmal schreiben würde: Ich liebe Wandern!

Das Naturschauspiel, das leichte Brennen in den Beinen, das Gefühl, etwas „geschafft“ zu haben – herrlich. Die Wege sind abwechslungsreich, ständig verändert sich die Landschaft, und hinter jeder Kurve wartet ein neues Panorama.

Wir waren auf Touren mit 400 bis rund 1000 Höhenmetern unterwegs. Das ist durchaus anstrengend – genau die richtige Mischung aus sportlicher Herausforderung und Naturgenuss. Je nach Strecke verbrennt man dabei durchaus schon mal eben 900 Kalorien. Das sorgt spätestens am Abend dafür, dass man sich das mehrgängige Menü ohne schlechtes Gewissen und mit echtem Hunger schmecken lassen kann.

Das Essen schmeckt nach einem aktiven Tag doppelt so gut

Wo wir gerade beim Essen sind: Knödel in allen Variationen, würzige Käsespätzle, Kaiserschmarrn, Marillenknödel, frische Salate und regionale Produkte – eigentlich muss man über österreichische Küche nicht mehr viele Worte verlieren.

Was mir aber besonders aufgefallen ist: Nach mehreren Stunden auf dem Bike oder am Berg schmeckt einfach alles noch ein bisschen besser.

Viele Hütten setzen inzwischen auf regionale Zutaten und traditionelle Rezepte. Genau das macht den Charme aus. Statt übertriebener Sterneküche bekommt man ehrliches Essen, das perfekt zu einem Tag in den Bergen passt.

So entspannt kommt man selten in die Alpen

Als Hamburger kannte ich St. Anton tatsächlich schon lange – allerdings eher vom Namen als von eigenen Reisen. Dabei ist die Anreise überraschend unkompliziert.

Der Bahnhof von St. Anton liegt direkt an der wichtigen Westbahnstrecke. Zahlreiche Fernzüge verbinden den Ort mit Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wer aus Hamburg, Hannover oder München kommt, kann häufig sogar ohne Umsteigen anreisen. Für mich gehört das inzwischen zu den größten Pluspunkten der Region: kein kurviger Pass, keine stundenlange Autofahrt – einfach aus dem Zug steigen und mitten in den Bergen sein.

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Bergseen sind die perfekte Erfrischung

Nach einer schweißtreibenden Wanderung gibt es kaum etwas Schöneres als einen Sprung ins kalte Wasser. Rund um den Arlberg finden sich gleich mehrere glasklare Bergseen, wie zum Beispiel der Verwallsee, der mit türkisfarbenem Wasser vor einer imposanten Bergkulisse schimmert. Ebenfalls wunderschön ist der Kartellsee, der etwas versteckter liegt und fast schon wie ein kleiner Gebirgsfjord wirkt.

Natürlich kostet das Baden etwas Überwindung. Selbst im Hochsommer bleiben die Temperaturen angenehm frisch und geben einem ein Feeling von „Kneippschem Kurs“. Nach wenigen Sekunden ist die Kälte aber schon wieder vergessen und man fühlt sich sofort wieder voller Energie.

Hier merkt man, wie wertvoll Natur ist

„Guck mal, eine Orchidee.“ Ich musste zweimal hinschauen, als unser Wanderguide plötzlich auf eine unscheinbare Pflanze am Wegesrand zeigte. Tatsächlich wachsen rund um den Arlberg zahlreiche heimische Wildorchideen – insgesamt sind in Tirol mehr als 60 Orchideenarten nachgewiesen, viele davon stehen unter strengem Schutz.

Kurz darauf entdeckten wir Murmeltiere, die zwischen den Felsen verschwanden. Immer wieder hörten wir ihr typisches Pfeifen über die Almwiesen hallen. Genau solche Begegnungen machen Wanderungen für mich inzwischen so besonders.

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass die Menschen hier ihre Natur mit großem Respekt behandeln. Dazu passt auch, dass Teile Tirols am sogenannten „KLAR!“-Programm teilnehmen. Das Förderprogramm („Klimawandel-Anpassungsmodellregionen“) unterstützt Gemeinden dabei, sich frühzeitig auf die Folgen des Klimawandels einzustellen – etwa mit Projekten zum Schutz der Natur, zum Wassermanagement oder zur Anpassung an zunehmende Wetterextreme. Ziel ist es, Menschen, Wirtschaft und Landschaft langfristig widerstandsfähiger zu machen. Genau dieser vorausschauende Umgang mit den Alpen ist mir während unseres Aufenthalts immer wieder begegnet – und macht den Arlberg für mich nicht nur zu einer beeindruckenden, sondern auch zu einer zukunftsorientierten Sommerdestination.

Vielleicht wird St. Anton am Arlberg für manche immer ein Wintersportort bleiben. Umso besser für mich: Dann habe ich die schönsten Seiten nur für mich allein.

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