Der längste Straßentunnel der Welt ist 24,5 Kilometer lang und bietet nicht nur an seinen Ausgängen fantastische Aussichten. Alle Infos zum Lærdalstunnel in Norwegen.
24,5 Kilometer? Die Augen werden groß angesichts dieser Zahl auf der Tunnellängen-Anzeigentafel. Schon verschwinden Licht, Fjordlandschaften und Himmelausblicke. Und es macht sich sogleich ein etwas mulmiges Gefühl breit. Die Augen müssen sich zunächst gewöhnen und staunen fortan in dem runden Tunnelgebilde. Grau grenzt an Grau, nur kleine Parkbuchten bieten einen Ausweg, sollte das – Gott bewahre – nötig sein. Lieber nicht dran denken. Lieber stoisch nach vorn blicken und fahren. Einfach fahren. Bis zum Ende des 24,5 Kilometer langen Lærdalstunnels in Norwegen.
Der Lærdalstunnel in Norwegen
Der riesige Lærdalstunnel führt von den Schönheiten der Aurlandsfjordumgebung durch das Fjell, um in Lærdal wieder hinauszukommen (oder umgekehrt). In sich selbst eine Sehenswürdigkeit, verbindet der mautfreie Tunnel so das westliche Bergen mit Norwegens östlich gelegener Hauptstadt Oslo. Der Tunnel wurde im Jahr 2000 nach fünf Jahren Bauzeit eröffnet. Seither ist der Lærdalstunnel der längste Straßentunnel der Welt. Und doch in seiner enormen Länge nicht ganz allein. So erreichen etwa der WestConnex-Tunnel im australischen Sydney mit 22,4 Kilometern und der Tianshan-Shengli-Tunnel in China mit 22,1 Kilometern ähnliche Längen. Und wer in Norwegen mit dem Auto unterwegs ist, ist ohnehin innerhalb kürzester Zeit an Tunnelfahrten gewöhnt, führt jede längere Strecke unweigerlich durch mehrere dieser Unterbergpfade. Da macht es für das innere Gefühl kaum einen Unterschied, ob man nun 16, 20, 22 oder 24 Kilometer durch den Berg statt um ihn herum oder über ihn hinweg fährt.
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Was macht den Lærdalstunnel also so besonders? In erster Linie ist es natürlich der Superlativ – der längste Straßentunnel der Welt soll etwas heißen. Das Besondere an diesem Tunnel, so sehe ich es zumindest, ist jedoch neben der Länge seine Lichtershow. Die hat längst nicht nur meine Vierjährige begeistert. So haben sich die Gestalter dieses Tunnelmonstrums etwas wirklich Hübsches einfallen lassen: eine bezaubernde Lichtershow, die mehrere Tunnelhöhlen in verschiedenen Farben erstrahlen und als wahre Zauberlandschaften erscheinen lässt. Kein Wunder, dass auf dem Rücksitz die Frage aufkam, ob es hier Feen gibt, erschien das funkelnde Lichtermeer inmitten des Dunkels mehr als nur ein wenig magisch.
Lichtershow im Laerdalstunnel Foto: Getty Images
Außer der Lichtershow im Innern des Tunnels verspricht die E16-Route mit ihrem Lærdalstunnel etliche weitere Besonderheiten, die diese Strecke selbst bei Tunnelangst lohnenswert machen. Der vielleicht faszinierendste dieser Wegbegleiter ist meiner Meinung nach der Aurlandsfjord, der bestens vom Stegastein aus bestaunt werden kann. Die bogenförmige Aussichtsplattform erreicht man über eine enge und kurvenreiche Straße, an der sich das Miteinander der nach oben und unten fahrenden Fahrzeuge oftmals nur über freundliches An-den-Rand-Fahren bis hin zu rückwärts wieder Hochfahren und Handzeichen lösen lässt. Eine andere beliebte Sehenswürdigkeit in Tunnelnähe ist zudem die gut 800 Jahre alte Stabkirche Borgund in Lærdal.
Der Stegastein nahe des Laerdalstunnels bietet fantastische Ausblicke über den Aurlandsfjord Foto: Anna Chiodo (früher Wengel)
Der Lærdalstunnel darf sich voraussichtlich nur noch ein paar Jahre längster Tunnel der Welt nennen. Sofern ihm nicht noch ein anderer zuvorkommt, stößt den im südlichen Zentrum Norwegens befindlichen Tunnel voraussichtlich ein Landsmann vom Thron. Im Süden des Landes entsteht unter dem Boknafjord in der Region Rogaland aktuell der Rogfast-Tunnel. Dieser soll 27 Kilometer lang werden und bis zu 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegen, wie unter anderem der „Focus“ berichtet. Der Unterwassertunnel ist Teil eines Plans, eine Verbindung zwischen Kristiansand und Trondheim zu schaffen, die ohne Fähren auskommt. Dadurch sollen die Fahrtzeiten deutlich verkürzt und die Wirtschaft angekurbelt werden.
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