13. Juli 2026, 17:13 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
TRAVELBOOK-Autorin Anna Chiodo (früher Wengel) war drei Wochen in Norwegen unterwegs und hat dabei verschiedene Unterkünfte genutzt. Hier erklärt sie, welche Unterkunft in dem skandinavischen Land ihrer Meinung nach die beste ist.
Drei Wochen Norwegen, sieben Standorte. Während einer Reise durch den Süden des skandinavischen Landes im Juli haben meine Familie und ich fast jede Unterkunftsart ausprobiert. Wir sind mit unserem Minivan losgefahren und haben auf Campingplätzen sowie wildcampend in der Natur geschlafen. Wir mieteten ein zentrales Apartment sowie ein Stadthaus am Rand von Oslo. Auf der Insel Askøy bei Bergen übernachteten wir in einer Fischerhütte mit Blick auf den Fjord. Die Erfahrungen waren verschieden. Allesamt jedoch gut. Doch welche Unterkunft in Norwegen lohnt sich nun am meisten?
Unterkünfte im Überblick
Fischerhütte mit Wasserblick
Die erste Unterkunft, die überhaupt feststand, war eine hübsche kleine Fischerhütte mit Blick aufs Wasser. So hatte ich mir Norwegen vorgestellt, so wollte ich es erleben. Das Häuschen war urig und klein – eine Dachkammer zum Schlafen, Wohnzimmer, Küche mit Esstisch, Bad und Durchgangsraum mit Waschmaschine. Es stand auf einem größeren Grundstück, das mich mit immer neuen Inspirationen für unser zukünftiges Eigenheim versorgt hat. Allen voran jedoch dieser: ein riesiges Fenster zum Fjord, an dem ich tagein, tagaus saß, Kaffee trank, las, schrieb und mit meinem Kind spielte. Ich konnte kaum genug bekommen von diesem Blick. Kurzum: ein wahrgewordener Traum in meiner Suche nach ein bisschen mehr innerer und äußerer Ruhe.
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Wildcamping in Norwegen – ein neuaufgelegter Traum
Bevor es in meinem Leben Mann und Kind gab, war Vanlife ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Auch seit die beiden mit dabei sind, gab es ein paar Reisen in kleinen und großen Vans. Immer wieder bin ich und sind wir in den vergangenen Jahren dabei jedoch auf Schwierigkeiten gestoßen. So erschwerten Restriktionen etwa in Neuseeland (TRAVELBOOK berichtete) das spontane Wildcampen oder verboten es ganz. Entsprechend vorgewarnt kam ich in Norwegen an – und sah mich plötzlich meine 2008er-Vanreise quasi wiederholend: Das skandinavische Land erlaubt heute noch, was damals im Campertraumland Neuseeland möglich war. Fast überall durften wir einfach stehen. Nicht nur im Van, auch Zelte waren erlaubt. Vielerorts gab es (saubere) Toiletten und Waschmöglichkeiten, Entsorgungsstationen usw. Es war plötzlich wieder einfach – und fast genauso schön.
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Campingplätze
So sehr ich das freie Camping irgendwo in schönster Natur (im Van) liebe, Campingplätze mag ich in der Regel nicht. Zu voll, zu laut, zu eingepfercht, mitunter dreckig. Es gibt einige Gründe. Umso positiver hat mich Norwegen auch hier überrascht. Wir haben auf zwei Campingplätzen übernachtet, beide direkt am Wasser. Der eine leerer, der andere sehr voll, waren beide erstaunlich ruhig. Statt dröhnender Bässe, betrunkener Gäste oder anderweitig gearteter Lautstärke, hielt sich das gesamte Campingvolk auch hier an die norwegischen Ruheriten. Man ließ sich in Ruhe, machte sein eigenes Ding. Selbst die drumherum spielenden Kinder ließen sich irgendwie von dieser allgemeinen Gelassenheit anstecken.
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Stadtleben in Wohnung und Haus
In Oslo hatten wir schon im Vorhinein das hübsche Apartment einer norwegischen Autorin gemietet – und ich fühlte mich direkt zu Hause, sah alles aus, als hätte ich es selbst eingerichtet. Hinzu kamen hohe Decken, Blick in den Himmel, kurzum: Auch diese Unterkunft habe ich geliebt. Mindestens genauso begeistert war meine Tochter: Nicht nur gab es eine riesige Kiste voller Spielsachen, das Highlight (vielleicht des ganzen Urlaubs) war für sie das dreistöckige Hochbett, das bis an die meterhohe Zimmerdecke reichte. Das Haus selbst stand in St. Hanshaugen, einem zentralen Stadtteil von Oslo, und bot uns somit die Möglichkeit, die hübsche norwegische Hauptstadt zu Fuß zu erkunden.
Oslo-Unterkunft Nummer zwei war ein Haus im Süden von Nordstrand – und ein Ausprobieren, wie sich das Leben in Oslo vielleicht anfühlen könnte. Auch dieses war wie das vorherige keine klassische Ferienunterkunft, sondern eine, die normalerweise von einer norwegischen Familie bewohnt wird. Eingerichtet im unaufgeregten, klassisch skandinavischen Stil, fühlte es sich ein bisschen an wie das Leben in einem schicken Möbelgeschäft. Blickte man jedoch hinter die Kulissen beziehungsweise Küchenschranktüren, zeigte sich hier ein ganz normaler Familienalltag.
Fazit: Welche Unterkunft lohnt sich in Norwegen besonders?
Nach dieser mehr oder minder kurzen Vorstellung der Unterkunftsarten, zurück zur Frage, welche Unterkunftsform sich in Norwegen am meisten lohnt – Camping, Hütte oder Ferienwohnung.
In Kurzform: Keine lohnt sich mehr als die andere. Es kommt schlicht darauf an, was für einen Urlaub man sich wünscht. Ich persönlich kann allen, die das Land bereisen wollen, empfehlen, es so zu machen, wie wir es auch ausprobiert haben: mit einer Mischung aus Unterkünften. Wir haben es in Oslo geliebt, eine klassische Stadtwohnung zu haben, haben es geliebt, stundenlang in der Ruhe des Fjords und unserer Fischerhütte nahe Bergen zu sein, und auch, mitten in der Natur und mit Blick aufs Wasser im Van aufzuwachen. Da wir eine Mischung aus Naturruhe und Stadtleben wollten, war es so genau richtig. Die Fischerhütte war vielleicht meine liebste Unterkunft in Norwegen, Oslo-Apartment und Wildcampen würde ich aber auch nicht missen wollen.
Wer sich in erster Linie einen Natururlaub wünscht, der kann in Norwegen gut wild campen. Wer lieber auf Campingplätze geht, findet nicht nur eine große Auswahl, sondern auch viele schöne Plätze, auf denen es neben normalen Stellplätzen oft auch Hütten gibt. Wer ein bisschen mehr, aber zugleich minimalistischen Komfort möchte, kann sich gut eine Hütte am Fjord mieten, davon gibt es etliche. Und wer für eine Städtereise nach Oslo kommt, ist gut mit einer zentral gelegenen Wohnung beraten. Aber auch ein bisschen außerhalb ist in Oslo nicht weit weg. Ein Tipp: Norwegen ist im Vergleich zu Deutschland weiterhin recht teuer, besonders was Lebensmittel und Restaurantbesuche angeht. Wer also auf sein Reisebudget achten möchte oder muss, ist gut beraten, sich eine Unterkunft mit Kochmöglichkeiten zu suchen.