21. September 2026, 10:13 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
In der spanischen Stadt A Coruña in Galizien steht mit dem Torre de Hércules der älteste Leuchtturm der Welt. Von den Römern vermutlich bereits im zweiten Jahrhundert nach Christus erbaut, tut er auch heute noch seinen Dienst. Kein Wunder also, dass sich um das UNESCO-Welterbe auch zahlreiche Legenden ranken. Und diese stammen keinesfalls nur aus Spanien.
Auf einem exponierten Punkt über dem Meer steht seit fast 2000 Jahren bei der spanischen Stadt A Coruña in Galizien ein ganz besonderes Monument. 55 Meter ragt es stolz in den Himmel und hat im Laufe seiner Existenz vermutlich tausende von Leben gerettet. Die Rede ist von dem imposanten Leuchtturm Torre de Hércules. Vermutlich bereits im zweiten Jahrhundert nach Christus unter dem römischen Kaiser Trajan erbaut, ist er noch heute in Betrieb und damit der älteste Leuchtturm auf der ganzen Welt. TRAVELBOOK erzählt seine erstaunliche Geschichte und berichtet auch von den zahlreichen Legenden, die sich um das Leuchtfeuer ranken.
Laut der offiziellen touristischen Website „Visitar Galicia“ beginnt die Geschichte des Torre de Hércules, also des Herkulesturms, bereits am Ausgang des ersten zum zweiten Jahrhundert. Das tatsächliche Jahr des Baubeginns an dem Orientierungspunkt für Seefahrer lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Dafür aber einige andere Dinge. So ist zum Beispiel der Name seines Architekten bekannt. Es handelte sich dabei um einen Portugiesen namens Gaio Sevio Lupo aus Coimbra, der seinen Namen in den Stein des Gebäudes gravierte. A Coruña war zur damaligen Zeit eine römische Siedlung mit dem Namen Brigantium und wegen ihrer Lage zwischen Atlantik und Mittelmeer ein wichtiger Handelsposten. Wären da nicht die unzähligen Schiffbrüche gewesen, die Seeleute vor der Küste immer wieder ereilten.
Vom Leuchtturm zur Verteidigungsanlage
Um genau diese künftig zu verhindern oder zumindest zu begrenzen, baute man also den Torre de Hércules. Schon damals maß er um die 50 Meter Höhe, eine beachtliche bauliche Leistung für diese Zeit. Nach dessen Inbetriebnahme steigerte sich in der Folge der Schiffsverkehr in der Region rapide und machte A Coruña/Brigantium zu einem der wichtigsten Hafengebiete der gesamten Epoche. Der Leuchtturm wurde zur damaligen Zeit mit Feuer betrieben. Mit dem Untergang des Römischen Reiches, der sich im fünften Jahrhundert vollendete, schien auch die Geschichte des Herkulesturms zu einem vorzeitigen Ende zu kommen. Doch tatsächlich weist er auch heute noch Schiffen auf der Passage durch die Region den sicheren Weg durch das Wasser.
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Der offiziellen touristischen Website von Galizien zufolge begann aber nach dem Ende der Römerherrschaft zunächst ein Verfall des Torre de Hércules. Germanische Stämme fielen zunehmend in das Gebiet ein, der Schiffsverkehr kam irgendwann zum Erliegen, der Leuchtturm verlor damit an Bedeutung. Wahrscheinlich ist allerdings, dass er auch in dieser Zeit zumindest noch als Orientierungspunkt für die germanischen Seeleute diente. Als ab dem 9. Jahrhundert immer wieder die Normannen in die Region einfielen, baute man das Gebäude irgendwann zu einer Verteidigungs-Anlage aus. Archäologische Funde belegen, dass sich darin auch eine Küche befunden haben muss. Im 13. Jahrhundert schließlich wurde der Turm mit der Gründung der Stadt Crunia, heute A Coruña, vorübergehend aufgegeben.
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Abbruch und Wiederaufbau
In der Folge diente er zeitweise sogar als Steinbruch, da sein hochwertiges Material beim Bau von Befestigungsanlagen gefragt war. Für das 16. Jahrhundert ist belegt, dass der Torre de Hércules als „Alte Burg“ bekannt war und auch weiterhin als Aussichtsposten genutzt wurde, um vor Gefahren vom Meer aus zu warnen. Die Turmwächter wurden von der Stadt bezahlt. 1553 verbot der Stadtrat die weitere Entnahme von Gestein zu baulichen Zwecken und im 17. Jahrhundert schließlich erlangte der Herkulesturm seine Funktion als Leuchtturm zurück. Ab 1684 setzte man ihn aufwendig wieder instand und verbesserte im Laufe der folgenden Jahre und Jahrhunderte immer weiter seine Technik.
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1788 begannen schließlich auf Anordnung von König Karl III. die Renovierungsarbeiten an dem Torre de Hércules, wie er sich auch heute noch Betrachtern präsentiert. Die Maßnahmen unter dem Militäringenieur Eustaquio Giannini waren 1790 abgeschlossen. Zwischen 1799 und 1806 erhielt er erstmals ein drehbares Leuchtfeuer mit Öllampe. Diese ersetzte man 1927 jedoch, als der Leuchtturm elektrifiziert wurde. Seit 2009 ist er offiziell als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt und generell eine der beliebtesten Touristenattraktionen in ganz Galizien. Heute gilt er als der älteste noch in Betrieb befindliche Leuchtturm auf der ganzen Welt. Die Stadt A Coruña trägt ihn als Symbol in ihrem Wappen.
Legenden um das Monument
Es verwundert nicht, dass sich um ein solch epochales Monument auch zahlreiche Legenden ranken. Zum Beispiel die, wie der Torre de Hércules zu seinem Namen gekommen sein soll. Laut der offiziellen Website der Stadt bekämpfte der mythische Held Herkules hier einst den bösen Riesen Geryon, der das Land terrorisierte. Er besiegte ihn schließlich in einem dreitägigen Kampf, enthauptete ihn und begrub seinen Feind am Meer. Als Zeichen seines Triumphes errichtete er an derselben Stelle einen Leuchtturm. Sodann gründete er die Stadt Crunia, benannt nach der ersten Frau, die sich dort niedergelassen haben soll und in die er verliebt war.
Eine andere Mär um den Turm führt uns gar nach Irland und erzählt von dem keltischen Helden Breogán. Demnach soll dieser einst die Region erobert und daraufhin den Torre de Hércules gebaut haben, den er aber nach sich selbst Breogán-Turm taufte. Sein Sohn war es dann, der nach seinem Tod von der Spitze des Turmes aus das erste Mal Irland erblickte. Und sogleich auszog, um es zu erobern. Doch erst dessen Sohn wiederum gelang schließlich die Einnahme der Grünen Insel. Die Verbreitung dieser Legende wurde im 17. Jahrhundert durch die in Spanien gegründeten irisch-katholischen Kollegien gefördert. Auf der offiziellen Website von A Coruña gibt es diese und noch weitere Sagen um den Turm zum Nachlesen.
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Wer den Torre de Hércules einmal selbst besuchen möchte, hat dazu das ganze Jahr über Gelegenheit. Der normale Eintrittspreis beträgt drei Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Bei starkem Wind bleibt der Turm aber geschlossen.