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Predigtstuhlbahn

Deutschland hat die einzige denkmalgeschützte Seilbahn der Welt

Predigtstuhlbahn
Die Reichenhall mit Predigtstuhlbahn ist die älteste noch im Original erhaltene Seilbahn der Welt und verkehrt seit 1928. Seit 2006 steht sie unter Denkmalschutz. Foto: picture alliance / SZ Photo
Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

16. September 2026, 11:08 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

In der bayerischen Salzstadt Bad Reichenhall fährt seit beinahe 100 Jahren eine ganz besondere Gondel auf den Hausberg Predigtstuhl. Noch im Original erhalten, bringt die Predigtstuhlbahn seit 1928 Gäste nach oben. Heute ist sie wegen dieses Status die einzige Seilbahn auf der ganzen Welt, die unter Denkmalschutz steht. TRAVELBOOK erzählt die Geschichte der „Grande Dame der Alpen“.

Laut der offiziellen Seite der Predigtstuhlbahn beginnt ihre Geschichte 1928. Das heißt, eigentlich beginnt sie schon ein paar Jahre früher. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges litt der ehemals stolze Kurort Bad Reichenhall unter Besucherschwund. Alois Seethaler vom Hotel Axelmannstein und Kurdirektor Josef Niedermeier konsultierten daher bereits 1926 und 1927 diverse Experten, wie man diesen Missstand beheben könne. Einer von ihnen war der Ingenieur Alois Zuegg, seines Zeichens der Erfinder der modernen Seilschwebetechnik, eines damals revolutionären Durchbruchs. Von ihm ist bekannt, dass er in Bezug auf seine spätere Seilbahn-Schöpfung sagte: „In Rücksicht auf das anspruchsvolle Kurpublikum von Bad Reichenhall darf es nicht an Eleganz und Bequemlichkeit fehlen.“

Wahrzeichen der Stadt

Der Erfinder tat sich in der Folge mit dem Fabrikanten Adolf Bleichert zusammen, dem damaligen Weltmarktführer in Sachen Seilbahnbau. Als Architekten für das Projekt Predigtstuhlbahn konnten sie Wilhelm Kars gewinnen, Direktor der Firma Hochtief. Dieser baute zur selben Zeit auch noch mit der Ammerbrücke Echelsbach die damals am weitesten gespannte Melan-Bogenbrücke der Welt. Mit dem „System Bleichert-Zuegg“ perfektionierte man den Seilbahnbau, was schließlich in der Konstruktion des sprichwörtlichen Meisterwerkes in Bad Reichenhall gipfelte.

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Im Juli 1928 nahm die Predigtstuhlbahn unter großer Euphorie und Beachtung der weltweiten Presse ihren Betrieb auf. Zeitungen lobten damals die Geschwindigkeit, Lautlosigkeit und Sicherheit der Seilbahn. Schon bald entwickelte sich Bad Reichenhall ob des neuen Wahrzeichens wieder zu einem Treffpunkt der internationalen Bohème. Die Gondel wurde ein derartiger Erfolg, dass Adolf Bleichert nach demselben Prinzip noch zwei weitere Bahnen baute, die, genau wie die Predigtstuhlbahn, noch heute in Betrieb sind. Und zwar nicht irgendwo, sondern in bzw. bei Barcelona. Bei dem einen Vehikel handelt es sich um die Bahn zum Benediktinerkloster Montserrat, bei dem anderen um die Hafenseilbahn der bei Touristen überaus beliebten Stadt.

Bis heute unverändert im Einsatz

Die Predigtstuhlbahn erwies sich im Laufe der Zeit als das technische Wunder, als das man sie damals beim Bau geplant hatte. Tatsächlich ist sie auch heute immer noch im Original erhalten, und damit die älteste Seilbahn der Welt dieser Art. Seit 2006 steht sie unter Denkmalschutz und ist damit die einzige aktive Gondel überhaupt, die dieses Prädikat trägt. Sogar ihr originales Tragseil von 1928 ist bis heute im Einsatz. Mit einer Leistung von 150 PS bringt sie Gäste mit 18 km/h Geschwindigkeit auf den Gipfel des Bad Reichenhaller Hausbergs. Sie überwindet dabei auf einer Strecke von 2380 Metern eine Höhendifferenz von 1140 Metern und eine maximale Steigung von 75 Prozent.

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Bei einer Wartung der Predigtstuhlbahn im Jahr 2023 erneuerte man Laufwerke und Kabinen, die dafür originalgetreu in Österreich bzw. Italien nachgebaut wurden. Heute nutzen pro Jahr etwa 60.000 Gäste die älteste noch im Urzustand erhaltene Seilbahn der Welt. Dass es nicht mehr sind, liegt wahrscheinlich auch an dem mehr als stattlichen Preis für die Nutzung der „Grande Dame der Alpen“. Erwachsene zahlen für eine Berg- und Talfahrt aktuell 57 Euro, Kinder bis 16 Jahre immerhin noch 39 Euro.

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