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In Deutschland kann man sich auf Fußball-Friedhöfen beerdigen lassen

Fußball-Friedhöfe
Diese Luftaufnahme zeigt den Fan-Friedhof des deutschen Fußball-Vereins Schalke 04. Er wurde 2012 eröffnet und ist nur eine von mehreren dieser Grabstätten in Deutschland. Foto: picture alliance / blickwinkel/H. Blossey
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

27. März 2026, 17:23 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Liebe bis in den Tod und darüber hinaus: In Deutschland bieten gleich mehrere Fußball-Vereine ihren Fans an, sich auf speziellen Club-Friedhöfen beerdigen zu lassen. Hier ruht man mitunter sogar neben echten Team-Legenden, weswegen sich die ungewöhnliche Bestattung seit Jahren einiger Beliebtheit erfreut. International ist der „Zulauf“ mitunter sogar noch weitaus größer. TRAVELBOOK über das Konzept und die Preise für die ewige Ruhe.

Woche für Woche pilgern in ganz Deutschland Fans in die Fußball-Stadien, um ihren Verein bei einem Match zu unterstützen. Und während auf dem Rasen die Helden versuchen, den nächsten Sieg für ihre Anhänger einzufahren, stimmen diese auf den Rängen lautstark Gesänge an. Die sind mitunter lustig, oft martialisch, manchmal leider auch ziemlich daneben. Einige handeln aber auch davon, dem Lieblings-Club bis in den Tod und darüber hinaus treu sein zu wollen. Vielleicht waren es ja diese Hymnen, die gleich mehrere deutsche Mannschaften in der jüngeren Vergangenheit dazu bewegten, spezielle Fan-Friedhöfe zu eröffnen. Ein eigenwilliger Trend, der aber international längst ein Erfolgskonzept ist.

Laut der „Deutschen Welle“ existiert der erste deutsche Fußball-Friedhof bereits seit 2008. Eröffnet wurde er in der Hansestadt Hamburg, wo sich seitdem besonders treue Anhänger des örtlichen Hamburger Sportvereins (HSV) in unmittelbarer Stadion-Nähe bestatten lassen können. Fällt in der Arena ein Tor für die Heim-Mannschaft, kann man den Jubel bis auf den Gottesacker hören. Hier auf ewig zu ruhen ist ein ziemlich exklusives „Vergnügen“, denn es gibt gerade einmal 150 Fan-Plätze auf dem HSV-Friedhof. Über 1904 Plätze dagegen verfügt die Vereins-eigene Grabstätte des FC Schalke 04, deren Areal 5000 Quadratmeter groß ist. Die Anzahl der Gräber hier bezieht sich auf das Gründungsdatum des Clubs am 4. Mai 1904.

Schon zu Lebzeiten reservieren

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Auch in Hamburg kann man sich auf einem eigenen Fan-Friedhof bestatten lassen Foto: Marcus Brandt

Auch die Fußball-Vereine Borussia Mönchengladbach, Rot-Weiß Essen und die Spielvereinigung Greuter Fürth haben eigene Fan-Friedhöfe, die teils in unmittelbarer Stadion-Nähe liegen. Ein weiteres Privileg: Mitunter liegt man auf einem der Fußball-Plätze für die ewige Nachspielzeit sogar neben einer echten Club-Legende begraben. So ist etwa auf der Schalker Ruhestätte die Club-Ikone Reinhard „Stan“ Libuda beerdigt. Ganz günstig sind diese besonderen „Liegeplätze“ aber nicht. So kostet eine Grabstelle auf dem Fußball-Friedhof des FC Schalke laut Vereins-Webseite ab 2800 Euro, zuzüglich städtischen Gebühren und Kosten für den Bestatter.

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Dafür bekommen Hinterbliebene aber auch ein Rundum-Paket. Dieses beinhaltet unter anderem die Grabpflege und -Instandsetzung über einen Zeitraum von 25 Jahren. Die Bepflanzung und Behebung eventueller Schäden sind ebenfalls enthalten. Wer sicher gehen möchte, auch wirklich ganz nah bei seinem Herzens-Verein bestattet zu werden, kann sich einen Platz auf einem Fußball-Friedhof sogar schon zu Lebzeiten reservieren. Etwas ganz Besonderes bietet der Betreiber des FC Schalke-Mausoleums an. Sozial schwache Fans erhalten hier mitunter kostenlos eine Grabstätte.

Internationaler Trend

Fußball-Friedhöfe
Eröffnung des Vereinsfriedhofes der Boca Juniors auf dem Gelände des Privatfriedhofs Iraola bei Buenos Aires im Jahr 2006 Foto: DB Mareike Aden

Wer auf dem Club-Friedhof des Hamburger Sportvereins beerdigt werden möchte, muss dagegen richtig die in die Tasche greifen. Die günstigste Grablege in einer Urne kostet laut offizieller Webseite ab 8800 Euro, das teuerste der tatsächlich so benannten „Alles-erledigt-Pakete“ ist ab 25.400 Euro zu haben. Auch hier sind die Grabpflege und die Friedhofsgebühren inkludiert. Deutlich preiswerter ist die Fan-Bestattung bei Greuter Fürth zu haben. 80 Euro jährlich zahlt man für ein Urnengrab, 160 Euro für einen Sarg. Die Laufzeit beträgt zunächst einmal zehn Jahre. Der Fußball-Friedhof von Borussia Mönchengladbach ist ein Kolumbarium. Das heißt, hier werden nur Urnen beigesetzt. Insgesamt 48 Plätze hat er. Rot-Weiß Essen bietet seinen Fans insgesamt Platz für 60 Urnen und 20 Särge auf der eigenen Ruhestätte an.

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Auch international ist es längst ein Trend, sich als treuer Anhänger eines Vereins auf dessen Fußball-Friedhof begraben zu lassen. Der argentinische Club Boca Juniors bietet seinen Getreuen genauso eine Club-nahe Bestattung an wie der brasilianische Verein Corinthians São Paulo. In den Stadien der spanischen Teams von Barcelona, Madrid und Sevilla gibt es Grabnischen für Fan-Urnen. In England, dem Mutterland des Fußballs, geht man mitunter gar noch einen Schritt weiter. So ist es dort zum Beispiel beim Team der Queens Park Rangers Tradition, die Asche besonders treuer Anhänger gleich auf dem Rasen des tatsächlichen Spielfeldes zu verteilen. In Deutschland wäre diese besondere Art der Bestattung wegen der Friedhofspflicht nicht gestattet.

Bei der Friedhofsgärtnerei Rehder GmbH, die den Gottesacker des Hamburger Sportvereins betreibt, heißt es auf TRAVELBOOK-Nachfrage: „Prinzipiell sind die Grabstätten gut angefragt. Wir hätten es uns allerdings noch etwas belebter vorgestellt. Viele Fans wissen offenbar bis heute nicht, dass ein solches Konzept für eine Bestattung überhaupt existiert.“ Auf die Preise für Beerdigungen angesprochen heißt es: „Wir bieten verschiedene Pakete zu marktweit vergleichsweise sogar günstigen Konditionen an. Man darf nicht vergessen, das Ganze ist ja kein Handyvertrag. Dahinter steckt die Arbeit von echten Menschen.“ Und am Ende eines Lebens die Möglichkeit für Fans, ihrem Verein wirklich bis über den Tod hinaus treu zu sein.

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