1. Dezember 2025, 6:46 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Marktkirche zum Heiligen Geist in dem Harz-Ort Clausthal-Zellerfeld ist die größte Holzkirche Deutschlands. Sie blickt zurück auf eine jahrhundertelange bewegte Geschichte, die mit einer Katastrophe begann. Heute ist das Gotteshaus eine der bedeutendsten Touristenattraktionen in der Stadt – und entging im Sommer 2025 nur knapp seiner Zerstörung.
Wer Clausthal-Zellerfeld besucht, der kommt an ihr sprichwörtlich nicht vorbei: Auf einem nach ihr benannten Platz thront, in himmelblauer Farbe angestrichen, mit der Marktkirche zum Heiligen Geist so etwas wie das inoffizielle Wahrzeichen der niedersächsischen Stadt. Doch nicht nur ihr Äußeres ist ungewöhnlich, sondern auch ihre Bauweise, ist sie doch das größte hölzerne Gotteshaus in ganz Deutschland. Doch, dass hier heute noch, bzw. wieder, Messen und Konzerte stattfinden können, grenzt an ein Wunder. Oder vielleicht könnte man in diesem Fall auch sagen: Göttliche Fügung.
Die Geschichte der Marktkirche beginnt laut der Tourismus-Seite „Harz Travel“ im Jahr 1639, als ihr Bau in Auftrag gegeben wird. Bereits fünf Jahre zuvor war im September 1634 bei einem Brand ein Drittel der damaligen Stadt Clausthal zerstört worden, auch die alte Kirche war den Flammen zum Opfer gefallen. Die Finanzierung für das neue Gebäude trugen damals zu einem großen Teil die Bergwerke, die vor Ort sehr gewinnbringend operierten. Die Stadt selbst hätte damals nicht das Geld für den Neubau gehabt, und so halfen weltliche Spenden bei dem Bau der heute größten Holzkirche Deutschlands.
Platz für bis zu 2000 Gläubige
57 Meter lang und 26 Meter breit ist die Marktkirche, die Platz für bis zu 2000 Gläubige bietet. Sie ist in Fachwerk-Bauweise komplett aus Fichten- und Eichenholz errichtet. Der auffällige Anstrich hat einen besonderen Grund, denn Blau galt zur damaligen Zeit als Farbe der göttlichen Weisheit. Nachdem sie im Laufe der Jahrhunderte auch andere Grundierungen hatte, erstrahlt die Marktkirche heute wieder in ihrer Urfarbe. Ihr Glockenturm ist 30 Meter hoch und diente in damaliger Zeit nicht nur dem Gotteshaus, sondern auch dazu, für die Bergleute den Beginn wie auch das Ende ihrer Schicht sprichwörtlich einzuläuten.
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Die Marktkirche gilt heute als eines der bedeutendsten Denkmäler des norddeutschen Barock, was auch ihrem prunkvollen Altar und der vor Kurzem erst aufwendig renovierten Orgel zu verdanken ist. Am Pfingstsonntag 1642 wurde sie nach dreijähriger Bauzeit eingeweiht. Den Altar, die Kanzel und die Taufgruppe stammen von dem damals hochgeschätzten Schnitzmeister Andreas Gröber. Dem „NDR“ zufolge hat das Gotteshaus fünf Treppenhäuser, die jeweils zu seinen Emporen führen. Seit einem Umbau im Jahr 1649, als das Kirchenschiff um 12 Meter verlängert wurde, ist die Marktkirche bis heute nahezu unverändert.
Es war Brandstiftung
In den 1990er Jahren wurde eine aufwendige Renovierung durchgeführt, die umgerechnet den heutigen Wert von fast 10 Millionen Euro verschlang. Auch diesmal erhielt die Kirche dabei Unterstützung von Bund, Land und verschiedenen Stiftungen, die 40 Prozent der Kosten trugen. Erst vor einigen Jahren konnte man nach Abschluss der Arbeiten auch eine neue Orgel mit 5000 Pfeifen einbauen, die dem Original aus der Barockzeit ähnelt. Eine Mitarbeiterin der Touristeninformation Clausthal-Zellerfeld sagt auf TRAVELBOOK-Anfrage: „Die Marktkirche ist ein wichtiger Besuchermagnet in unserer Stadt. Wir sind sehr stolz auf sie.“
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Touristen, die in die Stadt kämen, fragten auch immer mit als Erstes nach der Marktkirche. Im Juli 2025 dann der Schock, als das Gotteshaus in einer Juli-Nacht plötzlich lichterloh in Flammen stand. Die örtliche Feuerwehr konnte den Brand aber glücklicherweise löschen, doch der Dachstuhl und die östliche Seite des Gebäudes wurden teils zerstört. „Zum Erntedankfest hatte die Kirche jetzt das erste Mal seitdem wieder geöffnet. Der Schaden war zum Glück nicht so massiv.“ Schlimm aber: Bei dem Vorfall handelte es sich um Brandstiftung.
Sobald die Marktkirche erneut hergestellt ist, sollen dort wieder Konzerte stattfinden. „Die Tickets dafür bekommt man dann auch an der Touristeninformation.“ Sehenswert seien in der Stadt zudem das Oberharzer Bergbaumuseum, das Geburtshaus von Robert Koch sowie der Kunsthandwerkerhof, wo sechs Aussteller ihre Ateliers haben. An jedem ersten Samstag im Monat finden normalerweise in Deutschlands größter Holzkirche Führungen statt. Auf der Website der Kirchengemeinde erfährt man alles zu Veranstaltungen und Terminen.