Hybrid aus Schiff und Flugzeug

Das „Kaspische Seemonster“ wird eine Touristen-Attraktion

Nach mehr als 30 Jahren wurde das Kaspische Seemonster in die russische Stadt Derbent gebracht
Nach mehr als 30 Jahren wurde das Kaspische Seemonster in die russische Stadt Derbent gebracht
Foto: dpa picture alliance

Es ist kein richtiges Flugzeug, es ist kein richtiges Schiff – es ist ein „kaspisches Seemonster“. Mit genau diesem Begriff wird der Ekranoplan bezeichnet, ein Hybrid aus Flugzeug und Schiff, der einst von der Sowjetunion entwickelt wurde und von dem nur ein einziges Exemplar gebaut wurde. Woher sein seltsamer Spitzname kommt und was aus ihm wurde – TRAVELBOOK kennt die Geschichte.

Am Strand der russischen Stadt Derbent liegt, halb an Land, halb im Wasser, ein riesiges, graues Gefährt. Auf den ersten Blick denkt man, es wäre ein abgestürztes Flugzeug. Doch das Objekt ist weder abgestürzt, noch handelt es sich um ein Flugzeug. Am Strand von Derbent liegt nämlich das „Kaspische Seemonster“, ein ganz besonderes Objekt, mit einer ganz besonderen Geschichte. Sie beginnt vor mehr als 50 Jahren, Anfang der 60er Jahre, in Russland.

1963 entwickelte ein Team rund um den russischen Schiffs- und Flugzeugkonstrukteur Rostislaw Alexejew einen Ekranoplan, ein riesiges Bodeneffektfahrzeug, das dank acht Triebwerken bis zu 500 km/h schnell wurde. Laut „Spiegel“ wog der Gigant bis zu 544 Tonnen – zum Vergleich, ein heutiger Airbus 318 wiegt voll beladen etwa 68 Tonnen. Dass der Ekroplan überhaupt fliegen konnte, verdankt er einer besonderen Konstruktion, bei der in Bodennähe „Luftkissen“ erzeugt werden, die das Fluggefährt in der Luft halten.

Der Ekroplan ist 90 Meter lang und hat eine Spannweite von 37 Metern

Der Ekranoplan ist 90 Meter lang und hat eine Spannweite von 37 Metern
Foto: dpa picture alliance

Wie der Ekranoplan zum „Kaspischen Seemonster“ wurde

Der Vorteil des Ekranoplans war, dass er für den Radar fast unsichtbar war, da er sehr schnell war und zusätzlich, wegen der nötigen Bodennähe, sehr tief flog. Das brachte ihm auch den Spitznamen „Kaspisches Seemonster“ ein. Als nämlich 1966 das erste Mal der Ekranoplan losflog und mit mehr als 400 Kilometer pro Stunde in nur vier Metern Höhe über das Kaspische Meer rauschte, konnten US-Geheimdienste zunächst gar nicht zuordnen, was sie dort eigentlich sahen.

Auch spätere Satellitenaufnahmen, die die gigantischen Ausmaße von 90 Metern Länge und 37 Metern Spannweite zeigten, brachten keine Klarheit. Noch jahrelang rätselte die CIA damals, worum es sich eigentlich bei dem Ekranoplan handelt, und taufte das Gefährt schließlich, in Ermangelung besserer Informationen „Kaspisches Seemonster“.

Erst im Vergleich wird klar, wie groß das „Kaspische Seemonster“ tatsächlich ist

Erst im Vergleich wird klar, wie groß das „Kaspische Seemonster“ tatsächlich ist
Foto: dpa picture alliance

Der Untergang des „Kaspischen Seemonsters“

Doch das Monster hatte nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile. So machten ihm laut „Spiegel“ vor allem hohe Wellen zu schaffen, die die Stabilität des Luftkissens gefährdeten. Sie waren es auch, die letztlich zum wortwörtlichen Untergang des Ekranoplans führten.

Bei einem Testflug im Jahr 1980 schlug das „Kaspische Seemonster“ mit hoher Geschwindigkeit auf dem Wasser auf und auch wenn die Besatzung sich noch retten konnte, versank der Ekranoplan. Auch das ist vermutlich ein Grund, warum nie ein zweiter gebaut wurde – und die Tatsache, dass mit Ende der Sowjetunion und des Kalten Kriegs kein Bedarf mehr bestand. So verrottete das „Monster des Kaspischen Meeres“ jahrzehntelang in eben diesem, genauer gesagt im Hafen der Stadt Kaspijsk, wo es laut „CNN“ vor sich hin rostete. Bis es vor einigen Wochen eine neue Heimat bekam.

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„Seemonster“ soll Touristen-Attraktion werden

Doch nach 30 Jahren dort wurde der Ekranoplan in diesem Sommer in die etwa 100 Kilometer entfernte Stadt Derbend gebracht. Der Grund: Dort wird ein touristischer Militärpark gebaut und der Ekranoplan soll eine der Hauptattraktionen werden.

Schon jetzt hat er Fans auf der ganzen Welt – und sogar einige, die ihn kopieren wollen. Laut „CNN“ gibt es bereits Projekte weltweit, von Singapur über China bis in die USA, die ebenfalls an Bodeneffekt-Flugzeugen arbeiten. Auch wenn über diese Projekte wenig bekannt ist, steht zumindest etwas Positives bereits fest: Sie werden nicht für das Militär, sondern für den Frachtentransport entwickelt.

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